IARC wird EMF möglicherweise vor 2024 erneut eingruppieren (Forschung)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 09.05.2019, 23:33 (vor 104 Tagen)

Im März 2019 begutachtete eine von der Internationalen Krebsagentur der WHO (IARC) einberufene Beratergruppe von 29 Wissenschaftlern aus 18 Ländern mehr als 170 krebsverdächtige Substanzen, um danach Empfehlungen auszusprechen, welche der Substanzen von der IARC bis 2024 unter die Lupe genommen werden sollten. Unter den Kandidaten waren neben von der Krebsagentur ungeprüften Substanzen auch solche, für die bereits IARC-Eingruppierungen (Monografien) vorliegen. Die Beratergruppe unterschied zwischen Empfehlungen mit hoher und niedriger Priorität. Ziel der Aktion ist es, den Wissensstand der IARC auf aktuellem Stand zu halten und veraltete Monografien auszuschließen.

Unter den mit hoher Priorität empfohlenen Agenzien für eine erneute Eingruppierung befinden sich auch die erst 2011 von der IARC untersuchten hochfrequenten Funkfelder (HF-EMF). Begründet wird dies damit, es gäbe eine bessere Nachweismethode (neuer Bioassay) und mechanistische Nachweise, die eine Neubewertung der bisherigen 2B-Eingruppierung (möglicherweise krebserregend) in der zweiten Hälfte des 5-Jahre-Zeitraums bis 2024 rechtfertigten. Ob die IARC der Empfehlung Folge leisten wird ist gegenwärtig offen.

In der Beratergruppe finden sich mit Fiorella Belpoggi und Oleg Grigoriev zwei erklärte Mobilfunkkritiker:

M M Marques (Portugal) — Meeting Chair; A Berrington de Gonzalez (USA) — Meeting Vice
Chair; F A Beland (USA); P Browne (France); P A Demers (Canada); D W Lachenmeier (Germany) — Subgroup Meeting Chairs; T Bahadori (USA); D K Barupal (USA); F Belpoggi (Italy); P Comba (Italy); M Dai (China); R D Daniels (USA); C Ferreccio (Chile); O A Grigoriev (Russia); Y C Hong (South Korea); R N Hoover (USA); J Kanno (Japan); M Kogevinas (Spain); G Lasfargues (France); R Malekzadeh (Iran); S Masten (USA); R Newton (Uganda and UK); T Norat (UK); J J Pappas (Canada); C Queiroz Moreira (Brazil); T Rodriguez (Nicaragua); J Rodríguez-Guzmán (USA); V Sewram (South Africa); L Zeise (USA)

Der Vorschlag, HF-EMF erneut einzugruppieren kommt überraschend, da die erste Eingruppierung erst acht Jahre zurückliegt und die Wissenschaft seither keine zweifelsfrei belastenden/entlastenden neuen Erkenntnisse gewonnen hat. Möglicherweise wurde die Beratergruppe von der öffentlichen Diskussion beeinflusst, entfacht von einigen Mobilfunkkritikern (z.B. L. Hardell), die HF-EMF gerne höher (schädlicher) eingruppiert sehen möchten (Gruppe 2A oder sogar 1). Ebenso könnte die weltweite 5G-Hysterie, die ebenfalls auf das Konto von Mobilfunkkritikern geht, die Beratergruppe beeinflusst haben. Doch es gibt auch andere Stimmen, die eine Vernachlässigung des Krebsrisikos niederfrequenter Magnetfelder (NF-MF) zugunsten von HF-EMF sehen. So gäbe es seit mehreren Jahrzehnten Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Magnetfeldern und Leukämie sowie Alzheimer. Diese Hinweise seien deutlich belastbarer als die Hinweise auf Gliome durch HF-EMF. Eine Neubewertung der ersten Eingruppierung von NF-MF aus dem Jahr 2001 durch die IARC sei deshalb wichtiger als die Neubewertung der noch jungen Eingruppierung von HF-EMF.

Kritik an der Empfehlung der Beratergruppe kommt auch aus Kreisen der Mobilfunkkritiker. Diese stören sich daran, dass die Beratergruppe die HF-EMF-Neubewertung in die zweite Hälfte des 5-Jahre-Zeitraums bis 2024 packte. Dann sei es zu spät, die Einführung von 5G wäre zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend abgeschlossen.

Hintergrund
Eingruppierungsschema der IARC für krebsverdächtige Substanzen

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
IARC, Klassifizierung, Grigoriev, Belpoggi

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