Kurt Straif (IARC) und Ron Melnick erwidern auf James C. Lin (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 20.10.2011, 00:09 (vor 3327 Tagen) @ H. Lamarr

Lin stört sich an der Ungleichbehandlung, die die IARC gegenüber dem Schweden Anders Ahlbom und dem Amerikaner Ron Melnick an den Tag legte.

Wie Doris entdeckte, hat der Juni-Artikel von James C. Lin ein Nachspiel gehabt. In der Oktober-Ausgabe des "IEEE Microwave Magazine" erschien der Artikel von Lin noch einmal, diesmal aber mit Stellungnahmen von Kurt Straif (IARC) und Ron Melnick.

Erklärung von Kurt Straif

Straif macht deutlich, dass es Voraussetzung für eine Einladung zu den Monographie-Meetings der IARC ist, dass ein interessierter Wissenschaftler die “WHO Declaration of Interests” vorlege. Ein "Ja" dort würde einen Kandidaten nicht automatisch für die Teilnahme disqualifizieren. Prof. Ahlbom habe die gewünschte Erklärung abgegeben und wurde daraufhin zur Teilnahme eingeladen. Eine Woche vor dem Meeting sei von Ahlbom dann eine umfassendere Erklärung zu seinen Interessenkonflikten gekommen, in der er angab, in der Beratungsfirma seines Bruders als Vorstandsmitglied tätig zu sein. Die Firma berate auf EU-Ebene auch kommerzielle Unternehmen der Telekommunikationsbranche. Und in einem der deklarierten Projekte seinen die Großen der Telekommunikationsbranche Geschäftspartner gewesen. Wegen dieses Interessenkonflikts habe die IARC Ahlbom vorgeschlagen, (nur) als "eingeladener Spezialist" an dem Meeting teilzunehmen (welche Einschränkungen dies für Ahlbom bedeutet hätte ist in der Teilnehmerliste nachzulesen). Der Vorschlag sei mit dem Schweden in einigen langen Telefonaten diskutiert worden, doch Ahlbom habe letztlich auf eigenen Wunsch von der Teilnahme gänzlich Abstand genommen. Gemäß Straif habe die IARC Ahlbom zuletzt so verstanden, dass er seinen Vorstandsposten in der Firma seines Bruders inzwischen aufgegeben hat.

Kurt Straif äußert sich auch zu Ron Melnick. Der Amerikaner habe erklärt, als wissenschaftlicher Berater für ein von der EU finanziertes Forschungsprojekt tätig zu sein. In dem Projekt ginge es um die Beurteilung der Exposition und des Risikos von funktechnischen Geräten. Derart informiert habe die IARC Melnick dennoch eingeladen. Während des Meetings sei Dr. Lin per E-Mail an die IARC herangetreten, "Ron Melnick Consulting" sei ein nach Gewinn strebendes Unternehmen mit besonderem Interesse an den biologischen Wirkungen von HF-Signalen und an biologischen Reaktionen auf Handys. Die IARC sei daraufhin unverzüglich in Kontakt zu Lin getreten, der aber habe lediglich gemeint, seine E-Mail hätte Offensichtliches zur Sprache gebracht. Die IARC diskutierte daraufhin mit Melnick dessen Erklärung zu Interessenkonflikten, zu weiterführenden Schritten, etwa einen Ausschluss, sah sie jedoch keinen Anlass.

Erklärung von Ron Melnick

Ronald Melnick schreibt, er habe nach seinem Ausscheiden (Pensionierung) beim amerikanischen National Institute of Environmental Health Sciences (National Institutes of Health), eine kleine Beratungsfirma gegründet mit sich als einzigem Mitarbeiter. Im Gegensatz zu der Geschäftstätigkeit der Beratungsfirma von Ahlboms Bruder habe seine Firma jedoch nie Kunden in Energie- und Umweltfragen bezüglich Telekommunikation beraten. Weder er noch irgendein Mitglied seiner Familie hätten je Zahlungen aus kommerziellen Quellen erhalten, die im Zusammenhang mit dem Ergebnis des Meetings in Lyon stünden. Melnick geht davon aus, dass es dieser Unterschied zum Fall Ahlbom ist, der die IARC dazu bewogen hat, den von Lin gemeldeten Interessenkonflikt zu verwerfen. Nebenbei bestätigt Melnick in seinen Ausführungen, dass die 2B-Wertung der IARC für Handys gelte ("mobile phones"). Ebenfalls erhellend ist das, was Melnick über das von ihm initiierte Handystrahlung-Forschungsprojekt sagt. Dies sei vermutlich die größte Gesundheitsstudie, die je im Rahmen des NTP gelaufen sei (National Toxicology Program). Ursache dafür wäre, dass völlig neue Expositionskammern entwickelt und erprobt werden mussten, um in angemessener Weise der Hypothese auf den Grund zu gehen, nichtthermische Exposition könne unter kontrollierten Laborbedingungen keine chronischen Wirkungen wie etwa Krebs zeigen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Interessenkonflikt, Expositionskammer, 2B, Monographie, Fachkreisen, Ahlbom, Melnick, Straif, Environmental Health


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