Kommentar von Univ.-Doz. Dr. Ferdinand Ruzicka (Allgemein)

Gast, Mittwoch, 24.05.2006, 21:21 (vor 6033 Tagen) @ H. Lamarr

Kommentar von Univ.-Doz.Dr.Ferdinand Ruzicka

Dazu muss ich daran erinnern, dass es bereits eine Reihe von wissenschaftlichen Studien gibt, die Chromosomenschäden nach EMF - Exposition gefunden haben.
1) Maes et al.: In vitro cytogenetic effects of 2450 MHz microwaves on human peripheral blood lymphocytes. Bioelectromagnetics 14: 495 - 501 (1993)
fanden Chromosomenaberrationen in menschlichen Lymphozyten nach Mikrowellenexposition.
2) Nordenson et al.: Chromosomal aberrations in human amniotic cells after intermittent exposure to 50 Hz magnetic fields. Bioelectromagnetics 15: 293 -301 (1994)
fanden Chromosomenaberrationen in menschlichen Amnionzellen nach Exposition mit 50 Hz ELF Feldern.
3) Nordenson et al.: Chromosomal aberrations in lymphocytes of engine drivers.. Bioelectromagnetics Society Meeting, Victoria, Canada 1996. Poster P-64-B
fanden Chromosomenaberrationen in Lymphozyten von schwedischen Lokführern die ELF Feldern ausgesetzt waren.
4) In:Goldsmith, J.R.: Epidemiological Evidence Relevant to Radar (Microwave) Effects, Environmental Health Perspectives 105, Supplement 6 (December 1997)
1966 untersuchte Dr.G.Jacobson von der George Washington University 34 ausgesuchte Angestellte der US Botschaft in Moskau die drei Jahre lang einer Mikrowellenbestrahlung durch die Russen ausgesetzt waren. Wegen Chromosomenschäden wurde mehr als die Hälfte angewiesen für sechs Monate die dortige Arbeit zu unterbrechen.

Eine Reihe von Studien haben als besondere Form von EMF induzierten Chromosomenschäden sogenannte Mikronuklei gefunden. Mikronuklei werden als klinische Marker für ein erhöhtes Krebsrisiko bei Opfern von Strahlenschäden benutzt - so etwa nach dem Tschernobyl- Gau in der früheren Sowjetunion. Nach EMF Exposition fanden vier Studien als Teil eines 27 Millionen Dollar Forschungsprogramms der U.S. CTIA, Cellular Telephone Industry Association ebenfalls Mikronuklei. Unter anderen:
5) Carlo, G. und Schramm,M.: Cell Phones - Invisible Hazards in the Wireless Age, Carroll & Graf Publishers, Inc., New York, ISBN 0-7867-0812-2
6) Garaj-Vhrovac et al.: The correlation between the frequency of micronuclei and specific chromosome aberrations in human lymphocytes exposed to microwaves, Mutation Research 281: 181-186 (1992)
In weiteren vier Studien wurde eine erhöhte Zahl von DNA - Strangbrüchen bei Tieren und menschlichen Zellen als Folge von schwachen EMF Feldexpositionen gefunden.
Nämlich:
7) Lai,H.: und Singh,N.: Acute low intensity microwave exposure increases DNA single-strand breaks in rat brain cells. Bioelectromagnetics 16, 207-210,1995
8) Lai,H.: und Singh,N.: Single- and double strand DNA breaks in rat brain cells after exposure to radiofrequency electromagnetic radiation. The International Journal of Radiation Biology 69-4: 513-521 (1996.
9) Lai,H.: und Singh,N.: Acute exposure to a 60 Hz magnetic field increases DNA- strand breaks in rat brain cells. Bioelectromagnetics 18: 156-165 (1997)
10) Phillips et al.: DNA damage in Molt-4 T-lyphoblastoid cells exposed to cellular telephone Radiofrequency fields in vitro. Bioelectrochemistry and Bioenergetics 40: 193-196 (1998)
11) Ahuja et al.: Comet assay to evaluate DNA damage caused by magnetic fields, Proceedings International Conference on Electromagnetic Interference & Compatibility (December 1997) Hyderabad, India

In zwölf Replikations- Studien wurde ein Anstieg der Aktivität des wichtigen DNA-verwandten Enzyms Ornithin Decarboxylase (ODC) nach EMF Exposition gefunden. ODC wird als diagnostischer Marker für Krebs benutzt. Eine Übersicht haben
12) Litovitz,T.A., und Penafiel,M.: How do transmission protocols determine potential bioeffects of cellular phone radiation?. Proceedings of the International Workshop on Possible Biological and Health Effects of RF Electromagnetic Fields, 25 - 28 Oktober 1998, Universität Wien
gegeben.

Vier Universitäten haben über EMF induzierte Gen Expressions- Änderungen berichtet. Unter anderen:
13) Lin, H. et al. : Electromagnetic field exposure induces rapid, transitory heat shock factor activation in human cells. J.Cell Biochem. 66: 482 - 488 (1997)
14) Goodman,R. und Blank,M.: Magnetic field stress induces expression of hsp70. Cell Stress & Chaperones 3(2): 79-78 (1998)
15) Tsurita et al. : Effects of exposure to repetitive pulsed magnetic stimulation on cell proliferation and expression of heat shock protein 70 in normal and malignant cells. Biochemical and Biophysical Research Communications 261: 689-694 (1999)

Gene die von EMF aktiviert werden sind u.a. Stressgene, Proto-Onkogene und Apoptose-Gene. Dr. James Trosko et al. von der Michigan State University berichtete im Oktober 2000, dass EMF die Zelldifferenzierung in menschlichen Blutzellen blockt. Das sind genau die Charakteristika eines Krebs Promotors. Ein ganz wichtiger Aspekt der meist nicht beachtet wird ist, dass die Forschungsergebnisse nahe legen, dass durch RF (Mikrowellen) induzierte Bioeffekte und jene die durch ELF Felder (niederfrequente Felder, 50 Hz Wechselstrom) auftreten identisch sind. Daher können Forschungsergebnisse von ELF-Feld-Expositionen benutzt werden um Bioeffekte bei RF (Mikrowellen) Feld-Exposition zu interpretieren und vorherzusagen, und vice versa!

Um das EMF Puzzle zu verstehen muss zum Schluss auf den Wirkmechanismus hingewiesen werden den ich auf meiner Homepage unter http://www.mikrowellensmog.info/Wirkmechanismus.html als online-Artikel veröffentlicht habe und der die hier zitierten und zahlreiche weitere wissenschaftlichen, bereits replizierten und Peer beurteilten Studien zur Grundlage hat.

Univ.-Doz. Dr. Ferdinand Ruzicka
Habilitiert für "Medizinische Physik mit besonderer Berücksichtigung der Zytophysik" (cytophysics) an der Medizinischen Universität Wien
http://www.mikrowellensmog.info

Tags:
Maes, Blank, Lai, Carlo, USA, Ruzicka, Goodman, Goldsmith, Schramm


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