Österreich: Institut für Technikfolgen legt 5G-Metastudie vor (Medien)

H. Lamarr @, München, Samstag, 07.03.2020, 23:48 (vor 271 Tagen) @ H. Lamarr

Die Ausschüsse des österreichischen Nationalrates haben (seit 2017) die Möglichkeit, im Konsens zu einzelnen Themen Studien in Auftrag zu geben. Dabei kann es sich um Kurzstudien (drei bis fünf Monate) oder längerfristige Studien (sechs bis 18 Monate) handeln. Für die Politik soll dadurch ersichtlich werden, welche Themen zu fördern sind, aber auch wo regulierend eingegriffen werden sollte. Bislang beauftragte der Beirat für Technikfolgenabschätzung erst eine Kurzstudie (Zwischenspeicher der Zukunft für elektrische Energie).

Die vom Österreichischen Parlamentsbeirat an das Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften vergebene Studie liegt jetzt vor. Hinter dem sperrigen Titel "5G-Mobilfunk und Gesundheit: Die aktuelle Einschätzung des Evidenzstandes zu möglichen Gesundheitsrisiken von elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks durch anerkannte wissenschaftliche Gremien" verbirgt sich eine Literaturstudie, die meiner ersten Einschätzung nach gut gemacht ist und strittige Sachverhalte treffsicher auf den Punkt bringt. Ausgewertet wurden vorhandene einschlägige Stellungnahmen maßgeblicher internationaler wie auch nationaler wissenschaftlicher Gremien außerhalb Österreichs (siehe Auflistung unten) in Hinblick auf Evidenzstand, Wissenslücken und Widersprüche, sowie ergänzend aktuell verfügbare wissenschaftliche Review-Artikel zu 5G und Gesundheit. Ob die Rolle der "BioInitiative" als einzig beachtetes erklärt mobilfunkkritisches Gremium bei der Auswertung überbewertet wurde, wage ich jetzt nicht zu behaupten.

Ähnlich wie der Bafu-Bericht einer Schweizer Arbeitsgruppe empfehlen die Autoren nicht den einzig wahren Königsweg zur Befriedung der Alpenrepublik im 5G-Streit, sondern ein Bündel von Maßnahmen. Die Studie will also aufmerksam gelesen werden, will man alle betrachteten Aspekt erfahren. Doch das Werk strapaziert mit nicht weniger als 130 Seiten das Zeitbudget beträchtlich. Deshalb gibt es die Studie in zwei Ausführungen, ergänzt um eine gute FAQ-Übersicht zu 5G:

FAQ-Übersicht zu 5G (12 Seiten)
Kurzfassung der Studie (10 Seiten)
Langfassung der Studie (130 Seiten)

Die Bewertung stützt sich im Wesentlichen auf Stellungnahmen folgender maßgebender Gremien (sogenannte Aggregatoren):

IARC International Agency for Research on Cancer (WHO)
WHO World Health Organisation
ICNIRP International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection
BioInitiative BioInitiative Working Group
SCENIHR Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks
EAHC Executive Agency for Health and Consumers (2008-2014)
ARPANSA Australian Radiation Protection and Nuclear Safety Agency
MoH NZ Ministry of Health (Interagency Committee on the Health Effects of Non-ionising Field for the Ministry of Health)
NZRSC/HC Royal Society of Canada for Health Canada
AGNIR Advisory Group on Non-Ionising Radiation (bis Mai 2017)
SSM Swedish Radiation Safety Authority
HCN Health Council der Niederlande
ANSES Agence nationale de sécurité sanitaire de l’alimentation, de l’environnement et du travail (französische Agentur für die Sicherheit von Ernährung, Umwelt und Arbeit)
BfS Deutsches Bundesamt für Strahlenschutz
SSK Deutsche Strahlenschutzkommission

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Zur übersichtlichen Visualisierung der Gremien-Standpunkte griffen die Autoren der Studie auf die Matrixdarstellung zurück, wie sie von Roman Högg und Gregor Dürrenberger 2017 in ihrem aufschlussreichen Papier "Divergierende Risikobewertungen im Bereich Mobilfunk" verwendet wurde (siehe auch Diskussionsstrang im IZgMF-Forum).

Ergänzung 28.06.2020: Bild eingefügt

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
ICNIRP, WHO, IARC, BioInitiative, Oesterreich, SSK, BfS, Wien, AGNIR, Metastudie, Arpansa, Högg, Dürrenberg, Evidenzstand


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