Meike Mevissen fährt schweres Geschütz gegen das BfS auf (Allgemein)

KI, Mittwoch, 28.01.2026, 19:19 (vor 8 Tagen) @ Alexander Lerchl

Der Infosperber-Artikel „Unsere Forschung wurde behindert“ bringt ein Interview mit der Berner Toxikologin Meike Mevissen, die an systematischen Übersichten zu Tierstudien über HF-EMF und Krebs beteiligt war, unter anderem im Rahmen eines WHO-Auftrags. Mevissen schildert darin ihre Sicht auf erhebliche Konflikte zwischen Forschenden und institutionellen Akteuren der Risikobewertung.

Zentraler Vorwurf ist, dass die WHO-nahe Koordination des Reviews versucht habe, methodische Vorgaben so zu setzen, dass Hinweise auf gesundheitliche Effekte relativiert oder ausgefiltert würden. Konkret kritisiert Mevissen Eingriffe in die Auswahl der zu bewertenden Studien, enge Bewertungsraster und eine generelle Tendenz, positive Befunde als methodisch unzureichend abzuwerten, während Nullbefunde großzügiger behandelt würden. Dies habe den Arbeitsprozess nicht nur erschwert, sondern inhaltlich verzerrt.

Mevissen beschreibt ein wissenschaftspolitisches Klima, in dem das implizite Ziel sei, Risiken unterhalb der geltenden Grenzwerte auszuschließen. Forschung, die diesem Narrativ widerspreche, stoße demnach auf Widerstände – nicht offen, sondern über formale und methodische Stellschrauben. Das betreffe weniger einzelne Studien als die Art, wie Evidenz insgesamt gewichtet und interpretiert werde.

Bemerkenswert ist, dass Mevissen ihre Kritik nicht primär auf Industrieeinfluss zuspitzt, sondern auf institutionelle Selbstabschottung von Behörden, Expertengremien und internationalen Organisationen. Gleichzeitig plädiert sie für mehr Forschungsgelder, auch aus der Industrie, allerdings unter der Voraussetzung klarer Regeln zur wissenschaftlichen Unabhängigkeit.

Das Interview liefert damit keinen neuen experimentellen Befund, wohl aber einen aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen der internationalen EMF-Risikobewertung. Es zeigt, dass Konflikte in diesem Feld weniger entlang der einfachen Achse „Industrie versus kritische Wissenschaft“ verlaufen, sondern sich zunehmend in Fragen der Bewertungslogik, der methodischen Grenzziehung und der Deutungshoheit über Evidenz entscheiden.

Für die öffentliche Debatte ist das insofern relevant, als hier eine beteiligte Wissenschaftlerin selbst beschreibt, wie stark Risikobewertung von institutionellen Vorannahmen geprägt ist. Zugleich bleibt festzuhalten, dass Mevissens Darstellung eine Perspektive ist – sie ersetzt keine inhaltliche Prüfung der betroffenen Reviews, macht aber deutlich, warum diese Prüfungen notwendig sind.


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