Sinn(losigkeit) von Standortkonzepten (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 04.05.2009, 00:05 (vor 3792 Tagen)

Ich hab' da mal ne Frage!

"Standortkonzepte", also die kommunale Planung von Senderstandorten in einer Gemeinde (ganz & gar unabhängig von der Planung der Betreiber), haben ja besonders in kleineren Gemeinden und kleineren Städten Konjunktur. Wer was auf sich hält und glaubt bei seinen Bürgern durch EMF-Fürsorge punkten zu müssen, der beauftragt einen unabhängigen Sachverständigen mit dem Entwurf eines Standortkonzepts. So ein Konzept kostet schnell ein paar Tausend Euros oder mehr. Dennoch ist das Resultat so eines Konzepts reichlich simpel, denn unterm Strich sagt es lediglich, wo neu zu errichtende Sendemasten zu stehen haben, damit die Bürger aus Sicht des Gutachters möglichst wenig Funkfelder von den Antennen abbekommen. Das "gewusst wie" lassen sich die Gutachter halt ordentlich bezahlen. Soweit alles klar?

So ein Gutachten beruht jedoch immer auf einer Momentaufnahme der aktuellen Sendemastsituation in einer Gemeinde. Ausgehend von dieser Momentaufnahme plant der Gutachter die Standorte für neue Sendemasten so, dass diese sich bestmöglich in die vorhandene Sendemastenstruktur einfügen.

So, nun bin ich endlich bei meiner Frage angekommen: Was passiert eigentlich, wenn sich ein Betreiber nicht um das teure Standortkonzept schert, sondern einen neuen Standort dort sucht, wo es ihm - und nicht den Kommunalpolitikern inklusive Gutachter - sinnvoll erscheint?

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann wirft eine einzige derartige Abweichung von der Planung das gesamte Standortkonzept über den Haufen - oder zumindest einen Teil davon. Die Planung kann (muss) dann wieder von vorne beginnen, weil die Voraussetzungen sich verändert haben. Und dass ein Betreiber sich einem Standortkonzept widersetzt ist nicht unwahrscheinlich, denn solche kommunalen Funknetzplanungen sind in aller Regel für Betreiber nicht verbindlich, vielmehr sind sie auf deren guten Willen angewiesen.

Kurz: Ich habe den Verdacht, dass viele Gemeinden in gutem Glauben in Standortkonzepte einen Haufen Geld investieren, sich jedoch nicht darüber im klaren sind, dass bereits eine einzige Abweichung von der (unverbindlichen) Standortplanung genügen kann, um das Standortkonzept in die Tonne treten zu können. Aus meiner Sicht ist dies fahrlässiger Umgang mit dem raren Gut Steuergeld.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Krötenwanderung, Netzplanung, Standortkonzept, Steuerverschwendung, Gemeinde, Immissionsprognose


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