Geschäftsmodell zielgruppenspezifische "Dokumentarfilme" (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 22.03.2018, 22:56 (vor 626 Tagen)

Die Geschäftsidee des deutschen Filmemachers Klaus Scheidsteger, mit Anti-Mobilfunk-Dokumentationen wie "Thank you for Calling" zielgruppenspezifisch die Anti-Mobilfunk-Szene zu adressieren und deren finanzielles Potential anzuzapfen, ist kein Einzelfall. Jean Hêche, verantwortlich für das französische Original der nicht weniger unsäglichen Anti-Mobilfunk-Dokumentation "Das Strahlungskartell" ging noch einen Schritt weiter und finanzierte seinen Film mit einer Spendenkampagne, die immerhin rund 6000 Euro einbrachte. Die DVD des Films wird nun für rund 19 Euro verscherbelt.

Doch das Geschäftsmodell ist nicht auf Mobilfunkgegner beschränkt: Was die Melker der Anti-Mobilfunk-Szene können, können auch Melker der Ufologen-Szene. Dieser Schluss drängte sich mir bei der Lektüre eines Spon-Artikels aus dem Jahr 2013 auf. Hier Auszüge daraus:

Das Wesen wirkt, als sei es einem Science-Fiction-Film entsprungen. Der Schädel übergroß und extrem in die Länge gezogen, die riesigen Augenhöhlen schräg nach oben zeigend, die Gestalt schlank. Wie man sich einen Alien eben so vorstellt.

Doch die Mumie, die 2003 in einem Geisterdorf in der chilenischen Atacama-Wüste gefunden wurde, ist noch aus einem anderen Grund merkwürdig: Sie ist absurd winzig. Nur 13 Zentimeter misst sie in der Länge. Der kleinste Mensch der Welt, Chandra Bahadur Dangi, kommt auf 57 Zentimeter. Neugeborene messen üblicherweise 50, die kleinsten lebensfähigen Frühchen etwas mehr als 20 Zentimeter. Was also war Ata? Ein Außerirdischer oder ein bizarr missgebildeter menschlicher Fötus?

Nach dem Fund verschwand die Leiche zunächst. Sie wurde mehrfach verkauft und landete in Barcelona, wo sie bei einem Ufologen-Kongress Steven Greer in die Hände fiel. Der ehemalige Notarzt sucht nach einem Beweis dafür, dass Außerirdische auf der Erde gelandet sind. In Ata glaubte er ihn gefunden zu haben. Er verkündete, die Mumie wissenschaftlich untersuchen zu lassen und die Ergebnisse in seinem Dokumentarfilm "Sirius" zu präsentieren. Um Forschung und Film zu finanzieren, sammelte er Spenden. [...]
Jetzt sind die Ergebnisse der Untersuchung bekannt. Sie sind eine Enttäuschung für Alien-Gläubige - aber ein Faszinosum für Wissenschaftler. [...]
Den Machern der "Sirius"-Doku war das offenbar nicht genug. Da überrascht es kaum, dass die Ergebnisse der Untersuchungen maximal zehn bruchstückhaft verteilte Minuten im Film ausmachen. Die restlichen eineinhalb Stunden zeigen meist Greer, den muskelbepackten Ufologen: Greer redet vor begeistertem Publikum, schreitet durch ein Regierungsgebäude, trägt eine Pistole am Gürtel, beschwört mit Anhängern in der Wüste Außerirdische. Zwischendurch Generäle, Erdbeben, Kornkreise und eine altindische Kultur, die eine Atombombe gehabt haben soll. Und natürlich viele Ufo-Sichtungen.

Hintergrund
Rätsel um Mumie gelöst: Sie ist ein Erdling (2018)
Desinformation mit Filmen von "Filmemachern"
Mit »Aufklärungsfilmen« die öffentliche Meinung modellieren

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Geschäftsmodell, Hintergrund, Scheidsteger, Filmemacher, Hêche


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