Wenn Pseudoexperten sich ihrer Sache sicher sind (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 29.12.2016, 23:18 (vor 1047 Tagen)

Wenn in der Elektrosmogdebatte selbsternannte Experten öffentlich vom Leder ziehen, dann ist das bestenfalls komisch und schlimmstenfalls ärgerlich, weil verantwortungslos Stuss vorgetragen wird, der die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen kann. Dicke Portionen Selbstüberschätzung, Geltungsdrang und/oder Profitstreben hindern die Pseudoexperten in aller Regel daran, sich in Demut zu üben und, der eigenen Wissensdefizite bewußt, sich bescheiden in Schweigen zu hüllen. Stattdessen werden Interviews gegeben, Anti-Mobilfunk-Websites gezimmert, Artikel, Bücher und Broschüren zusammengeschustert und Vorträge gehalten – immer vor Laien, nie vor echten Experten.

Das üble Treiben der Pseudoexperten in der Elektrosmogdebatte ist schlimm und doch ist es Nichts im Vergleich zu den "Experten", die den 20 Jahre zurückliegenden Mordfall an einer sechs Jahre alten "Kinder-Schönheitskönigin" in USA analysiert haben. Das Ergebnis von deren Analyse wurde, man mag es kaum glauben, als Doku des Senders CBS im Fernsehn ausgestrahlt und der Bruder der Getöteten als Täter benannt. Doch der Beschuldigte lässt sich das nicht gefallen, er hat CBS laut "Spiegel" auf 750 Mio. Dollar Schadenersatz verklagt.

In Deutschland haben angehende Kriminalbeamte vor ein paar Jahren einen 1922 begangenen ungewöhnlichen Mordfall an einer bayerischen Familie ebenfalls nachträglich analysiert und die Recherche in einer TV-Doku präsentiert. Und auch die Jungermittler haben sich auf einen Täter festgelegt, im Gegensatz zu den Amerikanern haben sie aus Rücksicht auf lebende Verwandte des mutmaßlichen Täters jedoch keinen Namen genannt.

In der Elektrosmogdebatte haben Pseudoexperten hingegen nichts zu befürchten, denn öffentliches Behaupten von ausgemachtem (technisch/physikalischen) Stuss ist nicht strafbar, sondern wird vom Recht der freien Meinungsäußerung gedeckt. Was wie eine Gesetzeslücke wirkt hat den Sinn, Bürger nicht von jeder Eigenverantwortung zu entbinden, Behauptungen von Scharlatanen mit kritischer Distanz zu sehen. Wer so dumm ist, Pseudoexperten auf den Leim zu gehen und dadurch finanzielle Verluste erleidet, der hat wenig Chancen sein Geld wiederzusehen. Immerhin: In Deutschland stehen die Chancen besser als in der Schweiz.

Hintergrund
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Verbrieftes Recht, öffentlich Stuss behaupten zu dürfen

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Medien, Instant-Experte, Geltungsdrang, Eigenverantwortung, Pseudowissen, Pseudoexperten, Meinungsäußerung

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