Diagnosecode Z58: Nur sieben Fälle in zwölf Jahren (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Montag, 15.12.2014, 22:35 (vor 2539 Tagen)

Seit mindestens 2005 gibt es den Diagnosecode Z58 für gefühlte "Elektrosensibilität", auch wenn der Präsident eines Schweizerischen Vereins für "Elektrosmog-Betroffene" erst 2013 Wind davon bekommen hat.

Eigenartigerweise sind bislang in der Anti-Mobilfunk-Szene keine Fallzahlen der Z58-Diagnose bekannt geworden. Dabei müsste sich der zuweilen frech behauptete dramatische Anstieg der Fallzahlen auf mehrere hundertausend "Elektrosensible" bei den Z58-Diagnosen deutlich niederschlagen.

Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes bietet mit dynamischen Tabellen ein außerordentlich vielseitiges Werkzeug, um sich selbst zu informieren. Ganz simpel ist der Umgang mit den Einstellungen nicht, doch wer sich im Trial-and-Error-Verfahren damit auseinandersetzt bekommt früher oder später die gewünschten Auskünfte. Links auf die Ergebnisse zu setzen wäre hilfreich, geht aber nicht, da sie nur kurz im Netz stehen und dann automatisch verfallen. Deshalb nachfolgend keine Links, sondern Screenshots als Belege.

Ich habe mir in Gestalt der "Krankenhausstatistik" zeigen lassen, wie sich seit 2000 in Deutschland Phobien entwickelt haben, andere Angststörungen, die Gruppe Z55-Z65 (Personen mit potentiellen Gesundheitsrisiken aufgrund sozialökonomischer oder psychosozialer Umstände) und natürlich Z58. Gefragt hatte ich nach der Gesamtanzahl der Fälle (beide Geschlechter) pro Jahr. Das Ergebnis zeigt die folgende Grafik, auf der Senkrechten ist die Anzahl der Fälle aufgetragen:

Entwicklung in Krankenhäusern gestellter Diagnosen (Angststörungen) von 2000 bis 2012
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Gut zu erkennen ist, die Anzahl der Angststörungen (schwarze Kurve) nimmt seit 2000 stark zu, in etwa gleich ist die Zunahme bei den Phobien (rot), allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau. Die Fallzahlen der Gruppe Z55-Z65 (inklusive Z58) aber sind so klein, dass sie gegenüber den beiden anderen Diagnosen bedeutungslos erscheinen. Weil so schlecht erkennbar, habe ich mir die oben blaue Kurve noch einmal separat mit besserem Maßstab anzeigen lassen, in der folgenden Grafik ist diese Kurve nun rot:

Entwicklung in Krankenhäusern gestellter Z55-Z65-Diagnosen von 2000 bis 2012
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Jetzt ist gut zu sehen: Der Diagnose für Personen mit potentiellen Gesundheitsrisiken aufgrund sozialökonomischer oder psychosozialer Umstände droht der Untergang.

Doch noch ist nicht klar, wie sich Z58 in dieser Gruppe geschlagen hat.

Die Antwort wird den sogenannten "Schutzorganisationen" für Elektrosmog-Betroffenen gar nicht gefallen. Zwischen 2000 und 2012 wurde in ganz Deutschland diese Diagnose ganze 7-mal in einem Krankenhaus gestellt. Und zwar alle sieben im Jahr 2006. Dies erklärt, warum Z58 keine Kurve bilden kann, es ist nur ein einsames Pünktchen in der Grafik.

Alle obigen Grafiken leiten sich von den Zahlen in der folgenden Tabelle ab:

[image]

Das Desaster für überzeugte "Elektrosensible" mag groß sein, es könnte aber noch schlimmer kommen: Denn wenn schon die Krankenhäuser keine Z58-Diagnosen stellen mögen, dann bleibt den "Elektrosensiblen" als letzte Hoffnung die niedergelassenen Ärzte. Dieser Strohhalm aber könnte leicht brechen, wenn sich auch für die Diagnosen niedergelassener Ärzte eine Statistik finden lässt.

Hintergrund
Antwort DIMDI: "Elektrosensibilität" ist in Z58 eingeordnet

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
EHS, Funkloch, Z58, GDB, Krankenhaus

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