Fraunhofer mottet VLC ein (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 14.07.2017, 18:15 (vor 679 Tagen) @ H. Lamarr

Jüngster Aufreger ist ein auf zwei Jahre angesetztes und rund 400 k€ teures VLC-Pilotprojekt, das auf der Bodensee-Insel Mainau gestartet wurde.

Mit einer Jubelmeldung feiert das Faunhofer HHI das Experiment auf der Insel Mainau als "erfolgreich" abgeschlossen – und diverse Mobilfunkgegner feiern mit. Meine Sicht ist eine andere. Da Presse-Informationen mein Fach sind, kann ich aus diesen zuweilen mehr herauslesen als andere, und stelle infolge der Substanzarmut der Meldung fest: Fraunhofer mottet nach meiner Einschätzung das VLC-Projekt jetzt ein und hofft darauf, dass künftig irgendjemand vorbei kommt, der diese Technik gebrauchen kann. Wir werden geraume Zeit nichts Neues von VLC hören und wenn doch, dann nur weitere seichte Jubelmeldungen, die VLC in den Medien halten sollen.

Das Fraunhofer HHI hat es geschickt verstanden, sich der "nützlichen Idioten" unter den Mobilfunkgegnern zu bedienen. Selbst stets distanziert und sachlich, hat das Institut nichts gegen die Desinformation unternommen, die technisch überforderte Mobilfunkgegner öffentlich herumposaunten. Peter Hensinger (Anti-Mobilfunk-Verein Diagnose-Funk) behauptete z.B., Visible Light Communication (VLC) sei "eine Alternative zum gesundheitsschädlichen WLAN". Das ist nicht weniger Humbug als hätte der gelernte Drucker behauptet, Trommeln wäre eine Alternative zu W-Lan. Noch dümmer fantasierte der BUND-KV-Stuttgart: "Bereits 2007 warnte die Europäische Umweltagentur (EEA) und 2011 der Europarat vor den möglichen Gefahren für Kinder durch hochfrequente Strahlung durch WLAN oder Mobilfunk. Mittlerweile steht mit VLC eine technische Alternative zur Verfügung, die diese Bedenken ausräumen könnte." So wie Hensinger und der BUND-Kreisverband trompeteten etliche Mobilfunkgegner ebenso öffentlich wie inkompetent für VLC. Dem Fraunhofer HHI konnte diese Gratiswerbung nur Recht sein, um möglichst viele potentielle Interessenten auf die keineswegs neue Idee der schnellen Datenkommunikation mit Lichtwellen aufmerksam zu machen. Was freilich beim HHI intern hinter vorgehaltener Hand über diese "Beihilfe" der Gegner gesagt wurde, ich kann es mir lebhaft vorstellen, zitierfähig ist es nicht.

Die Nachteile von VLC (siehe Startposting) werden diese, von Hensinger schwärmerisch als "Aufbruch in eine neue Etappe der mobilen Kommunikation" gesehene Technik in spezielle Nischenmärkten abdrängen, die auf der Website des HHI genannt werden. Ein erheblich größeres Marktvolumen könnte das IoT für VLC bedeuten, diese Anwendungen aber wurden auf Mainau gar nicht getestet. Deshalb bleibt das Schicksal von VLC weiter ungewiss, W-Lan wird es mit Sicherheit nicht ersetzen. Aus meiner Sicht ist es ein kapitaler Planungsfehler gewesen, VLC in einem Konferenzraum als Übertragungsmedium zu testen, denn diese Anwendung ist langweilig, technologisch steinzeitlich und technisch seit langem gut gelöst. Ein Test mit IoT-Gerätschaft in einem Smart Home wäre zeitgemäß gewesen und für die Medien auch ohne den Bärendienst der Mobilfunkgegner attraktiv genug, um darüber nicht nur 1-mal, sondern immer wieder einmal zu berichten. Auf Mainau wurde diese Chance verspielt, ob es eine zweite geben wird werden wir sehen.

Hintergrund
Welche Mobilfunkgegner VLC auf den Plan rief

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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