Standortgutachten: Sind Gemeinderäte wirklich faul und dumm? (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 16.12.2023, 20:50 (vor 189 Tagen) @ KlaKla

[...] Ein Autodidakt baut sein Geschäftsmodell auf, auf die Faulheit und Dummheit der Gemeinderäte.

Diesen Eindruck hatte ich bei meinem Gespräch mit Markus Huber nicht. Er bemüht sich redlich, es allen so gut es geht recht zu machen. Weil er kein Nachrichtentechniker ist, hat er sich, wie etliche Bürgermeister in Nachbargemeinden vor ihm, von Hans Ulrich beraten lassen und dessen Standortgutachten gekauft. Damit konnte er die Mobilfunkgegner in Huglfing ruhig stellen und wie du in dem Gutachten lesen kannst, können auch die Telekom und Vodafone mit den beiden Standortempfehlungen Ulrichs gut leben. Huber hat mit einer Klappe zwei Fliegen erwischt.

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Ob sich der soziale Frieden in der Gemeinde auch ohne die 10'000 Euro für den privaten Standortplaner eingestellt hätte steht in den Sternen. Wahrscheinlich eher nicht, denn die Anti-Mobilfunk-Szene rackert sich seit 30 Jahren ab, in der Bevölkerung Misstrauen gegenüber der Netzplanung der Mobilfunknetzbetreiber zu säen. So gesehen ist die Dienstleistung von Ulrich immissionstechnisch gesehen wegen übertriebener Vorsorge-Vorsorge zwar überflüssig wie ein Kropf, für ein auskömmliches Miteinander in der Gemeinde ist sie jedoch vorteilhaft. Ob diese verkappte psychologische Betreuung von einigen systematisch desinformierten Elektrosmog-Phobikern im Ort z.B. einen fünfstelligen Betrag wert ist, muss jede Gemeinde für sich entscheiden.

Ohne Phobiker vor Ort kämen private Standortplaner nicht zum Zug. Verwerflich wäre es daher, gäbe es Absprachen zwischen Anti-Mobilfunk-Vereinen und privaten Standortplanern, gezielt dort Unruhe in der Bevölkerung zu stiften, wo Mobilfunkstandorte geplant sind. Der Gewinn (besser die Beute) wird hinterher zwischen den beteiligten Gaunern geteilt. Diesen Eindruck kann man im Süden Münchens gewinnen, denn in der Region reihen sich die Gemeinden mit Elektrosmog-Phobikern fast schon wie Perlen auf einer Schnur. Ulrich hat dort ein ausgesprochen ergiebiges Jagdrevier und er muss sich längst nicht mehr auf die Lauer legen, um einen Auftrag zu ergattern. Infolge Mundpropaganda von Ort zu Ort kommen die Kunden zu ihm – und das wegen der dynamischen Entwicklung der Mobilfunknetze immer wieder.

Ulrich kann man vorwerfen, dass er seinen Kunden mit ernster Miene und technischen Blähungen eine bei Licht besehen ganz und gar überflüssige Immissionsminimierung verkauft. Seinen tatsächlichen Mehrwert, die Bewahrung des sozialen Friedens am Ort des Geschehens, thematisiert er hingegen nicht. Zumindest nicht öffentlich. Allerdings kann er dies auch nicht tun, denn er würde sein Geschäftsmodell damit gefährden. Beispiel: Stell dir eine rot blinkende LED gut sichtbar in einem nachts geparkten Auto vor. Jeder Autoknacker würde denken, der Wagen sei mit einer Alarmanlage gesichert, obwohl dies gar nicht zutrifft. Der Trick funktioniert nur, solange keiner weiß, dass da nur eine LED blinkt ...

Den finanziellen Schaden, den die Phobiker anrichten, bezahlen alle Einwohner einer Gemeinde. Statistisch gesehen treffen die 10'000 Euro aus dem Huglfinger Gemeindesäckl jeden Einwohner mit rd. 4 Euro. Eine Packung Zigaretten kostet mehr. Allerdings hätte Huber für das Geld auch neue Spielgeräte für einen Spielplatz kaufen können.

Ob Markus Huber die Bürgermeister-Sprechstunden des Kompetenzzentrums EMF kennt, habe ich ihn nicht gefragt. Dort hätte er sich honorarfrei zu allen Aspekten von Mobilfunknetzen beraten lassen können. Den "Beruhigungseffekt", den ein privater Standortplaner bieten kann, den bekommt er dort aber nicht.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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