Insektenstudie "Beefi" (V): Wer davon profitiert (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 11.05.2024, 14:25 (vor 38 Tagen) @ H. Lamarr

Nehmen wir einmal an, die "Beefi"-Studie von Diagnose-Funk sei keine Kargo-Kult-Studie, sondern ein ernst zu nehmendes Paper, dem zwar die unvermeidbaren Unsicherheiten früher wissenschaftlicher Erkenntnisse anhaften, das man aber nicht so einfach vom Tisch wischen kann. Wer würde dann kommerziell am meisten davon profitieren?

Aus meiner Sicht gäbe es zwei große Profiteure. Der eine liegt auf der Hand, das sind alle die kleinen und großen Fische, deren Geschäftsmodelle auf irrationaler Furcht vor elektromagnetischen Feldern beruhen. Für mich ist hierzulande die selbsternannte "Verbraucherschutzorganisation" Diagnose-Funk die maßgebende Kraft, die diese Furcht systematisch in der Bevölkerung wecken oder schüren will. Indizien für meine Behauptung finden sich hier im Forum haufenweise. Da aber die Verbreitung von Desinformation grundsätzlich nicht strafbar ist, sondern weitgehend vom Recht auf Meinungsäußerungsfreiheit legitimiert wird, kann der Verein nahezu ungehindert schalten und walten.

Weniger ersichtlich wäre der zweite große Profiteur der Insektenstudie, denn er steht im Hintergrund, hat mit der Studie anscheinend überhaupt nichts zu tun und profitiert von deren alarmierenden Ergebnissen nicht unmittelbar, sondern mittelbar. Die Rede ist von der Pestizidindustrie, genauer von den Insektizidherstellern. Deren Produkte sind für die Landwirtschaft unverzichtbar, haben aber den Nachteil, dass sie im Allgemeinen nicht zwischen Schädlingen und Nützlingen unterscheiden. Hinzu kommen Herbizide (Unkrautvernichter), die für Insekten giftig sein können und ihnen die Nahrungsgrundlage entziehen. Es ist daher kaum noch strittig, dass Pestizide beträchtlichen Anteil am weltweiten Rückgang der Biomasse haben.

Um den Ruf von Pestiziden ist es schlecht bestellt, die Hersteller würden es mit Sicherheit begrüßen, könnten sie einen anderen Schuldigen oder wenigstens Mitschuldigen präsentieren. Die Tabakindustrie geriet vor Jahrzehnten in die gleiche Bedroullie, als zunehmend klarer wurde, dass ihre Produkte gesundheitsschädlich sind. Findige Tabaklobbyisten kamen seinerzeit auf die Idee, Ablenkungsforschung zu betreiben und deren Ergebnisse breit zu streuen. Es ging darum, andere Gesundheitsrisiken zu finden, echte oder erfundene, sie zu dramatisieren und auf diese Weise von einer Fokussierung auf das Risiko Rauchen abzulenken. So gab es Versuche, die Verdauungsprodukte von Kanarienvögeln und Tonerstaub als Gefahrenquellen zu etablieren. Auch die gezielte Verbreitung und Sicherung von Unwissen sollte helfen, Zweifel am Risiko Rauchen möglichst lange wach zu halten.

Diagnose-Funk war zwar eines der bevorzugten Sprachrohre des erfolgreichen Ex-Tabaklobbyisten Franz Adlkofer, der zuletzt mit alarmierenden Mobilfunkstudien auf sich aufmerksam machte, für den Verdacht, der Verein betreibe mit seiner Insektenstudie bewusst Ablenkungsforschung zugunsten der Agrochemieindustrie, habe ich jedoch keine Anhaltspunkte. Diese unglückliche Verbindungslinie dürfte eher zufällig entstanden sein. Wie oben angesprochen gibt es hingegen eine lange Indizienkette, dass Diagnose-Funk den Profiteuren irrationaler Furcht vor HF-EMF zuarbeitet. Dies rechtfertigt den begründeten Verdacht, dass dies kein Zufall ist, eindeutige Beweise für ein schuldhaftes Verhalten des Vereins liegen mir bislang nicht vor.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Desinformation, Profiteur, Trittbrettfahrer, Sprachrohr, Ablenkungsforschung, Kargo-Kult-Wissenschaft


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