Focke et al. 2010 – eher keine DNA-Schädigung (Forschung)

H. Lamarr @, München, Montag, 17.02.2020, 21:54 (vor 1086 Tagen) @ Alexander Lerchl

Die Studie von Focke et al. (2010) wird vielfach als Beleg für die Reproduzierbarkeit der REFLEX-Ergebnisse im NF-Bereich (50 Hz) angesehen.

Franz Adlkofer schrieb 2011:

Um die Wiener Beiträge zum REFLEX-Projekt weiter in Zweifel ziehen zu können, verweisen Prof. Lerchl und sein Koautor stattdessen auf die Publikation von Scarfi et al.54, die sich mit niederfrequenten elektromagnetischen Feldern von 50 Hz beschäftigten und keine gentoxische Wirkung feststellen konnten. Auch diese Frage ist inzwischen durch die Publikation von Focke et al.5, die Ende 2009 ebenfalls in Mutation Research erschienen ist und nicht erwähnt wird, eindeutig beantwortet: Auch niederfrequente elektromagnetische Felder von 50 Hz verfügen – wie in Wien fest-
gestellt - über ein gentoxisches Potenzial.

Doch so eindeutig wie Adlkofer es darstellt, sehen Focke et al., 2010, die Ergebnisse ihres Replikationsversuchs keineswegs. Im Gegenteil, sie bezweifeln ausdrücklich, dass ihre Beobachtungen auf DNA-Schädigungen infolge starker NF-Magnetfeldeinwirkung beruhen. Im Abstract der Studie heißt es dazu:

[...] Hence, ELF-EMF induced effects in the Comet assay are reproducible under specific conditions and can be explained by minor disturbances in S-phase processes and occasional triggering of apoptosis rather than by the generation of DNA damage.

Übersetzung: Daher sind NF-induzierte Effekte im Comet-Assay unter bestimmten Bedingungen reproduzierbar. Diese Effekte lassen sich eher mit geringfügigen Störungen in S-Phasen-Prozessen und gelegentlichem Auslösen der Apoptose erklären als mit einer DNA-Schädigung.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
DNA-Schäden, NF, Wien, Comet-Assay, Focke, Replikatio


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