Resolution 1815 schwamm auf einer Falschmeldung auf (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 28.05.2012, 13:19 (vor 2672 Tagen) @ H. Lamarr

Die Erwartungen der Anti-Mobilfunker von Diagnose-Funk an die Resolution des Jean Huss waren groß - und wurden herb enttäuscht. Das ist erst mal nur eine Behauptung. Wegen einer von dem Verein ausgehenden und weit verbreiteten Falschinformation lässt sie sich jedoch gut belegen. Hilfe dazu leistet der Drang von Diagnose-Funk, auch Meldungen der Dramatik-Kategorie 2 oder 3 mit künstlich aufgesetzten Attributen einen Hauch von mehr Wichtigkeit zu geben.

Diagnose-Funk behauptet in einem Webbeitrag vom 27. Mai 2011: "Das höchste beschlussfassende Gremium des Europarates, der Ständige Ausschuss, fordert am 27.05.2011 in seinem Beschluss ..."

Offenkundiges Ziel der Behauptung ist es, der Resolution 1815 ein wenig mehr Geltung zu verschaffen, weil die wenigsten je etwas von dem Europarat gehört haben, geschweige denn von dessen Ständigem Ausschuss.

Jedoch, die Behauptung ist unzutreffend. Der Ständige Ausschuss ist lediglich wichtigster Ausschuss der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, höchstes Gremium aber ist das Ministerkomitee.

Der Fehler an sich ist nicht bedeutsam, interessant ist, wer alles die Falschmeldung von Diagnose-Funk geschenkt bekommen oder auf der Website des Vereins erbeutet, und unbesehen auf seine eigene Webpräsenz geschleppt hat. Das Ergebnis des Beutezugs kann den Verein nicht zufrieden stellen, denn kein einziger bedeutsamer Beutemacher wollte sich bedienen, dafür finden sich jede Menge Sites mit mehr oder weniger zweifelhaftem und nicht selten auch kommerziellem Hintergrund.

Der Suchbegriff "höchste beschlussfassende Gremium des Europarates" fördert heute bei Google 44 echte Treffer zutage. Bei den echten Treffern fehlen die Sites, die den Suchbegriff z.B. mehrfach auf der Seite haben. Die Anzahl der echten Treffer zeigt Google erst dann, wenn man unten auf der Seite mit den Suchergebnissen die höchste Seitennummer anklickt. Im vorliegenden Fall schmilzt die Anzahl der Treffer so von 101 auf eben 44.

Die Sites der Trefferliste sind ein buntes Sammelsurium von Seiten besorgter Einzelpersonen, Anti-Mobilfunk-Initiativen, Geschäftemachern, Esoterikern und Gesundheitsaposteln. Irgendein bedeutsamer Meinungsmultiplikator ist nicht auszumachen. Wenn man sich ansieht, mit welchem Aufwand Diagnose-Funk seinerzeit versucht hat, die Resolution 1815 ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen (z.B. mit einem 12-seitigen "Brennpunkt"), dann muss das magere Ergebnis für die Verantwortlichen des Vereins ernüchternd sein. Einer dieser Verantwortlichen ist der Stuttgarter Peter Hensinger. In der "Neuen Rheinischen Zeitung", sie ist normalerweise Sprachrohr für die sogenannte "Kompetenzinitiative" (noch ein Anti-Mobilfunk-Verein) schreibt er schon am 6. Mai 2011, also noch vor Verabschiedung der Resolution im Ständigen Ausschuss, siegessicher: Ein Riesenschritt in der Mobilfunkpolitik! Was Hensinger nicht sagt ist die Richtung des Riesenschritts, die, das belegt die Liste der 44 Websites, nicht vorwärts ins helle Licht führt, sondern abseits ins Dickicht des Unterholzes.

Selbstverständlich gibt es zur Resolution 1815 mehr als nur die 44 oben thematisierten Negativtreffer. Deren Prüfung auf Mitwirkung des Anti-Mobilfunk-Vereins Diagnose-Funk ist jedoch nicht so einfach möglich wie bei den berüchtigten Copy-Paste-Mobilfunkgegnern.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
EU, Diagnose-Funk, NRhZ-Online, Medien, Copy-Paste, Hensinger, Falschmeldung, Sprachrohr, Knotenpunkt, Brennpunkt, Rentenschock-Phänomen, Huss, Europarat, 150448


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