Sputnic-Studie: App zeigt Lateralität an (Forschung)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 08.08.2019, 14:50 (vor 1208 Tagen) @ H. Lamarr

Das ist schon verblüffend, die App erkennt, ob man sich das Mobiltelefon ans linke oder rechte Ohr hält (Laterality Left side oder Right side). Doch wie funktioniert das?

So ziemlich alle Smartphones enthalten spätestens seit Modelljahr 2015 einen kleinen Chip (Mems; Mikro-Elektromechanisches System), in dem winzige nur Mikrometer große Beschleunigungssensoren enthalten sind. Diese bestehen aus einer Feder an der eine träge Masse hängt und einer Auswerteelektronik, Material ist nicht Metall, sondern Silizium. Üblicherweise enthält der nur etwa 3 mm x 3 mm x 1 mm große Chip drei solche Sensoren für die drei Raumkoordinaten x, y und z. Je nachdem, ob man das Mobiltelefon ans linke oder rechte Ohr hält, wirkt sich die Gravitation der Erde unterschiedlich stark auf die drei Beschleunigungssensoren aus und ein Algorithmus kann anhand der Messwerte berechnen, ob momentan links oder rechts telefoniert wird.

Einer der größten Unsicherheitsfaktoren bei der großen Interphone-Hirntumorstudie (und den Hardell-Studien) sind die Antworten auf die Frage, an welches Ohr ein Studienteilnehmer sein Mobiltelefon gehalten hat. Denn dies ist entscheidend, ob die Lage eines Hirntumors im Kopf treffend der Kopfseite zugeordnet werden kann, an der das Telefon einwirkte. Früher mussten sich die Wissenschaftler darauf verlassen, was ihnen die Probanden ihrer Erinnerung zufolge sagten, da Menschen aber leicht irren, ist dieses Verfahren wenig zuverlässig. Die App der Sputnic-Studie löst das Problem. Sie meldet den Wissenschaftlern des Swiss TPH zuverlässig, an welches Ohr ein Studienteilnehmer sein Smartphone hält (auch Wechsel während eines Telefonats werden erkannt). Wahrscheinlich wird auch erkannt, wenn das Gerät nicht an ein Ohr, sondern zum Surfen im Netz in der Hand gehalten wird oder auf einem Tisch liegt.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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