Baubiologen - die neuen Rutengänger (Allgemein)

AnKa, Sonntag, 13.11.2011, 10:52 (vor 4042 Tagen) @ Kuddel

Daher geht der findige Radiästhet mit der Zeit, sattelt auf Elektrosmogmessung um und wird "Baubiologe", sich die Tatsache zunutze machend, dass praktisch überall Funksignale vorhanden sind, die man durch "Maßnahmen" weiter abschwächen kann.

Für relativ kleines Geld kann man empfindliche "Transistor-Empfänger" bauen/kaufen, mit welchen Funksignale "bewertet" werden können.
Eine ganze "Industrie" von Meßgeräte- und Abschirm-Herstellern ist mittlerweile entstanden.

Ziel erreicht !
Das "Mutungs"- Ergebnis ist nun reproduzierbar und durch einfache "Maßnahmen" auch beeinflußbar. Das überzeugt den modernen Kunden.

Aber damit die "Messung" und die "Maßnahme" einen Sinn, bzw eine Existenzberechtigung hat, fehlt noch eine Kleinigkeit, nämlich der Anreiz für den potentiellen Kunden, eine Messung und die Druchführung von Maßnahmen zu beauftragen.

Es muß Menschen geben, welche auf die schwachen Signale gesundheitlich "reagieren", welche der elektronische (Radio) Empfänger mit seiner millionenfachen Verstärkung "mutet" und möglichst müssen diese Menschen unter der Strahlung "leiden".

Zu diesem Zweck pflegten und sammelten schon die klassischen Rutengänger "Fallgeschichten", so, wie es heute die modernen Baubiologen tun.

"Baubiologen" - die neuen Rutengänger.

Ihre Zusammenfasssung finde ich sehr vergnüglich. Sie beschreibt dieses neu formatierte Geschäftsmodell sehr anschaulich.

Würde die ganze Sache nicht auf der Basis des Schürens von Angst funktionieren, wäre das ganze m.E. sogar zu tolerieren. Ob die Leute ihr Geld für selbstgelebte Science Fiction ausgeben, kann dem unbeteiligten Dritten letztlich egal sein. Auch Spinner dürfen in einer offenen und freiheitlichen Gesellschaft ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen, solange sie andere nicht dabei willkürlich stören, benachteiligen, deren Freiheit einschränken. Das ist ja das Schöne an der offenen Gesellschaft: es geht bunt in ihr zu.

Das Schüren von Angst aber, das ist meiner Meinung nach Körperverletzung. Ein Geschäftsmodell, das hierauf fusst, sollte stets hinterfragt werden. Ich bin mir darüber im Klaren, dass bei diesem Thema eine (breite, neblige) Grauzone besteht. Auch Versicherungen könnte man unterstellen, mit der Methode des Angstschürens zu arbeiten. Allerdings bekommt man von Versicherungen Gedrucktes in die Hand: Geschäftsbedingungen, einen Vertrag, das Kleingedruckte darin. Manchmal wird vor Abschluss eines Vertrages noch ein Gutachten eingeholt. Man kann also vielfach und nachvollziehbar prüfen, bevor man unterschreibt.

Mich würde einmal interessieren, wie so ein typischer Baubiologen-Dienstleistungsvertrag aussieht. Speziell: Wie viel Verantwortung für seine Mitteilungen, Ergebnisse, Empfehlungen übernimmt denn der Leistungserbringer in Sachen "Baubiologie"? Gibt es irgendwo so ein Exemplar, das wir hier im Detail einmal diskutieren könnten?

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"Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere." (Groucho Marx)


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