Lungenärzte vs. Anti-Mobilfunk-Ärzte: Aktionisten im Vergleich (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 27.01.2019, 19:22 (vor 317 Tagen)

Verlautbarung von Lungenärzten: Im Januar 2019 informierte Prof. Dr. med. Dieter Köhler, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), die Mitglieder der DGP in einer als Rundbrief verschickten Stellungnahme zu Luftschadstoffen, dass aus seiner Sicht den Grenzwerten für inhalative Schadstoffe oft die wissenschaftliche Basis fehle. Köhler bat um E-Mail-Nachricht seiner Kollegen, sollten sie seiner Position zustimmen. Inzwischen sollen mehr als 100 Lungenärzte das Papier abgenickt haben, die Medien berichten landesweit. An Andreas Scheuer ist die Stellungnahme nicht adressiert, der Minister zeigte sich jedoch sofort sehr interessiert und hat Medienberichten zufolge bereits Konsequenzen angekündigt.

Verlautbarung von Anti-Mobilfunk-Ärzten: Im August 2018 baten 15 Ärzte eines Arbeitskreises digitale Medien, Stuttgart, (verstärkt um neun Unterstützer) in einem Offenen Brief Minister Scheuer um ein persönliches Gespräch, damit sie ihm ihre Bedenken gegen den weiteren Ausbau der Mobilfunknetze vortragen können. Die Medien zogen es vor, über diese Initiative nicht zu berichten. Von einer wie immer auch gearteten Reaktion des Ministers oder seines Vorzimmers ist nichts bekannt geworden, der Ärztearbeitskreis schweigt seit seinem Vorstoß im August 2018. Alles deutet darauf hin, die Anti-Mobilfunk-Ärzte wurden höflich aber bestimmt abgewimmelt.

Frage: Wieso schaffen es die Lungenärzte von Minister Scheuer wahr- und ernst genommen zu werden, nicht aber die Anti-Mobilfunk-Ärzte?

Meine Antwort: Die Lungenärzte um Dieter Köhler mit seinen hundert fachärztlichen Unterstützern können eine breite Kompetenzbasis vorweisen, wenngleich die Lageeinschätzung der Gruppe Köhler unter Lungenärzten keineswegs unumstritten ist.

Die Anti-Mobilfunk-Ärzte können keine gemeinsame Kompetenzbasis vorweisen, sie sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus Allgemeinmedizinern (6), Internisten (4), Psychiatern (2) sowie je einem Zahnarzt, Frauenarzt und Umweltmediziner. Abgesehen von Dr. med. J. Mutter, der eigenen Angaben zufolge in jungen Jahren eine Ausbildung zum "Elektroniker" hatte, hat mutmaßlich keiner der Ärzte Expertise in Elektrotechnik, Nachrichtentechnik oder Bioelektromagnetik. Mangelndes Wissen von Ärzten in Elektrosmogfragen ist auch wissenschaftlich dokumentiert. Hingegen ist davon auszugehen, dass alle von Köhlers Mitzeichnern als Lungenärzte wissen, wovon sie reden, welche wissenschaftliche Qualifikation die Lungenärzte haben ist freilich unbekannt.

Wenig vertrauenerweckend ist die Tatsache, dass sich unter den Anti-Mobilfunk-Ärzten einige befinden, die mit ihrer Anti-Mobilfunk-Orientierung ganz offensichtlich kommerzielle Interessen verfolgen (z.B. Behandlung überzeugter Elektrosensibler). Ähnliche Vorwürfe sind bei den Lungenärzten um Köhler weder bekannt noch vorstellbar, ihnen wird stattdessen Lobbyismus vorgeworfen.

Die Schädlichkeit von Luftschadstoffen in unserer Umwelt ist weithin anerkannt, "Elektrosmog" ist im Gegensatz dazu ein Phantomrisiko, das nur von wenigen Außenseitern in Wissenschaft und Medizin als real eingestuft wird.

Anti-Mobilfunk-Ärzte bewegen sich zweifelsfrei in einer stark von pseudowissenschaftlichen Geschäftemachern kontaminierten kommerziell interessierten "Helferszene", unbekannt ist, ob dies auch auf Lungenärzte zutrifft.

Die schnelle und erfreute Reaktion von Minister Scheuer auf die Stellungnahme der Lungenärzte ist damit erklärbar, dass diese Stellungnahme in den Chefetagen der Autobauernation Deutschland willkommen ist, stellt sie doch einen geschäftlichen Störfaktor für die Automobilindustrie infrage. Deutschland ist in der EU nicht dafür bekannt, als Vorreiter für strengere Luftschadstoffgrenzwerte aufzutreten, eher werden solche Bemühungen von deutschen EU-Politikern behindert. Bei den Anti-Mobilfunk-Ärzten ist es diametral anders: Ihre bizarren Forderungen nach einem Ausbaustopp beim Mobilfunk bedeuten – könnte man sie denn ernst nehmen, eine eklatante Behinderung der industriellen Entwicklung im Land sowie den Aufbau eines geschäftlichen Hindernisses für die Mobilfunkindustrie. Allein schon deswegen ist das mit geradezu kindlicher Naivität erbetene Gespräch der 15 Mobilfunk-Blockierer mit dem Minister eine außerordentlich skurrile Idee gewesen. So skurril, dass die 15 selbst nicht an einen Erfolg glaubten und deshalb vorsorglich mit der Überreichungsform des "Offenen Briefes" wenigstens einen Funken öffentliche Aufmerksamkeit unter zahlungskräftigen Privatpatienten auf sich ziehen wollten. Eine nicht weniger dilettantische Fake-Petition gegen 5G-Mobilfunk kann als verkappter werblicher Relaunch des inzwischen verblassten "Offenen Briefes" der 15 Anti-Mobilfunk-Ärzte betrachtet werden.

Wie fassungslos realitätsentrückt drei deutsche Anti-Mobilfunk-Ärzte schon 2009 waren, zeigt ein Brandbrief, mit dem sie den damaligen US-Präsidenten Obama sowie das amerikanische Volk mit theatralischen Worten von der Einführung des DVB-T-Fernsehens abbringen wollten. Vergleichbare Peinlichkeiten von Lungenärzten sind mir nicht bekannt.

Meiner Einschätzung nach sind die Mitarbeiter in den Vorzimmern von Minister Scheuer gewitzt genug, um den untauglichen Versuch der 15, den Dienstherren für ihre dubiosen Forderungen und Interessen einzuspannen, auf Anhieb erkannt haben und gut wussten, wie sie zu reagieren haben. Ablage "P" halte ich daher für eine ungemein verlockende Alternative zu der höflichen aber bestimmten Absage.

Hintergrund
27.11.2018: Lungenärzte fordern EU-Grenzwerte für Luftschadstoffe weiter zu senken

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Kompetenz, Feinstaub, 5G, Scheuer, gleich, Anti-Mobilfunk-Ärzte

Lungenärzte: zwei Seiten Behauptungen, kein einziger Beleg

H. Lamarr @, München, Dienstag, 29.01.2019, 16:52 (vor 315 Tagen) @ H. Lamarr

Mehr als hundert Fachärzte sind dem Aufruf von Kollegen gefolgt, die Schadstoffgrenzwerte für einen "Witz" halten. In ihrem Namen werden andere Forscher diskreditiert und fundierte Erkenntnisse bestritten - ohne jeden Beweis.
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Kommentar: Vielleicht sollten berufstätige Ärzte generell weniger schräge Positionspapiere und "Offene Briefe" verfassen, sondern sich mehr um ihre Patienten kümmern. Rentner haben hingegen den Freibrief. Vielleicht sollte man aber auch einmal kritisch anmerken, dass zwar alle über das "Positionspapier" der Lungenärzte reden, mir aber kein Medium einen Link auf dieses Papier reichen will. Sich selbst vom Inhalt zu überzeugen geht also nicht oder zumindest nur über fünf Ecken. Alles was ich finden konnte war das oben verlinkte Rundschreiben von Prof. Köhler an seine Kollegen. Mich erinnert das an "Reflex", da war es genau so. Alle redeten drüber, bis auf eine dünne Präsentation von Franz Adkofer war aber rund ein Jahr lang mehr nicht zu haben. Auch die berühmt-berüchtigte "Naila-Studie" folgte diesem Muster der Dramatik des nicht Habbaren.

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Lungenärzte: Link zum Positionspapier mit Aussicht auf Belege

Gast, Mittwoch, 30.01.2019, 11:53 (vor 314 Tagen) @ H. Lamarr

Vielleicht sollte man aber auch einmal kritisch anmerken, dass zwar alle über das "Positionspapier" der Lungenärzte reden, mir aber kein Medium einen Link auf dieses Papier reichen will. Sich selbst vom Inhalt zu überzeugen geht also nicht oder zumindest nur über fünf Ecken. Alles was ich finden konnte war das oben verlinkte Rundschreiben von Prof. Köhler an seine Kollegen.

Anbei der Link zum Originalpapier der “Lungenärzte”. Ich habe ihn aus “Welt online”.

https://www.lungenaerzte-im-netz.de/fileadmin/pdf/Stellungnahme__NOx_und__Feinstaub.pdf?

Eine Kritik an Ihrem Posting erlaube ich mir: Am Ende des Papiers wird eindeutig darauf hingewiesen, jederzeit die Aussagen mit Literatur zu belegen. Das den Lungenärzten vorliegende Material hätte auch den Rahmen eines "Positionspapiers" gesprengt.

Lungenarzt mit Rechenschwäche

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 14.02.2019, 19:55 (vor 299 Tagen) @ H. Lamarr

Verlautbarung von Lungenärzten: Im Januar 2019 informierte Prof. Dr. med. Dieter Köhler, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), die Mitglieder der DGP in einer als Rundbrief verschickten Stellungnahme zu Luftschadstoffen, dass aus seiner Sicht den Grenzwerten für inhalative Schadstoffe oft die wissenschaftliche Basis fehle.

Dieter Köhler hat mit seiner Kritik an den Grenzwerten für Stickoxid viel Staub aufgewirbelt. Die taz zeigt, dass er sich verrechnet hat.

[...]
Eine einfache Überprüfung zeigt: Der Tagesgrenzwert für Feinstaub, auf den sich Köhler stets bezieht, liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Köhlers für den Zigarettenrauch genannter Maximalwert von 500 Gramm pro Kubikmeter entspricht umgerechnet 500 Millionen Mikrogramm pro Kubikmeter. Stimmte die genannte Zahl, wäre die Konzentration im Zigarettenrauch demnach nicht 1 Million Mal so hoch wie der Grenzwert auf der Straße, sondern 10 Millionen Mal.

Angesprochen auf diesen offensichtlichen Rechenfehler gibt sich Köhler am Telefon überrascht. „Das ist bisher noch niemandem aufgefallen“, meint er. Auch von den 112 UnterzeichnerInnen hat demnach niemand so genau geschaut, unter was für eine Rechnung der eigene Name gesetzt wurde.

Kommentar: Duplizität der Ereignisse.

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Appell, Mediziner

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