5G-Alarm in Zunzgen: Gigaherz-Jakob findet Erschreckendes (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 19.11.2018, 12:14 (vor 1318 Tagen)

Es war nur eine Frage der Zeit, doch jetzt hat die Schweiz ihren ersten 5G-Alarm. Ort des Geschehens ist Zunzgen, eine 3000-Seelen-Gemeinde im Kanton Basel-Landschaft. Kaum war das Baugesuch von Swisscom im Amtsblatt des Kantons veröffentlicht, rötete sich in Zunzgen bei einigen altersweisen Anwohnern schon der Kopf. Noch am selben Tag wurde einer von ihnen in der Gemeindeverwaltung vorstellig, ob er das Baugesuch zwecks "externer Überprüfung" kopieren dürfe. Nach kurzem hin und her, ob er dürfe oder nicht, erreichten die Unterlagen Hans-U. Jakob, den selbsternannten 5G-Experten des Vereins Gigaherz. Der greise Ex-Elektriker "prüfte" und teilte den Anwohnern "Erschreckendes" mit. Jakobs perfides vorgezogenes Weihnachtsgeschenk ist für die angstgeplagten Zunzgener zwar weitgehend unverständlich, für Jakob ohnehin, bestärkt jedoch alle Protestanten in ihrer Lageeinschätzung, die geplante Antenne dürfe unter keinen Umständen in ihrem Sichtfeld errichtet werden. Alles wie gehabt also.

Nun geht wohl auch dieser Streitfall um einen Mobilfunkstandort den üblichen Lauf der Dinge, verschlingt Unmengen an Geld, Zeit, Adrenalin und Nerven, und am Ende wird der Sendemast mit einiger Sicherheit dann doch genau dort errichtet, wo er von Anfang an geplant war. Die Strohfeuer eidgnössischer Mobilfunkgegner wärmen in aller Regel nur einen: Jakob. Alle anderen werden verheizt. Der angerichtete Schaden ist immens, zur Rechenschaft gezogen werden Jakob und sein Verein nicht, dem Rechtsstaat fehlen dazu vermutlich legitime Mittel. Der Rechtsstaat schützt Dumme, nicht aber Bürger, die zu faul sind, sich ordentlich aus seriösen Quellen zu informieren.

Über den Antennenzoff in Zunzgen berichtet telebasel mit leisem Lächeln in Wort und Bild.

Hintergrund
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Warum die Schweiz Betrüger anzieht wie das Licht die Motten

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

5G-Alarm in Zunzgen: Auch Gemeinde stellt sich quer

H. Lamarr @, München, Montag, 19.11.2018, 13:41 (vor 1318 Tagen) @ H. Lamarr

telebasel berichtet wieder in Wort und Bild (Auszug):

Jetzt wehrt sich auch die Gemeinde gegen die neue Mobilfunk-Antenne: Eine Falschinformation von Salt könnte sie zu Fall bringen.

Die Aufregung ist gross in Zunzgen: Eine neue Handyantenne soll im Dorf installiert werden, direkt neben den Wohnhäusern. Heute kann die Bevölkerung aber wieder durchatmen, denn auch der Gemeinderat stellt sich gegen die neue Antenne von Salt.

Wir waren heute Mittag in Zunzgen und haben mit der Anwohnerin Barbara Baumberger gesprochen. Sie und ihr Partner sind direkt betroffen. Die Handyantenne soll nämlich direkt neben ihrem Haus gebaut werden. Mit Einsprachen bei der Gemeinde und dem Kanton versucht sie, die neue Antenne von Salt zu verhindern. Und fühlt sich vom Gemeinderat im Stich gelassen. «Man sollte dafür sorgen, dass der alte Standort beibehalten werden kann», sagt Baumberger. Die Handyantenne befindet sich momentan in der Gewerbezone Zunzgens.

Was Barbara Baumberger nicht wissen konnte: Ihr Wunsch ging bereits vor einem halben Jahr in Erfüllung. Damals hatten Salt und der Vermieter der bestehenden Antenne einen neuen Mietvertrag bis 2026 unterschrieben. Die Gemeinde erfuhr allerdings erst heute davon. Dies stösst dem Gemeindepräsident Michael Kunz sauer auf: «Für uns ist die Ausgangslage eine völlig andere. Wir haben dem Baugesuch für die neue Antenne zugestimmt, weil es unserer Meinung nach zonenkonform ist und weil wir davon ausgegangen sind, dass ein neuer Standort gebraucht wird.» Man sei von Salt falsch informiert worden.

Kommentar: Es passt so gut wie alles an dieser telebasel-Meldung, bis drauf, dass sie vom Dezember 2015 stammt. Damit wird deutlich: Zunzgen ist kein Neuzugang aufseiten der Wutbürger gegen Mobilfunkmasten, sondern kann auf vorhandenes Personal zurückgreifen, das sich die Sporen bereits vor Jahren verdient hat. Damit ist jetzt auch plausibel, warum die neue Bürgerwehr Gigaherz-Jakob so schnell auf den Leim gehen konnte.

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Baugesuch

5G-Alarm in Zunzgen: privilegierte Einwohner

H. Lamarr @, München, Montag, 19.11.2018, 16:18 (vor 1318 Tagen) @ H. Lamarr

Das Bild zeigt das Gemeindegebiet von Zunzgen (gelb) und den dort vorhandenen Mobilfunkstandort.

[image]
Bild: swisstopo/Bakom

Wie unschwer zu erkennen ist, gibt es allein im äußersten Norden Zunzgens einen einzigen Standort mittelstarker Sendeleistung, der, in einem Gewerbegebiet gelegen, den Ort mit LTE und UMTS versorgt. Einen GSM-Standort hat Zunzgen nicht. Es ist davon auszugehen, dass die privilegierten Zunzgener von acht Standorten in den Nachbargemeinden Sissach (Norden) und Tenniken (Süden) mitversorgt werden, diese Standorte liegen mehr oder weniger dicht an den Gemeindegrenzen zu Zunzgen. Zwischen dem einzigen Standort im Norden Zunzgens und dem direkt an der Gemeindegrenze zu Tenniken liegenden Standort liegen 2 km Distanz, entlang dieser Strecke ist der Siedlungsbereich Zunzgens, im Bild nur schemenhaft zu erkennen.

Mit 5G werden die Zunzgener Bürger sich an einen oder zwei weitere Standorte für Mobilfunksendemasten auf ihrem Gemeindegebiet gewöhnen müssen, denn eine gute Versorgung aus den Nachbargemeinden ist wegen der Distanz technisch voraussichtlich nicht möglich, sozial gerecht wäre es überdies nicht.

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Sankt-Florian-Prinzip, Schweiz, Wutbürger, Dissozial, 5G

5G-Alarm in Zunzgen: Die Geschichte von Sankt Martin

H. Lamarr @, München, Dienstag, 20.11.2018, 14:23 (vor 1317 Tagen) @ H. Lamarr

Kaum war das Baugesuch von Swisscom im Amtsblatt des Kantons veröffentlicht, rötete sich in Zunzgen bei einigen altersweisen Anwohnern schon der Kopf.

Treibende Kraft in Zunsgen gegen Mobilfunk ist Martin Kanwar. Er gründete mit drei Mitstreitern bereits 2015 die sogenannte Bürgerbewegung Zunsgen, die in der Selbstdarstellung nur einen einzigen Zweck nennt:

Die Bürgerbewegung Zunzgen informiert über die Aktivitäten im Zusammenhang mit der ans Wohngebiet versetzte Mobilfunkantenne SALT. / Garage Antonelli.

Kanwar machte noch Anfang 2016 aus seiner Sicht politisch Druck gegen Mobilfunksendemasten in Zunzgen:

Liebe neuen Gemeinderäte, die Bürgerbewegung Zunzgen gratuliert zur Wahl und wünscht keine neuen Mobilfunkantennen in oder angrenzend an Wohngebiete.

Salt zog seinerseits den Bauantrag im Dezember 2015 zurück und Kanwars "Bürgerbewegung" verstummte alsbald. Ziel erreicht. Jetzt ist Wutbürger Kanwar wieder da und sagt, er habe gegen das neue Baugesuch von Swisscom 75 Unterschriften gesammelt. Die "Bürgerbewegung", die keine Mobilfunkantenne in ihrer Nähe wünscht, vertritt damit drei Prozent der rd. 2500 Zunzgener Einwohner, 97 Prozent vertritt sie nicht. Was sich die überwältigende aber schweigende Mehrheit wünscht weiß niemand genau, es ist jedoch anzunehmen, dass sie einen neuen Sendemasten weitaus weniger aufgeregt sieht als Kanwar und vermutlich haben weitaus mehr als 75 keine Einwände gegen eine Netzverdichtung im Ort. Hauptsache der Mast steht nicht vor ihrer Tür. Auch Martin Kanwar wäre mit Sicherheit nicht als böser Anti-Mobilfunk-Geist aus der Flasche gekrochen, hätte Salt 2015 den Sendemast in der Hauptstraße 21 nicht wenige Meter neben seinem Haus geplant. Vielleicht 200 Meter besser 300 Meter weiter weg und dieser Geist wäre in der Flasche geblieben, ob dann ein anderer entwichen wäre ist dem Zufall überlassen. Kanwar ist aus meiner Sicht die ideale Kundschaft für unseren Gigaherz-Jakob, er ist Rentner, entwickelt Wut im Bauch wenn etwas seinen Interessen entgegen läuft und er informiert sich, wie die Website seiner "Bürgerbewegung" zeigt, ebenso fleißig wie einseitig genau dort, wo seine Vorbehalte Bestätigung finden. Die fachliche Qualifikation seiner Quellen ist ihm egal, solange sie nur in seinem Sinne sprudeln. Kurzum: Martin Kanwar ist ein typischer Mobilfunkgegner, dem es nicht in den Sinn kommt, wie dissozial sein Verhalten ist.

Denn die schweigende Mehrheit wird sich aller Voraussicht nach auch in Zunzgen nicht aufraffen können, den anmaßenden und egozentrischen Wünschen einer selbsternannten kleinen Bürgerbewegung etwas entgegen zu setzen, so dass der Gemeinderat nur die Stimmen von Kanwar und seiner Mitstreiter hört und mutmaßlich für diese winzige Minderheit Partei ergreift. Wäre an dem Gerede über gesundheitsschädlichen Mobilfunk wenigstens etwas dran, könnte ich für das groteske Treiben noch einen Funken Verständnis aufbringen, doch es ist nichts dran. Jeder, der sich ergebnisoffen aus seriösen Quellen informiert, den Webseiten von Mobilfunkgegnern also mit demselben gesundem Misstrauen begegnet wie den Webseiten von Wünschelrutengängern, der muss mMn zu dem Schluss kommen, dass, wenn überhaupt, nicht von Sendemasten ein Risiko ausgeht, sondern von den Handys. Und wer von den 75 Mobilfunkgegnern in Zunzgen kein Handy hat und emsig nutzt, der möge bitte vortreten. Der biblische Sankt Martin teilte noch mit anderen und war nicht allein auf seinen eigenen Vorteil bedacht.

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Minderheit, Sankt-Florian-Prinzip, Druck, Wutbürgertum, Dissozial, Gemeinde

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