EMF & oxidativer Stress: Videointerview mit Zellbiologin (Forschung)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 22.08.2021, 11:53 (vor 527 Tagen) @ Gast

Die Argumentationslinie der Mobilfunkgegner ist nicht grundsätzlich falsch, es müsste aber erst einmal sicher nachgewiesen werden, dass elektromagnetische Felder überhaupt oxidativen Stress verursachen, und zwar über das Ausmaß dessen hinaus, was physiologisch normal ist. Das ist bei der Qualität vorliegender Studien nicht der Fall.

Oxidativer Stress begeistert momentan Mobilfunkgegner über alle Maßen, wahrscheinlich deshalb, weil der Begriff so schön toxisch klingt und die Wenigsten auf dem Schirm haben, was damit gemeint ist. Da Fachgespräche für Laien unverständlich sind, finde ich die Idee des FMK gut (österreichische Interessenvertretung der Mobilfunknetzbetreiber), ihren Pressesprecher Gregor Wagner und eine Professorin der Zellbiologie zusammen zu bringen. So geschehen in der Reihe 5Gespräche, die das FMK am 19. August 2021 gestartet hat.

Wagner fragt in dem gut 10-minütigen Video seine Gesprächspartnerin Myrtill Simkó beispielsweise was freie Radikale sind, ob bei der Nutzung von Smartphones überhaupt oxidativer Stress entstehen kann und wie dieser sich auf die Gesundheit auswirken könnte. Die Antworten von Simkó sind stellenweise überraschend. So räumt sie mit der Behauptung auf, eine Zunahme freier Radikale im Körper sei grundsätzlich gesundheitsschädlich. Denn eine Schadwirkung trete nicht auf, wenn im selben Maße die Antioxidantien im Körper zunehmen. Entscheidend sei die Balance zwischen Beiden. Die alleinige Messung freier Radikale, was bei Studien häufig der Fall sei, wäre daher zur Bewertung von oxidativem Stress ungenügend, wenn nicht zugleich deren Gegenspieler die Antioxidantien gemessen werden.

Wer sich als Mobilfunkgegner medienkompetent informieren möchte, kommt nicht umhin, seine Echokammer zu verlassen und sich auf gegnerisches Terrain zu begeben. Anders sind gegenteilige Informationen über das "Risiko Mobilfunk" nicht zu bekommen. Sich dem Video allein deshalb zu verweigern, nur weil es von der Lobbyorganisation FMK kommt, wäre beschämend medieninkompetent.

Gregor Wagner (FMK) im Gespräch mit Prof. Myrtill Simkó.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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