Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz: Behauptungen geprüft (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 24.08.2014, 01:22 (vor 1974 Tagen)

Auszug aus dem Jahresbericht 2013 des Vereins AefU (Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz):

Die Belastung mit nicht ionisierender Strahlung im Alltag nimmt exponentiell zu, sowohl durch den Smartphoneboom, als auch durch die zunehmende Nutzung kabelloser Heimnetzwerke.

Soso, eine exponentielle Zunahme der EMF-Immission sehen die Mediziner also in der Schweiz. Exponentielles Wachstum bedeutet im Vergleich zu linearem Wachstum, dass eine Größe nicht gleichmäßig, sondern immer schneller wächst. Exponentielles Wachstum bedeutet rapide zunehmendes Wachstum.

Landläufig als Hauptquelle für Elektrosmog werden Mobilfunk-Sendemasten gesehen. Auch von zwei AefU-Funktionären, die 2012 in einem Brief eine damals noch kontinuierliche Zunahme der Strahlenbelastung durch Mobilfunk beklagten und eine Senkung der Schweizerischen NIS-Grenzwerte des Jahres 2000 um den Faktor 10 forderten.

Nunja, Papier ist geduldig. Was aber sagen die Fakten? Schauen wir nach.

Die Zentralschweiz betreibt seit 2006 ein Netz von Elektrosmog-Messstationen. Bis 2010 wurden an 24 Orten pro Jahr drei Monate lang Messwerte aufgezeichnet (mobile Messstation), seither messen fest installierte Messstationen an fünf Orten ganzjährig. Um der Behauptung der AefU von einer exponentiellen Zunahme der EMF-Immissionen auf den Grund zu gehen, habe ich mir die Daten der willkürlich ausgewählten Messstation Alpnach ab 2010 einmal näher angeschaut. Diese Messstation befindet sich auf einem Industriegebäude. Gemessen wird vor allem das Signal der gegenüberliegenden rd. 100 Meter entfernten Mobilfunkstation im Bereich GSM 900 und UMTS. Ebenfalls sichtbar ist eine weiter weg liegende GSM-1800-Station.

Sollte ein exponentieller Anstieg der Immission vorliegen, müsste dieser im Zeitraum 2010 bis 2014 unübersehbare Spuren hinterlassen haben. Diese aber konnte ich nicht finden. Weil die Messkurven nur je ein Jahr umfassen, ist der Gesamtüberblick von 2010 bis 2014 nur mühsam zu gewinnen. Deshalb habe ich in folgender Grafik die vier Messkurven nebeneinander gestellt. Da im Forum die maximale Bildbreite auf 600 Pixel begrenzt ist, werden Details verschwindend klein angezeigt. Macht aber nichts, wir wollen ja den Gesamtverlauf über rd. 4 1/2 Jahre betrachten:

Immissionsentwicklung GSM900/1800 und UMTS von 2010 bis Mitte 2014 in Alpnach (Schweiz)
[image]

Auf den ersten Blick ist zu sehen: Die Immission an diesem Standort ist weder kontinuierlich gestiegen, geschweige denn exponentiell, sie ist stattdessen leicht gefallen. Ob an diesem Standort LTE verfügbar ist (Einführung in der Schweiz ab November 2012), darüber gibt die Senderkarte des Bakom Auskunft. Und, ja, der Standort hat LTE, die Messstation erfasst diesen Sender jedoch offensichtlich nicht. Insofern gibt die Grafik oben ab frühestens November 2012 die tatsächliche Immission nicht mehr korrekt wieder [Hinweis: Möglicherweise ist LTE in der grünen Breitband-Messkurve enthalten, da die Eckfrequenzen des Breitbandbereichs nicht genannt werden, ist dies jedoch spekulativ]. Doch selbst wenn die LTE-Immission mit einbezogen wäre, die Immission hätte sich vielleicht verdoppelt, mit Sicherheit hätte es jedoch auch damit keinen exponentiellen Anstieg gegenüber Januar 2010 gegeben.

Fazit: Die Behauptung der AefU über die Immissionsentwicklung konnte durch die Stichprobe in keiner Weise bestätigt werden. Auch die Daten der übrigen Messstationen stützen die Behauptung der AefU nicht, sie lässt sich daher, was Mobilfunk-Sendemasten anbelangt, pauschal mit Sicherheit nicht aufrecht erhalten. Und da die Mediziner auch diesmal nicht differenzieren, wovon sie überhaupt reden (Sendemasten oder Handys), sie aber eine Grenzwertsenkung für Sendemasten fordern, bleiben die Zweifel an der technischen Kompetenz der AefU in Fragen des Mobilfunks bestehen.

Hintergrund
Schweiz: AefU nimmt Stellung zu NISSG-Entwurf
Schweiz: Funkfeldbelastung gegenüber 1989 verzehnfacht

[Admin: Editiert im 4. Absatz am 24.08.14, 10:16 Uhr]

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Zweifel, Interessenkonflikt, Schweiz, Senderkarte, Misstrauen, Verein, AefU, Gilli, Steiner

AefU: Baubiologen haben bei Ärzten Fuß in der Tür

H. Lamarr @, München, Dienstag, 02.09.2014, 00:03 (vor 1965 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus dem Jahresbericht 2013 des Vereins AefU (Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz):

Die Belastung mit nicht ionisierender Strahlung im Alltag nimmt exponentiell zu, sowohl durch den Smartphoneboom, als auch durch die zunehmende Nutzung kabelloser Heimnetzwerke.

Heute eine neue Folge unseres beliebten Suchspiels "Wo ist der Baubiologe?".

Wir sind in der Schweiz zu Gast. Genauer bei dem Verein AefU (Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz), der sich auffällig intensiv für die Mobilfunkdebatte interessiert, dessen technischen Qualifikationen zur Teilnahme an der Debatte jedoch Anlass zur Sorge geben.

Technischer Berater der Ärzte ist Herr Markus Durrer. Auf der Website der AefU erfährt man dies nicht, dazu muss man schon in den Jahresberichten des Vereins stöbern. Durrer wird dort mit der unverfänglichen Berufsbezeichnung Elektroingenieur vorgestellt.

So weit war ich schon vor ein paar Wochen, Grund für eine weiterführende Recherche sah ich damals nicht.

Doch dann kam heute dieses Posting bei Gigaherz. Da war es dann nur noch ein kleiner Schritt bis zu Durrers Website.

Kommentar: Herrn Durrer kann man schlecht vorwerfen, dass er sein Geld als Baubiologe verdient. Das ist sein gutes Recht. Irritierend aber ist die Rolle des Vereins AefU, der den unübersehbaren Interessenkonflikt Durrers entweder nicht sieht oder diesen ignoriert und zwanglos mit Durrer kooperiert. Schlimmer noch: Die Mobilfunk-Arbeitsgruppe des Vereins hat immer wieder mal Hausuntersuchungen bei Leuten veranlasst, die sich wegen angeblicher Elektrosmog-Beschwerden bei dem Verein meldeten. Sollte es dabei zu Beauftragungen des eigenen technischen Beraters Durrer oder einem "dem [seinem] Institut angeschlossenen Experten" gekommen sein, gäbe es in dem Verein ein gewinnorientiertes System der Angst, das umso ertragreicher ist, je größer die Angst vor Elektrosmog in der Bevölkerung ist. Betrachtet man nun unter diesem Blickwinkel die Aktivitäten des Vereins in der Mobilfunkdebatte, möchte man die Recherche am liebsten schnell wieder rückgängig machen. Es wäre, wenn der Verdacht zutreffend ist, ein handfester Skandal, in den die Ärzte verwickelt wären.

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Baubiologen haben bei Ärzten Fuß in der Tür

KlaKla, Mittwoch, 03.09.2014, 09:23 (vor 1963 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von KlaKla, Mittwoch, 03.09.2014, 09:49

Kommentar: Herrn Durrer kann man schlecht vorwerfen, dass er sein Geld als Baubiologe verdient. Das ist sein gutes Recht. Irritierend aber ist die Rolle des Vereins AefU, der den unübersehbaren Interessenkonflikt Durrers entweder nicht sieht oder diesen ignoriert und zwanglos mit Durrer kooperiert. Schlimmer noch: Die Mobilfunk-Arbeitsgruppe des Vereins hat immer wieder mal Hausuntersuchungen bei Leuten veranlasst, die sich wegen angeblicher Elektrosmog-Beschwerden bei dem Verein meldeten. Sollte es dabei zu Beauftragungen des eigenen technischen Beraters Durrer oder einem "dem [seinem] Institut angeschlossenen Experten" gekommen sein, gäbe es in dem Verein ein gewinnorientiertes System der Angst, das umso ertragreicher ist, je größer die Angst vor Elektrosmog in der Bevölkerung ist. Betrachtet man nun unter diesem Blickwinkel die Aktivitäten des Vereins in der Mobilfunkdebatte, möchte man die Recherche am liebsten schnell wieder rückgängig machen. Es wäre, wenn der Verdacht zutreffend ist, ein handfester Skandal, in den die Ärzte verwickelt wären.

Auch der sogenannte ärztliche Qualitätszirkel den Dr. Markus Kern aus Kempten betreute hatte einen Elektriker oder Messknecht je nach dem, wie man es bezeichnen möchte. Auch dieser ist mVn befangen a. durch eigene EHS-Betroffenheit und b. durch die kommerziellen Interessen die er am Thema hat.

Er spürte, dass er e-sensibel ist
Werner Funk ist Ingenieur für Nachrichten- und Hochfrequenztechnik. Er baute Fernsehsender, arbeitete für die Fraunhofer-Gesellschaft und für den Deutschen Wetterdienst auf deren Station am Hohenpeißenberg. Dort stehen auch zahlreiche starke Sender, vom Fernsehen bis zum Mobilfunk. „Wenn ich da etwas entwickeln musste, bin ich nach 20 Minuten aufgestanden, rumgelaufen, habe nichts Richtiges zusammengebracht. Daheim konnte ich die Arbeit problemlos erledigen.“ So kam Werner Funk auf das Thema Elektrosmog und begann zu messen.

Und erlebte immer wieder Geschichten wie diese: „Ein Ehepaar kann seit zwei Jahren nicht mehr gut schlafen. Der Arzt findet nichts. Dann rufen sie mich an, ich soll doch mal schauen. Ich messe im Schlafzimmer, genau da, wo der Kopf ist, die höchste Strahlung im ganzen Haus. Der Nachbar hatte direkt hinter der Schlafzimmerwand sein schnurloses Telefon und die WLAN-Station installiert. Er nahm die Geräte weg und seitdem schläft das Ehepaar wieder problemlos.“ ...

2004 bat er um Entbindung vom Amt des Sicherheitsbeauftragten beim Deutschen Wetterdienst! Damals argumentierte er mit einem Vorsorgewert von 10 Mikrowatt pro Quadratmeter. Seine Quelle war das Magazin Öko-Test, Heft 4/2001. Die Verbindung von Öko-Test über Baubilologie Maes zur Ausbildungsanstalt in Neubeuern war Laien nicht geläufig.

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Meine Meinungsäußerung

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Oberammergau, Hohenpeißenberg, Funk, Betroffenheit

Baubiologen haben bei Ärzten Fuß in der Tür

Kuddel, Mittwoch, 03.09.2014, 21:04 (vor 1963 Tagen) @ KlaKla

„Ein Ehepaar kann seit zwei Jahren nicht mehr gut schlafen. Der Arzt findet nichts. Dann rufen sie mich an, ich soll doch mal schauen. Ich messe im Schlafzimmer, genau da, wo der Kopf ist, die höchste Strahlung im ganzen Haus. Der Nachbar hatte direkt hinter der Schlafzimmerwand sein schnurloses Telefon und die WLAN-Station installiert. Er nahm die Geräte weg und seitdem schläft das Ehepaar wieder problemlos.“ ...[/link]

Ist ja ein Ding...
...dem Ehepaar ist es beinahe geanuso ergangen, wie der 13-Jährigen "R"

Fälle aus der Praxis

Die 13-jährige R. litt seit Jahren unter einer schweren spastischen Bronchitis. Die Untersuchung des Schlafplatzes ergab eine Globalgitternetzkreuzung mitten auf der Brust des Mädchens und eine unterirdische Wasserader im Bereich der gleichen Kreuzung. Vom Augenblick der Bettumstellung war das Mädchen gesund.

K

Markus Durrer, Präsident der »IG Stopp Elektrosmog«

H. Lamarr @, München, Freitag, 01.11.2019, 00:42 (vor 79 Tagen) @ H. Lamarr

Technischer Berater der Ärzte ist Herr Markus Durrer. Auf der Website der AefU erfährt man dies nicht, dazu muss man schon in den Jahresberichten des Vereins stöbern. Durrer wird dort mit der unverfänglichen Berufsbezeichnung Elektroingenieur vorgestellt.

So weit war ich schon vor ein paar Wochen, Grund für eine weiterführende Recherche sah ich damals nicht.

Doch dann kam heute dieses Posting bei Gigaherz. Da war es dann nur noch ein kleiner Schritt bis zu Durrers Website.

Der berufliche Lebenslauf von Markus Durrer, den er auf seiner Website preisgibt, liest sich recht ordentlich und vertrauenerweckend. Doch ein Kapitel seines Berufslebens, das von Ende 2004 bis etwa Ende 2007 reichte, unterschlägt der Blauhelm. Offenkundig hält er es für seinen Status eines Sachverständigen nicht besonders dienlich, dass er während dieser Zeit Präsident der "Interessengemeinschaft Stopp Elektrosmog", Graubünden, war. Seine Medienmitteilung anlässlich der Vereinsgründung liest sich noch verheißungsvoll:

25.November 2004 - Gründung der IG Stopp Elektrosmog

Männer und Frauen aus dem Bereich Elektro- und Baubiologie, Schul- und Erfahrungsmedizin, der Pädagogik, aus mobilfunkkritischen Bürgerinitiativen und Umweltpolitik gründeten am 2. November unter dem Namen IG Stopp Elektrosmog einen Verein mit dem Zweck in Graubünden objektiv über die Wirkung von elektromagnetischen Wellen und dem Schutz vor nichtionisierender Strahlung aufzuklären, dies unter Einbezug der biologisch / medizinischen, der physikalischen / technischen und politischen / rechtlichen Aspekten.

Der parteipolitisch und religiös unabhängige Verein und dessen Mitglieder setzen sich für Grenzwerte ein, die der notwendigen Vorsorge zum effektiven Schutz von Leben und Wohlbefinden ausreichend Rechnung tragen und beraten Bürgerinitiativen, die sich gegen Bau- und Ausbauprojekte zur Wehr setzen, die Gesundheit und Wohlbefinden durch nichtionisierende Strahlung gefährden. Der Verein beurteilt Baubegehren, die den Bau oder Ausbau von funktechnischen Anlagen und Hochspannungsleitungen beinhalten, auf ihre Umweltverträglichkeit (EMVU) hin. Auch wird der Verein versuchen zwischen Bürgerinitiativen, Behörden und Anlagebetreibern zu vermitteln, um eine für alle tragbare Lösung zu finden.

Vor allem wird die IG Stopp Elektrosmog zukünftig mit Vorträgen und Medienmiteilungen an die bündner Öffentlichkeit treten und so die Behörden und die Bevölkerung aufklären. Zu einem späteren Zeitpunkt sind auch Empfehlungen zur Nutzung elektrischer und funktechnischer Geräte, wie auch die Veröffentlichung von Ferienorten mit sehr geringer Elektrosmogbelastung geplant.

Unsere Vision ist ein Graubünden, das seinen Bewohnern und Gästen minimalste Belastung durch nichtionisierende Strahlung und somit mehr Erholung und Lebensqualität bietet, ohne auf die Nutzung der Elektrizität und moderne Kommunikation verzichten zu müssen. Angst zu verbreiten ist keines Falles unsere Absicht.

Mittlerweilen hat sich der Vorstand konstituiert und ist operativ einsatzfähig. Ab 1. Dezember steht im Internet Interessierten das Infoportal http://www.stopp-elektrosmog.ch.vu zur Verfügung und unser Sekretariat ( c/o GAM - Fachschule für Naturheilkunde ) nimmt unter der Telefonnummer 081 285 1610 Anfragen zum Thema Elektromagnetische Umweltverträglichkeit (EMVU) entgegen.

Präsiden der IG Stopp Elektrosmog Markus Durrer

Die harte Realität ließ die Luftschlösser jedoch schnell zerbröseln und die www-Außenwirkung des Vereins kam zu keiner Zeit über die x-beliebiger anderer Anti-Elektrosmog-Vereine hinaus. Wo der Hase lang läuft wurde Durrer, der damals als Beruf noch "Elektrobiologe" angab, schon anlässlich der ersten Generalversammlung seines Vereins klar gemacht, als im Januar 2005 sich nur neun Mitglieder der IG einfanden. Drei Jahre später war das Interesse an der Gemeinschaft so weit erloschen, dass der Verein seine Website aufgab und sich mutmaßlich auflöste. Von der früheren Existenz der IG Stopp Elektrosmog zeugen heute nur noch rd. ein Dutzend Treffer bei Google.

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Baubiologe, Elektrobiologe, Schweiz, Durrer

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