Entwarnung für Meike Mevissens iPhone (Allgemein)
Einige Aussagen von ihr, mit der ich ja auch einige Publikationen habe, finde ich etwas überraschend oder irritierend. Nur als ein Beispiel: "Und dann sollten wir zumindest wissen wollen, welcher Strahlung wir im Alltag bei normaler Nutzung ausgesetzt sind. Niemand überprüft hierzulande, ob die Grenzwerte bei den Geräten eingehalten werden. Wenn ich nun neben mir mein iPhone habe, wie viel Strahlung kriege ich ab? Dies sollte auch die Politik interessieren."
Auf Anhieb habe auch ich mit der Äußerung nicht viel anfangen können. Mit etwas Abstand noch einmal draufgeschaut, ist mir jetzt aber klar, was Frau Mevissen sagen möchte. Sie beklagt, dass in der Schweiz in den Handel gebrachte Smartphones nicht geprüft werden, ob die Geräte die vorgeschriebenen Grenzwerte überhaupt einhalten. Ihr fehlen auf diesem Gebiet die Marktkontrollen. Das ist nachvollziehbar. Vertrauen in die Gerätehersteller ist gut, doch Marktkontrollen sind besser.
Meines Wissens gibt es in der EU allein in Frankreich systematische Marktkontrollen an Smartphones und dergleichen. Alle anderen EU-Staaten (Marktüberwachungsbehörden) werden über ICSMS (Information and Communication System for Market Surveillance) von den Ergebnissen der Franzosen in Kenntnis gesetzt. Ob auch die Schweiz Zugriff auf ICSMS hat weiß ich nicht.
74 aus 1155: Ziehung der Grenzwertsünder
ANFR hat seit 2012 bis heute 1155 Geräte geprüft, die mit HF-EMF arbeiten. Die weit überwiegende Mehrzahl davon sind Smartphones (der Rest sind Tablets, Smartwatches, Fitnesstracker, Laptops ...). Bislang gingen den Franzosen in rd. 14 Jahren 74 Geräte ins Netz, bei 1081 Geräten ergaben die Grenzwertkontrollen keine Beanstandungen.
Geprüft werden drei HF-EMF-Grenzwerte, gültig für die Allgemeinbevölkerung:
► SAR Kopf (max. zulässig: 2 W/kg)
► SAR Rumpf (max. zulässig: 2 W/kg)
► SAR Gliedmaßen (max. zulässig 4 W/kg)
Interessant ist nun zu sehen, welcher dieser Grenzwerte wie häufig und in welchem Ausmaß gerissen wurde. Denn damit lässt sich das Risiko abschätzen, möglicherweise unzulässig stark bestrahlt zu werden.
Grenzwertüberschreitung (Häufigkeit)
► SAR Kopf: 2 von 1155 Geräten (0,17 Prozent)
► SAR Rumpf: 47 von 1155 Geräten (4,07 Prozent)
► SAR Gliedmaßen: 33 von 1155 Geräten (2,86 Prozent)
Die Anzahl der Geräte ist >74, weil einige Geräte mehr als einen HF-EMF-Grenzwert überschritten haben.
Der wichtigste Grenzwert (SAR Kopf) wird mit 0,17 Prozent am seltensten überschritten. Das ist beruhigend. Die beiden anderen Werte sind deutlich höher, aber noch immer auf niedrigem Niveau. Die Risikobewertung verschieben wir auf später.
Grenzwertüberschreitung (Ausmaß)
► SAR Kopf: min. 2,08 W/kg bis max. 3,74 W/kg (+4 Prozent bis +87 Prozent)
► SAR Rumpf: min. 2,01 W/kg bis max. 4,60 W/kg (+0,5 Prozent bis +130 Prozent)
► SAR Gliedmaßen: min. 4,01 W/kg bis max. 7,05 W/kg (+0,25 Prozent bis +76,3 Prozent)
Über Grenzwert, aber deshalb auch gefährlich?
Das Ausmaß der Grenzwertüberschreitungen reicht von belanglos niedrigen Werten bis zu mehr als dem Doppelten (+130 Prozent) des erlaubten Werts. Aber: Ist mit den Maximalwerten automatisch ein Gesundheitsrisiko verbunden? Wahrscheinlich nicht. Wobei diese Einschätzung nicht als Einladung für die Gerätehersteller zu sehen ist, die Einhaltung der Grenzwerte lasch zu handhaben. Gleichwohl gibt es für die Wertung "wahrscheinlich nicht" gute und nachvollziehbare Gründe.
► Das volle Ausmaß einer Grenzwertüberschreitung tritt nur dann auf, wenn ein Smartphone mit maximaler Strahlungsleistung sendet. Dies ist bei den heutzutage dichten Mobilfunknetzen nicht ausgeschlossen, aber eher selten der Fall. Im Regelfall wird das Ausmaß der Grenzwertüberschreitung kleiner sein bis hin zu einer grenzwertkonformen Abstrahlung.
► Für beruflich exponierte Personen gelten höhere Grenzwerte:
- SAR Kopf (max. zulässig: 10 W/kg)
- SAR Rumpf (max. zulässig: 10 W/kg)
- SAR Gliedmaßen (max. zulässig: 20 W/kg)
Dies deshalb, weil Arbeitnehmer im Berufsleben üblicherweise weder Rentner, Kranke noch Kinder sind, die Expositionsdauer auf die Arbeitszeit begrenzt ist und die Exposition normalerweise nicht im Schlaf stattfindet. Unter diesen Umständen sollen Berufstätige eine bis zu 5-Mal höhere Exposition als die Allgemeinbevölkerung schadlos verkraften. Und wir dürfen erleichtert feststellen, dass keine einzige der von ANFR gefundenen Grenzwertüberschreitungen die Grenzwerte für berufliche Exposition reißt.
Aus alledem lässt sich ableiten, dass Frau Mevissen ihr iPhone unbesorgt weiter nutzen kann, auch wenn die Behörden in der Schweiz kein Smartphone auf Grenzwerteinhaltung geprüft haben. Die Marktmechanismen scheinen zwar nicht perfekt zu funktionieren, aber gut genug, um eine akute Gefährdung von Smartphonenutzern ausschließen zu können. Dringenden Handlungsbedarf sehe ich deshalb nicht. Nachdem sich die europäischen Anti-Mobilfunk-Vereine jedoch liebend gerne mit belanglosem Firlefanz beschäftigen, fände ich es gut, würden die Jungs und Mädels zur Abwechslung mal ein dickes Brett bohren und sich für eine fortschrittliche Reform der Marktüberwachung von Geräten mit HF-EMF-Baugruppen einsetzen. Vor ungefähr drei Jahren wollte ich genau zu dem Thema Marktüberwachung eine Petition am Deutschen Bundestag einreichen, habe das Projekt dann aber aus den Augen verloren.
Quelle: DAS téléphonie mobile
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
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- Meike Mevissen fährt schweres Geschütz gegen das BfS auf -
Alexander Lerchl,
28.01.2026, 19:04
- Meike Mevissen fährt schweres Geschütz gegen das BfS auf -
KI,
28.01.2026, 19:19
- Meike Mevissen fährt schweres Geschütz gegen das BfS auf -
Alexander Lerchl,
28.01.2026, 19:52
- KIZgMF - H. Lamarr, 28.01.2026, 20:37
- Mevissen fährt auch organisierten Mobilfunkgegnern in die Parade -
H. Lamarr,
28.01.2026, 20:14
- Diagnose-Stunk -
H. Lamarr,
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- Diagnose-Stunk: Beitrag gelöscht, Ersatz durch Microwave News -
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- Diagnose-Stunk: Wissenschafts- und Politikskandal abgesagt - H. Lamarr, 30.01.2026, 15:51
- Diagnose-Stunk: Beitrag gelöscht, Ersatz durch Microwave News -
H. Lamarr,
29.01.2026, 23:53
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H. Lamarr,
28.01.2026, 22:40
- Microwave News desinformiert en passant - H. Lamarr, 31.01.2026, 21:06
- Mevissen fährt auch organisierten Mobilfunkgegnern in die Parade - e=mc2, 29.01.2026, 09:20
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H. Lamarr,
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- Entwarnung für Meike Mevissens iPhone -
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02.02.2026, 19:37
- Entwarnung für Meike Mevissens iPhone? - H. Lamarr, 02.02.2026, 21:55
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