Nur ein totes Handy ist ein gutes Handy (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 19.04.2018, 21:19 (vor 596 Tagen) @ Gast

Auszug Tagblatt Feb. 2018.

Tagblatt-Autor Dominic Wirth, ein Abgänger der Hamburg Media School (da war doch was!), bringt seinen Artikel in der Form einer Reportage. Es geht hier also nicht darum, den Wahrheitsgehalt dessen zu bewerten, was er unter der Erde mit den dort versammelten acht überzeugten Elektrosensiblen erlebt hat, sondern nur darum, den Lesern die (bizarre) Situation der selbst diagnostizierten Elektrosensiblen zu veranschaulichen. Wikipedia weiß zur Reportage:

Als Reportage (von lateinisch reportare = berichten, melden) bezeichnet man im Journalismus unterschiedliche Darstellungsformen, bei denen der Autor nicht vom Schreibtisch aus, sondern aus unmittelbarer Anschauung berichtet. In den Druckerzeugnissen steht der Begriff gemeinhin für einen dramaturgisch aufbereiteten (siehe auch Reportagefotografie) Hintergrundbericht, der einen Sachverhalt anhand von konkreten Beispielen, Personen oder deren Schicksalen anschaulich macht. Während Nachricht und Bericht Distanz wahren, geht die Reportage nah heran und gewährt auch Beobachtungen und weiteren Sinneswahrnehmungen ihrer Protagonisten Raum.

Kommentar: Doch welchen Sinn und Zweck hat es, über "Elektrosensible" eine Reportage zu bringen und den unvermeidlichen Peter Kälin einmal mehr als den schweizerischen Warner und Fürsprecher zu Wort kommen zu lassen? Aus meiner Sicht sind solche Reportagen ungewollt auch schädlich, denn sie erwecken den Eindruck, es gäbe "echte" Elektrosensible. Dies ist Wasser auf die Mühlen der nach Anerkennung trachtenden "Elektrosensiblen" doch es entfremdet die Betroffenen von einer hilfreichen psychotherpeutischen Behandlung und treibt sie tiefer in ihre Wahnvorstellungen hinein. Mich interessiert es nicht, wenn "Elektrosensible" sich unter der Erde Krüge mit Wasser und Teller mit Naschsachen reichen, wer will das schon wissen. Der Reporter hätte stattdessen ja auch mal fragen können, welcher der acht "Elektrosensiblen" sich schon einmal einem Test unterzogen hat, wie streng dieser war, welches Resultat herauskam und was die Betroffenen von wissenschaftlichen Tests halten. In einer Situation, in der "Elektrosensible" mit dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn dem Spinnerstigma von Jahr zu Jahr näher rücken und sich im selben Maße von seltenen jedoch tatsächlich diagnostizierbaren körperlichen Krankheiten wie der Xeroderma pigmentosum (Mondscheinkrankheit) entfernen, sollten auch Reporter mMn nicht allein die "Story" im Kopf haben (Ungeheuer vom Loch Ness), sondern ihre Leser verantwortungsbewusst in Richtung einer kritischen Betrachtung der erzählten Geschichte lenken. Wirth tut dies mit dem Hinweis "Heute ist Elektrosensibilität keine anerkannte Krankheit", für meinen Geschmack jedoch viel zu schwach. Solche Artikel sind der Nährboden für irrationale politische Entscheidungen, wie sie vor wenigen Wochen der Ständerat der Schweiz getroffen hat, als er sich knapp gegen eine moderate Lockerung der Anlagegrenzwerte für Mobilfunk-Basisstaionen ausgesprochen hat.

Hintergrund
Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Spinner, Psychotherapie, Protagonisten, Individualtest, Ständerat, Reportage


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