Baufritz verteufelt sogar harmlose Lichtschalter (Allgemein)

spatenpauli @, München, Samstag, 16.12.2017, 20:38 (vor 188 Tagen) @ spatenpauli

Verwerflich ist das Geschäftsmodell von Baufritz deshalb, weil das Unternehmen, um seine Elektrosmogbarriere als Alleinstellungsmerkmal erfolgreich positionieren zu können, ungeniert unbegründete Ängste gegenüber Elektrosmog schürt und unnötige Dienstleistungen wie eine baubiologische Grundstücksuntersuchung anbietet.

Wie inkompetent Baufritz mit Blick auf Elektrosmog ist, belegt exemplarisch folgender Auszug aus der Broschüre Die sichere Elektroinstallation – Schutz vor Elektrosmog:

EnOcean ist eine Funktechnologie, die völlig batterielos arbeitet. Die Energie wird mit effizienteren, kleineren Energiewandlern bereitgestellt. So wird z.B. bei einem Taster lediglich die Energie eines Tastendrucks benötigt, um einen Funkbefehl abzusetzen. Funk-Wandsender reduzieren die Elektrosmog-Belastung im Gebäude deutlich durch nicht mehr vorhandene Kabel. Außerdem haben Funk-Wandsender eine rund einhundert
mal geringere Hochfrequenzemission als konventionelle Lichtschalter.

Konventioneller Lichtschalter: 1.500 W/m²
EnOcean-Schalter: 13 W/m²
Quelle: ECOLOG-Institut (Emissionsbetrachtungen der verwendeten Funksignale – eine vergleichende Studie)

Die EnOcean-Technik ist baubiologisch überzeugend und garantiert mehr Wohlbefinden
durch deutlich weniger Elektrosmog-Belastung und weniger Leitungen in den Wänden.


Für "Elektrosensible" sind dies mörderische Werte, dennoch habe ich noch nie EHS über Lichtschalter klagen hören. Warum nicht? Weil die Werte, die Baufritz dem Ecolog-Institut in die Schuhe schiebt, vollendeter Blödsinn sind. Ein "konventioneller Lichtschalter" emittiert keinerlei gefährliche Hochfrequenz – es sei denn, es gibt ein kommerzielles Interesse, das Gegenteil zu suggerieren. Ein solches Interesse hat die EnOcean Alliance, denn ihre Produkte arbeiten mit Funkwellen. Funkwellen aber haben einen schlechten Ruf und deshalb ersann EnOcean folgende Begründung, die einen EnOcean-Funk-Lichtschalter als den Guten identifiziert und einen gewöhnlichen mechanischen Lichtschalter als Bösen:

Dazu muß man wissen, daß auch konventionelle Schalter aufgrund des Kontaktfunkens elektromagnetische Felder aussenden. Die abgestrahlte Leistungsflußdichte (W/m²) liegt, über den Gesamtfrequenzbereich betrachtet, 100 mal höher als bei Funkschaltern.

Nur um Laien die Angst vor harmlosen EnOcean-Funkschaltern zu nehmen, wird der faktisch noch viel harmlosere Lichtschalter aus dem Baumarkt wegen seines kleinen Kontaktfunkens zum Bösewicht gestempelt. Ich frage mich hingegen, wo die Energie herkommen soll, damit der winzige Kontaktfunken einen Lichtschalter in eine Leistungsflussdichtewolke von 1.500 W/m² hüllen kann. Bei einer 100-W-Glühlampe fließen noch nicht einmal 500 mA! Und die sollen beim Abschalten 1.500 W/m² verursachen? Wer's glaubt wird selig. Vermutlich liegt das Geheimnis auch in der Dauer des Kontaktfunkens, die so kurz ist, dass die schreckliche Emission durch Lichtschalter mit üblicher Messtechnik nicht gemessen werden kann.

Die oben zitierte Behauptung (Dazu muß man wissen ...) findet sich wortgleich haufenweise im Netz, nicht aber die von Baufritz dazu genannten Werte. Dies bedeutet für Baufritz nichts Gutes. Und tatsächlich: Wie sich am Schluss der Recherche herausstellte, haben die Elektrosmog-Experten des Holzhausherstellers ungeschickterweise Mikrowatt mit Watt verwechselt. Da der Unterschied den Faktor 1 Million ausmacht, verbreitet Baufritz mit seiner Broschüre seit Mai 2014, damals entstand das PDF, ohne Wenn & Aber Stuss.

Hintergrund
EnOcean-Technologie für intelligente grüne Gebäude (beachte S. 20)

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Werbung, Inkompetenz, Allianz, Netzwerk, Lichtschalter, Baufritz, Broschüre, EnOcean-Technik


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