Elektrosmog-Profiteure: mit Tricks zum Ziel (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 26.11.2011, 14:21 (vor 3152 Tagen) @ Kuddel

Das Problem ist, ... , daß in bestimmten Kreisen solche Sätze gerne aus dem Kontext gelöst werden, um es z.B. in einer "Zitatesammlung" der Bevölkerung als offizielles Zitat eines EU-Gremiums unterzujubeln.

Es sind zuweilen sehr verschlungene Wege, die da gegangen werden ...

Ich habe ja schon mal von meiner Bekannten berichtet, die Brustkrebs hatte. Sie ging damals zu einem Heiler, der ihr Bioresonanz verordnete, und schwupps, nach ein paar saftig teuren Sitzungen, war der Krebs weg. Sie war begeistert. Der Heiler auch. Beide beschlossen zu versuchen, die Krankenkasse zur Zahlung der Bioresonanz-Therapie zu verklagen, es ging, meine ich, um ein paar tausend Mark oder Euro. Seither ist meine Bekannte allerdings wenig auskunftsfreudig wenn ich mich erkundige, wie die Geschichte ausgegangen ist, klare Antworten kriege ich nicht. Woraus ich schließe: Der infame Angriff auf die Gemeinschaft der Versicherten ist gescheitert.

Mit Präzedenzfällen versuchen, Weichen zu stellen

Die Strategie des Arztes ist nachvollziehbar. Erstreitet er vor Gericht die Zahlungsverpflichtung der KK für seinen Budenzauber, wäre er in der Branche der Heiler so etwa wie Andy Warhol für die Kunst. Er hätte einen Präzedenzfall geschaffen, der Dämme brechen ließe, alternativmedizinisch wirkungsloser Spektakel würde die von der Gemeinschaft der Versicherten zu tragenden Behandlungskosten Richtung Himmel treiben. Um eingebildete Kranke mit Placebos zu heilen würde ich den gerissenen Privat-Heilern Konkurrenz machen mit amtlich geprüften öffentlich-rechtlichen Heilanstalten, in denen nach 1 Tag Umschulung 1-Euro-Jobber als Heiler in weißen Kitteln heilen. Die Abteilung "Brustvergrößerung durch Handauflegen" würde sich wahrscheinlich schnell als Profitcenter etablieren, wobei die Einnahmen dann freilich eher von den Handauflegern kämen. Dass das prinzipiell so funktioniert, zeigte einmal ein TV-Film (Galileo), in dem eine Schauspielerin erfolgreich eine Heilerin mimte, und mit sinnleerem aber beschwörendem Germurmel einer Patientin ihre Rückenschmerzen nahm (ich gehe davon aus, dass der Film keine Inszenierung von Realität war).

Meine Bekannte wäre mMn auch dann geheilt worden, wenn sie vier Wochen mit nassen Kamillenteebeutel an den Ohren durch die Gegend gelaufen wäre, denn gerade bei mammograpiertem Brustkrebs ist Spontanheilung kein Wunder, sondern mit gut 20 Prozent aller Fälle eine berechenbare Größe.

Warum warten bis der Patient krank ist?

Je nach krimineller Energie eines Heilers lässt sich der Faden auch noch weiter spinnen: Es genügt ja schon eine Scheindiagnose, die keinerlei realen Hintergrund hat. Die Patienten sind solchen Heilern nicht selten ergeben und völlig unkritisch. Es genügt also im Prinzip, einem Patienten eine erfundene Krankheit an den Hals zu hängen und ihm zugleich, gegen Honorar natürlich, die Heilung mit irgendeinem Schnickschnack wie Bioresonanz zu verheißen. Ich wette, die meisten beißen an. Das Risiko für den kriminellen Heiler des Betrugs überführt zu werden ist gering, denn a) kann er sich anfangs mit einer Fehldiagnose rausreden und b) bei später einsetzendem Misstrauen freudestrahlend den Heilungserfolg geltend machen. Dass er eine nicht vorhandene Krankheit geheilt hat, das soll ihm erst mal einer nachweisen. Da die Patienten privat aus eigener Tasche zahlen, fehlt auch jegliche kompetente Kontrollinstanz, wie sie bei Versicherungsfällen zu fürchten wäre. Ich denke dieses Geschäftsmodell ist so verlockend, dass es auch tatsächlich praktiziert wird.

Das Ziel ist verlustig, nur der Weg dorthin profitabel

Vielleicht das noch: Bekanntlich profitieren viele davon, wenn in der Bevölkerung die Angst vor Elektrosmog geweckt und geschürt wird. Und wir alle kennen die (politischen) Forderungen, mit denen Mobilfunkgegner und Elektrosensible öffentliche Aufmerksamkeit bekommen. Da stellt sich die Frage, was wäre, wenn alle diese Forderungen erfüllt würden, beispielsweise Elektrosensible "Schutzzonen" bekämen und die Grenzwerte für Masten auf irgendetwas nahe Null gesenkt wären. Dann wäre der Spuk - das Geschäft mit der Angst - vorüber. Für die Hintermänner der Elektrosmog-Debatte kann das nur heißen: Der Weg ist das Ziel! Und das Ziel darf natürlich nie erreicht werden. Es ist also mMn ein Balanceakt, den die Elektrosmog-Hetzer zustande bringen müssen: Um die Umsätze ihrer Branchen nicht zu gefährden, dürfen sie nicht zu erfolgreich sein. Momentan ist dieses Risiko, zu erfolgreich zu sein, für die Antreiber der Szene noch in unerreichter Ferne.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Klage, Bioresonanz, Geschäftsidee, Schutzzonen, Kriminelle, Trick, Alternativmedizin, Spontanheilung, Schutzprodukt, Fehldiagnose


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