Wie Mobilfunkgegner mit Erwin Schliephake Ängste schüren (I) (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 08.09.2019, 18:00 (vor 71 Tagen)

Dr. Erwin Schliephake ist fester Bestandteil im Waffenarsenal organisierter Mobilfunkgegner. Grund dafür ist ein Artikel, den der deutsche Mediziner 1932 in einer Fachzeitschrift veröffentlichte. Dieses Posting zeigt, was Schliephake seinerzeit schrieb und wie Mobilfunkgegner ihm das Wort im Mund umdrehen, um einen banalen Sachverhalt in einen Frühalarm zurecht zu kneten. Mobilfunkgegner betreiben mit Schliephake Desinformation in Reinstform.

Erwin Friedrich Karl Victor Georg Heinrich Schliephake (1894 – 1995) war ein deutscher Mediziner, der sich schon ab 1926 mit Elektromedizin beschäftigte. Am 15. Juni 1932 hielt er vor der Berliner Medizinischen Gesellschaft einen Vortrag, dessen Manuskript er am 5. August 1932 in dem Fachblatt Deutsche Medizinische Wochenschrift veröffentlichte (Volltext). Thema waren seine Arbeitsergebnisse auf dem Kurzwellengebiet, denn Schliephake erforschte, wie sich die Wärmewirkung in Körpergewebe, hervorgerufen durch starke Kurzwellenbefeldung, in Konkurrenz zu Röntgen- oder Radiumstrahlen als therapeutisches Mittel nutzen ließe. Etwa zur Behandlung von Abszessen, die, weil gefäßlos und daher schlecht durchblutet, unter Funkeinwirkung eine viel stärkere Erwärmung zeigen, als das umgebende gesunde Gewebe. Zur gezielten Befeldung verwendete Schliephake keine übliche Kurzwellenantenne, sondern die Sonderform von zwei großen Kondensatorplatten, zwischen denen ein Patient so platziert wurde, dass das elektromagnetische Feld zwischen den Platten das zu behandelnde Körperteil bestmöglich durchdrang. Schliephake erprobte seine Apparatur auch an sich selbst und schreibt, er habe so ein Furunkel erfolgreich behandelt. Therapeutisch brauchbare Wellenlängen lagen aus Sicht des Mediziners zwischen 3 Meter und 16 Meter (20 MHz bis 100 MHz) wobei er einräumte, unterhalb von 3 Meter (>100 MHz) konnten damals Funkwellen (für therapeutische Zwecke) nicht mit genügender Energie hergestellt werden.

Um seinem Publikum die biologische Wirkung starker Funkfelder vor Augen zu führen, machte er in seinem Artikel einen Abstecher zum Kurzwellenrundfunk. Hier die ungekürzte Textpassage im Original-Wortlaut, die entscheidende Stelle habe ich rot markiert:

[...] Der Gesamtorganismus wird schon im Strahlungsfeld von starken Kurzwellensendern durch die freie Hertzsche Welle deutlich beeinflusst. Das empfinden alle Personen, die längere Zeit hindurch an solchen Sendern ohne genügende Schutzmittel haben arbeiten müssen. Es treten Erscheinungen auf, wie wir sie bei Neurasthenikern zu sehen gewohnt sind: starke Mattigkeit am Tag, dafür in der Nacht unruhiger Schlaf, zunächst ein eigenartig ziehendes Gefühl in der Stirn und Kopfhaut, dann Kopfschmerzen, die sich immer mehr steigern, bis zur Unerträglichkeit. Dazu Neigung zu depressiver Stimmung und Aufgeregtheit. Auch hierauf hat nach unseren Erfahrungen die Wellenlänge einen deutlichen Einfluss. Am unangenehmsten sind anscheinend die Wellen von etwa 4-5 m Länge. Eine Strahlung geht sowohl von den sonst ganz eingekapselten Geräten als auch vom eigentlichen Behandlungskreis aus. Man kann sich davor durch Drahtkäfige schützen, die aber sehr unbequem sind. Ich habe deshalb Käfige aus Ketten angegeben, durch deren Maschen man überall bequem hindurchgreifen kann. [...]

Der Mediziner äußert sich unmissverständlich über biologische Wirkungen, die ungeschütztes Wartungspersonal im unmittelbaren Strahlungsfeld starker Kurzwellenrundfunksender zeigte (Sendeleistung damals bis zu 20'000 Watt). Irgendeinen Hinweis, die Bevölkerung im Umkreis solcher Sender hätte Symptome gezeigt, gibt es im Text nicht. Diese Differenzierung hat weiter unten im Posting entscheidende Bedeutung. Die zitierte kurze Textpassage ist in dem gesamten 6-seitigen Artikel die einzige, in der sich Schliephake über Kurzwellenrundfunk äußert, im übrigen Text geht es um die Kurzwellentherapie. Mit den "eingekapselten Geräten" sind die Generatoren für die Kurzwellentherapie gemeint, die Drahtkäfige und Ketten (Faradayscher Käfig) sollten den Behandler vor Streufeldern schützen.

Rund 80 Jahre später ...

Schliephake erlebte am 1. Juli 1992, wenige Jahre vor seinem Tod, noch den Beginn des GSM900-Mobilfunkregelbetriebs in Deutschland. Nicht mehr erlebte er, wie organisierte Mobilfunkgegner seinen Artikel von 1932 für ihre Zwecke vereinnahmen. Wer als erster auf den historischen Artikel stieß ist nicht überliefert. Der "Elektrosensible" Uli Weiner behauptet, anlässlich seines dramatischen "Zusammenbruchs" am Frankfurter Flughafen 2002 hätte der Chefarzt der Klinik, in der er behandelt wurde, ihm den Schliephake-Artikel erstmals gezeigt (Quelle, ab Minute 6:20). Doch Weiner ist als Märchenonkel bekannt. Belegt ist, der Bayerische Landtagsabgeordnete und Mobilfunkkritiker Volker Hartenstein brachte 2005 den Schliephake-Artikel in der Anti-Mobilfunk-Szene in Umlauf, erhalten hatte er diesen von dem Zahnarzt Dr. Claus Scheingaber.

Was sich danach abspielte ist eine beispiellose Desinformationskampagne durch öffentlich auftretende Mobilfunkgegner. Wie diese Schliephakes oben zitierte kurze Abschweifung auf Kurzwellensender des Reichsrundfunks entstellt wiedergeben, zeigen die folgenden Beispiele. Wahrscheinlich gibt es noch etliche weitere Vorkommen. Bei meiner Recherche bin ich, es ist kaum zu glauben, auf keine einzige Fundstelle gestoßen, die Schliephake unverzerrt wiedergegeben hat. Also los, schauen wir gemeinsam nach, wie Mobilfunkgegner aller Bildungsschichten sich an Erwin Schliephake vergriffen haben. Irreführungen habe ich dort ebenfalls rot markiert:

2005 - Dr. med. univ. Gerd Oberfeld
Der szenebekannte österreichische Mobilfunkgegner Gerd Oberfeld trat 2005 auf dem ersten (und letzten) öffentlichen Bamberger Mobilfunksymposium auf und trug dort vor (Quelle: Oberfeld-Papier "Epidemiologische Untersuchungen bei Mobilfunksendeanlagen - Beispiele und künftige Überlegungen"):

[...] Diese Arbeiten zeigen übereinstimmend eine signifikante Beziehung zwischen selbstberichteten Beschwerden wie etwa häufigere Müdigkeit, Schwindelgefühl, Depressionen, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und Schlafstörungen unter Alltagsbedingungen und der Intensität der hochfrequenten Strahlung von Mobilfunksendeanlagen. Die methodischen Zugänge waren jeweils verschieden, die Ergebnisse ergänzen sich jedoch gut und geben ein plausibles und stimmiges Expositions-Wirkungs-Bild bei GSM-Expositionen im Schlafbereich von 10 bis 100 μW/m² und höher. Weitere Untersuchungen sind dringend nötig, um die Frage nach den Expositions- und Wirkungsbeiträgen unterschiedlicher Quellen hochfrequenter Strahlungen sowie elektrischer und magnetischer Wechselfelder besser zu quantifizieren. Diese bei Anwohnern von Mobilfunkbasisstationen regelmäßig auftretende Symptomatik gleicht dem von Schliephake 1932 [5] mitgeteilten Beschwerdebild mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlafstörungen, Depressionen, das bei anfälligen Personen aufgetreten war, die sich längere Zeit in der Nähe eines schlecht abgeschirmten Senders aufgehalten hatten. Ähnliche Erscheinungen sind auch bei der Diathermie als Kurzwellenkater bekannt geworden.[...]

Um den Zusammenhang zu Anwohnern von Mobilfunk-Basisstationen zu konstruieren vermeidet Oberfeld krampfhaft jeden klaren Hinweis auf das Wartungspersonal und auf starke Kurzwellensender, stattdessen verstört er seine Zuhörer mit dem für sie kryptischen und inhaltlich falschen Hinweis auf einen schlecht abgeschirmten Sender. Der feste Wille zur Desinformation des Publikums ist unübersehbar.

2006 – Dr. med. Markus Kern
Dr. Kern, später Mitbegründer der sogenannten Kompetenzinitiative, trat 2006 auf der Murnauer Ärztetagung auf ließ seine Zuhörer wissen (Quelle: Tagungsband der Veranstaltung):

[...] So beschreibt PROF. E. SCHLIEPHAKE bereits 1932 das Mikrowellensyndrom in der Medizinischen Wochenzeitschrift und stellt dazu fest, dass sich bei Menschen, die sich eine zeitlang in der Nähe von Ultrakurzwellensendern (gewisse Analogie zu Mobilfunk / Anm. d. Verfassers) aufgehalten hatten, ähnlich nervöse Erscheinungen einstellten, wie sie vom Neurastheniker her bekannt sind: starke Benommenheit und Mattigkeit am Tage und unruhiger, durch Angst- und Schreckzustände unterbrochenem Schlaf in der Nacht. Dazu kommt oft ein eigenartig ziehendes Gefühl in der Stirn- und Kopfhaut, häufig Kopfschmerzen, die sich zur Unerträglichkeit steigern können, ferner Neigung zu depressiver Stimmung, Aufgeregtheit und Streitsucht. Bei längerem Aufenthalt zeigen sich Trägheit und Entschlussunfähigkeit [...].

Kern ist das Paradebeispiel eines Desinformaten: Er mischt in den wahren Kern von Schliephake willkürlich dramatisierende Ergänzungen, die auf seinem eigenen Mist gewachsen sind. Um Schliephake noch einen Schuss mehr Autorität zu verschaffen, ernennt Kern ihn zum Professor. Das aber war Schliephake 1932 nicht, sondern laut Wikipedia erst ab 1936. Diese gezielte Überhöhung Schliephakes wird uns unten noch ein weiteres Mal begegnen und einen anderen Mobilfunkgegner als Copy-Paste-Spezialisten entlarven.

2009 – Prof. Karl Hecht
Auch Prof. Dr. med. Karl Hecht wollte nicht auf Erwin Schliephake verzichten. Was er aus dem Original machte ist atemberaubend (Quelle):

[...] Durch die athermische/biologische Wirkung hochfrequenter Wellen und schwacher Leistungsflussdichten kann das Radiofrequenzen- bzw. Mikrowellensyndrom nach wiederholtem oder dauerndem Einfluss infolge kumulativer Wirkung dieser EMF ausgelöst werden, welches 1932 erstmals von Schliephake beschrieben und seit dieser Zeit vielfach beobachtet worden ist.[...]

Hecht brachte 2009 das Kunststück fertig, Schliephake restlos aus den Zusammenhang zu reißen und in einen anderen, unzutreffenden Zusammenhang zu bringen. Ich hatte daher keine andere Wahl, als seinen gesamten Text rot zu markieren.

Fortsetzung in Teil II

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Oberfeld, Desinformation, Copy-Paste, Hecht, Kern, Schliephake, Zitatverfälschung, Kurzwelle, Wellenlänge

Wie Mobilfunkgegner mit Erwin Schliephake Ängste schüren (II)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 08.09.2019, 18:04 (vor 71 Tagen) @ H. Lamarr

zurück zu Teil I

2016 – Dr. med. Wolf Bergmann
Dr. Bergmann ist ein altgedienter Homöopath und Mobilfunkgegner, der auffallend häufig Behauptungen in die Welt setzt, die sich leicht widerlegen lassen. Einmal verstieg er sich derart, dass er sich eine Abmahnung einhandelte. Peinlich: Die Kosten für seinen Fehltritt sollte 2007 die Szene der Mobilfunkgegner tragen. 2016 leistete er sich dann Folgendes (Quelle):

[...] Wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirkung von Hochfrequenzwellen, wie sie jetzt in der Mobilfunktechnologie angewandt werden, auf die menschliche Gesundheit gibt es seit über 8 Jahrzehnten. Bereits 1932 beschrieb Schliephake das „Mikrowellensyndrom" [...].

Der Mediziner Bergmann zerschellt diesmal an seiner technischen Inkompetenz. Schliephake konnte das "Mikrowellensyndrom" 1932 nicht beschreiben, folglich findet sich in seinem Text das Wort "Syndrom" auch nicht, weil es 1932 keine von Menschen erzeugten Mikrowellen gab (Wellenlängen von 30 Zentimeter bis 1 Millimeter), sondern bestenfalls Funkwellen von 3 Meter Wellenlänge. Bergmann scheint auf Peinlichkeiten abonniert zu sein.

2017 – Ulrich Weiner
Uli Weiner tingelt seit vielen Jahren als angeblicher "Elektrosensibler" durch die Boulevardmedien. Der selbsternannte Unternehmensberater, der seine Firma ab Mai 2000 im Laufe eines Insolvenzverfahrens abwickeln musste und 2009 einen – mit einer Lebensversicherung wegen seiner "Elektrosensibilität" schon fix und fertig ausgehandelten Vergleich infolge arglistiger Täuschung wieder verlor, ist das enfant terrible der Anti-Mobilfunk-Szene. Unbeirrt von allen Rückschlägen, so wurde er vor etwa 10 Jahren aus dem Verein "Bürgerwelle" ausgeschlossen, tourt Weiner durchs Land und erzählt fachlichen Laien Märchen über die Schrecklichkeiten elektromagnetischer Wellen. 2017 tischte er Zuhörern eine freche Lüge über Schliephakes Wirken auf, nur um sich gleich anschließend selbst zu widerlegen (Quelle, ab Minute 8:20):

[...] Man hat Menschen untersucht, die neben Sendeanlagen [gewohnt haben], in dem Fall war das der Großdeutsche Rundfunk, das waren Mittelwellenanlagen, Langwellenanlagen, Kurzwellenanlagen – diese Studie [Weiner deutet auf die hinter ihm auf eine Leinwand projizierte Schliephake-Arbeit] bezieht sich auf den Kurzwellenbereich. Man hat Untersuchungen gemacht mit den Arbeitern an diesen Sendern und mit den Anwohnern, in den jeweiligen Nachbarortschaften, in den umliegenden Gebäuden. Was ja auch realistisch wäre, wenn man solche Studien auch heute machen würde. Und man kam einfach zu folgendem Ergebnis [Weiner liest die oben zitierte Textpassage aus Schliephakes Arbeit vor]. [...]

Die Unverfrorenheit, mit der Weiner den Vortrag Schliephakes in eine wissenschaftliche Bevölkerungsstudie uminterpretiert, ist beängstigend, der Großdeutsche Rundfunk, der 1932 keineswegs großdeutsch war, ist nur ein geschichtliches Defizit des Dauerlächlers. Weiner lügt, dass sich die Balken biegen. Zugleich hält er sein Publikum für dumm. Jedenfalls für dumm genug, niemand im Publikum würde bemerken, dass seine einleitenden Behauptungen und der wenige Sekunden später rezitierte Text aus dem Schliephake-Artikel in keiner Weise zusammen passen. Vielleicht hat er es selbst nicht bemerkt. Aus meiner Sicht vergeudet Weiner sein Talent. Er sollte besser versuchen, an Publikumsbrennpunkten Hausfrauen Wundermittel zum Reinigen verkohlter Bratpfannen zu verkaufen. Diese Tätigkeit wäre für ihn risikoloser, sie würde mutmaßlich nicht auf YouTube als Video auftauchen.

2018 – Prof. Karl Hecht
Wie schon 2009, drückte sich Karl Hecht auch 2018 darum herum, Klartext über das zu verbreiten, was Schliephake wirklich mitteilte. Stattdessen eierte der Professor abermals um den Kern der Wahrheit herum (Quelle):

[...] Wie erwähnt, beobachtete der deutsche Arzt Dr. Erwin Schliephake schon 1932, dass Menschen, die in der Nähe von Funkwellenanlagen arbeiten, beträchtliche Schlafstörungen auswiesen, die sich an Tagen mit schweren Erschöpfungszuständen und Kopfschmerzen reflektierten. [...]

Es ist schon fast komisch, wie Hecht die wahren Aussagen Schliephakes mit umständlichen Umschreibungen umkurvt. Eines Professors würdig ist daraus entstandene Desinformation nicht. Schliephake selbst behauptet übrigens nicht, erkranktes Wartungspersonal von Kurzwellensendern "beobachtet" zu haben. Er formuliert unscharf, so dass offen bleibt, woher die Information stammt.

2018 – Prof. Werner Thiede
Prof. Werner Thiede ist Theologe und Pfarrer im Ruhestand, er sollte die Gratwanderung zwischen Wissen und Glauben meisterhaft beherrschen. Doch auch Thiede, der für sein Leben gerne schreibt, wagt sich als Mobilfunkgegner tief in die Regionen fachlicher Inkompetenz vor. Das hat Folgen, die er nicht bemerkt, andere hingegen schon:

[...] Hatte nicht schon Professor Erwin Schliephake 1932 in der Deutschen medizinischen Wochenschrift ein Forschungsergebnis veröffentlicht, wonach Personen, die sich längere Zeit in der Nähe elektrisch schlecht abgeschirmter Sender aufhielten, Symptome einer typischen vegetativen Störung zeigten – darunter „Schlafstörungen in der Nacht“? [...]

Thiede ist sich seiner fachlichen Inkompetenz in der Mobilfunkdebatte offenbar durchaus bewusst. Er hat deshalb zu Sachfragen keine eigene Meinung, sondern importiert Meinungen, die ihm zusagen, formuliert diese ein bisschen um und gibt sie als die seine aus. Wo Thiede in Sachen Schliephake Nektar saugte ist nicht schwer zu erraten, es können nur seine Gesinnungsfreunde Gerd Oberfeld und Markus Kern gewesen sein, denn die auffälligen Fehler in deren Schliephake-Verwurstungen, die finden sich auch bei Thiede wieder. War da nicht etwas? Ja: Du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten!

Fazit: Traue keinem Mobilfunkgegner, auch nicht den akademisch geschulten, blind über den Weg, sondern prüfe jede ihrer Behauptungen nach – und deiner ist das Himmelreich der Sorglosigkeit über angebliche Schadwirkungen des Mobilfunks.

Hintergrund
Kurzwellentherapie von Dr. Josef Kowarschik, Springer-Verlag (1936)

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Desinformation, Weiner, Bergmann, Inkompetenz, Lüge, Hecht, Schliephake, Zitatverfälschung, Thiede

Wie Mobilfunkgegner mit Erwin Schliephake Ängste schüren (III)

Schutti2, Montag, 09.09.2019, 17:42 (vor 70 Tagen) @ H. Lamarr

Von Dr. Joachim Mutter stammt eine weitere Variante:

In einer "Stellungnahme zum diagnose:funk Brennpunkt" Februar 2016
schreibt er zwar einleitend
Dieser exzellenten Zusammenfassung knallharter internationaler Forschung [...], ist nichts mehr hinzuzufügen.

Dann folgen aber doch zwei Seiten Text, und wir erfahren u.a.:

Schon 1932 veröffentlichte Prof. Schliephake (Universität Jena-Gießen) einen Bericht in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“, wie Soldaten durch Kurzwellensender unspezifische Beschwerden, wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Depressionen, Müdigkeit am Tage, Ohrgeräusche, Schwindel bekommen.

Knallharter Kreativbeitrag sind hier die Personengruppe (Soldaten) und zwei Symptome (Ohrgeräusche und Schwindel).
Für den Schwindel würde ich aber Punktabzug geben. Da hatte Oberfeld 2005 schon halb vorgelegt.

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Wie Mobilfunkgegner mit Erwin Schliephake Ängste schüren (IV)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 10.09.2019, 00:19 (vor 70 Tagen) @ H. Lamarr

Diagnose-Funk
Diagnose-Funk bietet Schliephakes Artikel von 1932 im Volltext zum Download an und unterscheidet sich damit vorteilhaft von Uli Weiner, der anstelle des Volltextes nur das Textfragment anbietet, das sich mit Kurzwellenrundfunksendern beschäftigt. Doch der Anreißertext, den Diagnose-Funk dem Download-Link beistellt, hat es in sich (Quelle):

Dr. Schliephake berichtete über die deutliche Beeinflussung des Gesamtorganismus durch die freie Hertzsche Welle im Strahlungsfeld von starken Kurzwellensendern. Er beschrieb biologische Wirkungen, die sich nicht alleine durch die Wärmewirkung erklären lassen: starke Mattigkeit am Tag, dafür in der Nacht unruhiger Schlaf, zunächst ein eigenartig ziehendes Gefühl in der Stirn und Kopfhaut, dann Kopfschmerzen, die sich immer mehr steigern, bis zur Unerträglichkeit. Dazu Neigung zu depressiver Stimmung und Aufgeregtheit. Erste Indizien für die nichtthermischen Wirkungen elektromagnetischer Felder und das in der wissenschaftlichen Literatur beschriebene Rundfunk-/ Mikrowellensyndrom.

Die Diagnose-Funker starten fast richtig, bis drauf, dass sie durchtrieben weglassen, wer es denn war (ungeschütztes Wartungs-/Betriebspersonal), dessen Gesamtorganismus von den Funkwellen deutlich beeinflusst wurde. Damit verleitet Diagnose-Funk gewiss nicht ohne Absicht zu dem Trugschluss, Schliephake rede von der Bevölkerung. Wegen der Weglassen im ersten Satz beziehen Leser die folgende Auflistung von Symptomen mit Sicherheit irrtümlich auf die Bevölkerung. Der letzte Satz hat mit Schliephakes Arbeit nichts zu tun und ist blanker Unsinn aus der Giftküche von Diagnose-Funk. Warum? Weil z.B. versehentlich ungeschützte Wartungsarbeiter, die an den Antennen eines bis zu 20 kW starken Kurzwellenrundfunksenders herum hantierten mit hoher Wahrscheinlichkeit einer starken Immission ausgesetzt waren, die thermische Effekte (und vielleicht mehr) bewirkte. Schliephake schrieb dazu: "Durch Wärmewirkung allein lassen sich diese Erscheinungen nicht erklären." Von "nichtthermischen" Wirkungen redet er nicht, doch mutmaßlich ahnte er diese oberhalb der thermischen Wirkschwelle voraus. Ob die Feldstärken tatsächlich so groß waren, dass es zu nichtthermischen Kraftwirkungen auf die Zellen von Wartungsarbeitern kam, werden wir wahrscheinlich nie erfahren. Zurück zu Diagnose-Funk: Das Verständnis nichtthermischer Effekte durch diesen Verein ist strikt auf Alarm gebürstet und geht allein von Wirkungen unterhalb der thermischen Wirkschwelle (und der Grenzwerte) aus. Dass derartige Effekte bei ungeschütztem Senderpersonal, und nur davon redet Schliephake, nicht infrage kommen, bedarf wohl kaum weiterer Erklärungen. Kurios: Diagnose-Funk fällt in die Falle, die der Verein mit der durchtriebenen Weglassung im ersten Satz eigentlich für andere gebaut hat.

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Diagnose-Funk: Desinformation auf Schleichwegen

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 12.09.2019, 22:02 (vor 67 Tagen) @ H. Lamarr

Doch der Anreißertext, den Diagnose-Funk dem Download-Link beistellt, hat es in sich (Quelle):

Eine Disziplin beherrscht die Diagnose-Funker wirklich gut. Nämlich die Desinformation, die sich ganz beiläufig und unerkannt ins Hirn der Leser von Diagnose-Funk-Texten schleicht. Sie praktizieren diese listige Methode der Manipulation so gerne, Beispiele finden sich hier im Forum, dass ich nicht an sprachliche Defizite glauben mag, sondern an Absicht. Mir aufgefallenes jüngstes Beispiel ist der unscheinbare letzte Satz aus dem Anreißertext des Vereins zum Schliephake-Artikel:

[...] Erste Indizien für die nichtthermischen Wirkungen elektromagnetischer Felder und das in der wissenschaftlichen Literatur beschriebene Rundfunk-/ Mikrowellensyndrom.

Da liest man leicht drüberweg und behält vage im Hinterkopf, in der wissenschaftlichen Literatur sei ein Syndrom dokumentiert, das irgendwie mit der Einwirkung von Funkwellen in Zusammenhang steht.

Doch das stimmt nicht!

Als ich mich in Teil IV dieses Stangs auf die irreführende Behauptung der nichtthermischen Wirkungen konzentrierte, habe auch ich nicht bemerkt, dass Diagnose-Funk mir geschickt eine weitere Desinformation untergeschoben hat.

Eine Suche nach den Begriffen Rundfunksyndrom und Mikrowellensyndrom führte heute zu den Top-Treffern Diagnose-Funk und BUND Naturschutz, beides bekennende Mobilfunkgegner, von wissenschaftlicher Literatur jedoch keine Spur. Für eine Suche nach Treffern in der Wissenschaft ist Google-Scholar freilich gegenüber Google die bessere Wahl. Rundfunksyndrom ergab dort heute eindrucksvolle Null Treffer, Mikrowellensyndrom brachte es auf immerhin 35 Treffer. Aber was für welche! Die weit überwiegende Mehrzahl der Treffer führt zu Texten von Autoren, die eindeutig der Anti-Mobilfunk-Szene, nicht aber der Wissenschaft zuzuordnen sind (z.B. Oberfeld, Hecht, Budzinski, Warnke, Mutter, Buchner, Eger ...). Der kleine Rest sind Irrläufer und Blödelseiten, die für Google-Scholar peinlich sind, wie gigaherz.ch oder "Das Erwachen der Valkyrjar". Auch Google-Scholar führt uns also nicht zu ernst zu nehmenden Belegen in der wissenschaftlichen Literatur, sondern nur zu Entsaftungen aus der Anti-Mobilfunk-Szene, die häufig auch noch den falschen Bezug zu Schliephake im Text stehen haben (siehe Teil IV).

Wo ist denn nun die wissenschaftliche Literatur, die das Rundfunk- und Mikrowellensyndrom beschrieben hat?

Eine Karte habe ich noch im Ärmel, nämlich das EMF-Portal. Was weiß dieser weltweit respektierte Spezialist in Sachen Mobilfunkstudien über das Rundfunk- und Mikrowellensyndrom?

Nichts! Beide Suchbegriffe führten zu der lapidaren Auskunft:

Es tut uns leid, die Suche ergab leider keinen Treffer.

Die Behauptung von Diagnose-Funk "[...] das in der wissenschaftlichen Literatur beschriebene Rundfunk-/ Mikrowellensyndrom" ist damit hinreichend als Hirngespinst widerlegt. Dieses von der Anti-Mobilfunk-Szene erfundene Syndrom existiert in der (deutschsprachigen) wissenschaftlichen Literatur nicht, es kreist allein in den Zirkeln organisierter Mobilfunkgegner!

Doch warum lügt Diagnose-Funk ohne Not? Diese Frage kann der Verein beantworten, ich kann darüber nur spekulieren. Mutmaßlich hat der Verein die Absicht, die beiden belanglosen Szene-Begriffe gesellschaftlich salonfähig zu machen, indem er ihnen wissenschaftliche Weihen andichtet und sich selbst damit aufwertet.

Etwas salonfähig machen wollen ist im Politalltag keine Seltenheit. Einen solchen Anlauf wagte kürzlich eine MDR-Moderatorin anlässlich der Landtagswahl in Sachsen. Ob bewusst oder versehentlich, sie versuchte im Fernsehen die AfD salonfähig zu machen. Im Gespräch mit Marco Wanderwitz von der sächsischen CDU verstieg sich die Moderatorin zu der Behauptung "Eine stabile Zweierkoalition, eine bürgerliche, wäre theoretisch ja mit der AfD möglich." Doch der gewitzte Wanderwitz roch den Braten sofort und konterte: "Eine Koalition mit der AfD wäre keine bürgerliche Koalition!"

In der Politik kann jeder mitmischen, der seine fünf Sinne beisammen hat – oder nicht. Denn dort dominieren Meinungen die Fakten. In der Wissenschaft ist es genau umgekehrt, dort dominieren Fakten die Meinungen, ergo kann in der (seriösen) Wissenschaft nicht jeder mitmischen. Deshalb wäre Diagnose-Funk in der Politik gut aufgehoben. In der Wissenschaft und ihrem Dunstkreis hingegen ist der Verein als Fremdkörper fehl am Platz.

Der Vollständigkeit sei noch gesagt, nicht einmal die Alarmstudiendatenbank von Diagnose-Funk stützt glaubwürdig die Behauptung dieses Vereins. Den Begriff "Rundfunksyndrom" kannte die Datenbank heute nicht, die Suche nach "Mikrowellensyndrom" förderte zwei Treffer zutage: Den Aufsatz von zwei US-amerikanischen Mobilfunkgegnern (Levitt, Lai, 2010), die Schliephake seine angebliche Erfindung des Mikrowellensyndroms streitig machen, und eine Dokumentation von Karl Hecht aus dem Jahr 2006. Was soll man dazu noch sagen ...

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Wie Mobilfunkgegner mit Erwin Schliephake Ängste schüren (V)

H. Lamarr @, München, Freitag, 13.09.2019, 00:34 (vor 67 Tagen) @ H. Lamarr

2019 – Prof. Karl Hecht
Schliephake hat es dem 95-jährigen Karl Hecht offensichtlich angetan. Auch 2019 konnte er nicht die Finger von ihm lassen, obwohl er ihn zuvor bereits 2-mal verwurstet hat. In einer im Januar 2019 von der sogenannten Kompetenzinitiative veröffentlichten Dokumentation schreibt Hecht (Quelle):

Im August 1932, also vor 75 Jahren, veröffentlichte der deutsche Arzt Erwin Schliephake in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift wissenschaftliche Daten über die von Radiosendeanlagen hervorgerufene „Mikrowellen-“ oder „Radiowellen-Krankheit“ mit folgenden Symptomen: starke Müdigkeit und Erschöpfung am Tage, unruhiger Schlaf in der Nacht, Kopfschmerzen bis zur Unerträglichkeit, hohe Infektanfälligkeit.
Diese Symptomatik, die auch bei der Neurasthenie (Nervenerschöpfung) beobachtet wird, war nach Auffassung von Schliephake nicht auf die thermischen Wirkungen, sondern auf die athermischen Effekte von hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung zurückzuführen. In tausenden von Untersuchungen wurde die gesundheitsschädigende Wirkung von hochfrequenter elektromagnetischer und elektrischer Strahlung reproduziert.

Mit zunehmenden Alter findet Hecht immer neue Interpretationen des nur wenige Sätze umfassenden Schliephake-Originals. Starten tut er jedoch mit einem simplen Rechenfehler, den die schludrigen Lektoren der "Kompetenzinitiative" wieder einmal übersehen haben: Statt "vor 75 Jahren" hätte es "vor gut 86 Jahren" heißen müssen, es sei denn, Hecht hatte sein Manuskript nicht erst im Januar 2019 fertig, sondern schon 2008 – und dann reifen lassen. "Wissenschaftliche Daten" klingt zwar gut, doch genau die (z.B. Feldstärkeangaben) fehlen bei Schliephake leider komplett, so wie er in seinem Aufsatz auch weder über die "Mikrowellen-" noch über die "Radiowellen-Krankheit" ein Wort verliert. Das für Millionen zutreffende Symptom "hohe Infektanfälligkeit" hat sich der Professor kurzerhand ausgedacht, Schliephake hingegen nennt es nicht. Gelogen ist auch Hechts Behauptung, Schliephake verorte die Ursache der Symptome nicht bei thermischen Wirkungen, sondern bei athermischen. Denn Schliephake schreibt ohne Wenn und Aber: "Durch Wärmewirkung allein lassen sich diese Erscheinungen nicht erklären" (siehe auch Teil IV). Und wer nun hofft, für Hechts wuchtigen Schlusssatz die Bestätigung in der Alarmstudiendatenbank von Diagnose-Funk zu finden, der wird von den heute dort angebotenen mageren 490 Alarmstudien anstelle Tausender enttäuscht. Dass Hecht sich selbst im dritten Anlauf noch immer nicht dazu durchringen konnte, die aufgezählten Symptome offen und ehrlich dem Personal am Senderstandort zuzuordnen, ist eine letzte für ihn wenig schmeichelhafte Randnotiz.

Hervor zu heben ist die Kreativleistung des "Weltraumediziners", bei jeder Interpretation von Schliephakes Aufsatz zu neuen Erkenntnissen zu kommen. Das kann nicht jeder und baut erwartungsvolle Spannung auf, was Hecht bis zu seinem 100sten noch alles einfallen wird.

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Lüge, Mikrowellensyndrom, Hecht, Schliephake

Wie gefährlich ist dauerhafte Kurzwellenbelastung?

H. Lamarr @, München, Samstag, 14.09.2019, 11:32 (vor 65 Tagen) @ H. Lamarr

Thema waren seine Arbeitsergebnisse auf dem Kurzwellengebiet, denn Schliephake erforschte, wie sich die Wärmewirkung in Körpergewebe, hervorgerufen durch starke Kurzwellenbefeldung, in Konkurrenz zu Röntgen- oder Radiumstrahlen als therapeutisches Mittel nutzen ließe.

Auszug aus Freie Presse vom 13.09.2019:

[...] Ob die Erwärmung und Belastung durch Kurzwellentherapie zu Schäden führen könnte, hängt wesentlich davon ab, wie lange der Körper ihr ausgesetzt ist. So existieren in der medizinischen Fachliteratur Berichte über eine erhöhte Fehlgeburtenrate bei schwangeren Physiotherapeutinnen, die täglich längere Zeit mit Kurzwellen gearbeitet haben. Bei Patientinnen wurden solche Zusammenhänge nicht beobachtet. Generell ungeeignet ist die Kurzwellentherapie aber für Patienten mit Metallimplantaten und Herzschrittmachern, weil die dabei stark erhitzen bzw. in ihrer Funktionalität eingeschränkt werden können.

Ob Sendemasten gesundheitsschädlich sind, wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Deutlichen Laborhinweisen auf eine solche Wirkung stehen fehlende Daten aus dem Alltag gegenüber. Experten der Universität Mainz erfassten im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) die Leukämiefälle von Kindern (PDF, 63 Seiten), die in der Nähe von 24 der leistungsstärksten Radio- und TV-Sendeanlagen in Deutschland lagen. Es zeigte sich keine höhere Erkrankungsquote als in Gegenden, die weiter entfernt von einem Sendemast waren. [...]

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Schliephake-Verdreher vs. Holocaust-Leugner

H. Lamarr @, München, Sonntag, 15.09.2019, 16:07 (vor 64 Tagen) @ H. Lamarr

Dieses Posting zeigt, was Schliephake seinerzeit schrieb und wie Mobilfunkgegner ihm das Wort im Mund umdrehen, um einen banalen Sachverhalt in einen Frühalarm zurecht zu kneten.

In der ARD-Mediathek gibt es noch bis 17. September 2019 den spannenden Politthriller "Verleugnung", der von dem vier Jahre dauernden Rechtsstreit des britischen Historikers David Irving gegen eine US-Professorin erzählt. Diese hatte Irving öffentlich einen Holocaust-Leugner genannt, wogegen sich Irving mit Rechtsmitteln wehrte – und im Jahr 2000 unterlag. Beim Betrachten des Spielfilms, der sich an den wahren Begebenheiten orientiert, kamen mir mehrfach die Verdrehungen in den Sinn, die der Schliephake-Text durch Mobilfunkgegner erfahren hat, die Parallelitäten durch irreführende Uminterpretationen von Tatsachen sind unverkennbar. Eine Schlüsselszene spielt ab Stunde 1:14:40.

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Wie Mobilfunkgegner mit Erwin Schliephake Ängste schüren (VI)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 18.09.2019, 00:30 (vor 62 Tagen) @ H. Lamarr

2008 – Prof. Andreas D. Kappos
Nachdem der alte Schliephake-Artikel ab 2005 in der Anti-Mobilfunk-Szene zu zirkulieren begann, hatte er geraume Zeit eine geradezu magische Anziehungskraft. Dieser konnte sich auf Prof. Andreas D. Kappos nicht entziehen, damals stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses "Gesundheit und Umwelt" der Bundesärztekammer. Im Dezember 2008 schrieb er in einem Beitrag für das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des Forschungszentrum Karlsruhe:

[...] Die Ergebnisse des DMF können somit nicht als Beleg für die Nichtexistenz athermischer Wirkungen der elektromagnetischen Felder interpretiert werden. Seit der Beobachtung des sogenannten „Radiowellen-Syndroms“ durch Erwin Schliephake 1932 (Schliephake 1932) wurde, wie oben angedeutet, eine große Zahl von Arbeiten publiziert, die funktionelle Gesundheitsstörungen im Zusammenhang mit der Exposition durch hochfrequente elektromagnetische Strahlung beschreiben. [...]

Hätte der Mediziner Kappos den Artikel von Schliephake gelesen, hätte er wissen müssen, sein Kollege beobachtete 1932 weder ein "Radiowellen-Syndrom" noch gebrauchte er diesen Begriff. So ist anzunehmen, Kappos hat sich einer der frühen Sekundärquellen bedient, die ihn mit einer verfälschten Wiedergabe des Schliephake-Textes erfolgreich in die Irre führte. Es war nicht der einzige Fehlgriff des Mediziners. Wie hier nachzulesen ist, schlug er (ebenfalls 2008) eine biologische Wirkung von 50-Hz-Wechselstrom fälschlich hochfrequenten elektromagnetischen Feldern zu.

Prof. Kappos schied Ende 2015 aus der Bundesärztekammer aus, die übrigens keine Kammer ist, sondern ein nicht-eingetragener Verein. Kappos äußerte sich zu möglichen Risiken des Mobilfunks stets differenziert-kritisch, weshalb ihn die Anti-Mobilfunk-Szene gerne als einen der ihren vereinnahmte. Dennoch ist nicht zu erwarten gewesen, dass der Mediziner heute im wissenschaftlichen Beirat des Vereins EuropaEM sitzt, der sich mit seiner "EMF-Leitlinie" gegen den Kenntnisstand der evidenzbasierten Medizin stemmt.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Kappos, Schliephake, Europaem

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