Rindergesundheitsdienst (CH) erfasste Probleme mit Mobilfunk (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 14.08.2016, 20:40 (vor 1218 Tagen)

Der schweizerische Rindergesundheitsdienst (RGD) wurde am 26. Juni 1998 mit der Rechtsform eines Fördervereins in Bern gegründet. Hauptarbeitsgebiete des RGD sind unter anderem die Bestandsdiagnostik im Bereich Eutergesundheit, Fruchtbarkeit und Aufzucht/Mast. Der RGD hat in der Schweiz kein Monopol, es gibt noch andere Anbieter mit vergleichbarem Leistungsangebot.

Die folgende Grafik beruht auf den Geschäftsberichten des RGD. Sie zeigt die Anzahl der Betriebe (Rinderzucht), die wegen Problemen mit ihren Tieren den RGD einschalteten (blaue Kurve). Die rote Kurve nennt die Anzahl der Betriebe, die vermutete Probleme mit Mobilfunk meldeten. Hinweis: Im Jahr 2002 nannte der RGD im Gegensatz zu allen anderen Meldungen keine konkrete Zahl, sondern sprach von "mehreren Betriebsabklärungen im Zusammenhang mit einem vermuteten Einfluss durch nahe stehende Antennenanlagen des Mobilfunks oder der Radiosender". Für die Grafik habe ich "mehrere" mit der Zahl 3 interpretiert.

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Die Grafik bestätigt die Einschätzung von Prof. Hässig (Vetsuisse-Fakultät, Universität Zürich), Mobilfunk und Kriechströme seien in der Landwirtschaft kein wichtiges Problem: Die Problematik scheine in der Öffentlichkeit größer zu sein, als sie wirklich ist, möglicherweise deshalb, weil sich in der Vergangenheit einige wenige betroffene Landwirte wirkungsvoll mediales Gehör verschaffen konnten.

Zwischen 2001 und 2004 erlangte das Thema Mobilfunk für den RGD eine gewisse Relevanz (insgesamt acht Problembetriebe in vier Jahren), einen weiteren kurzen Ausbruch (zwei Betriebe) gab es im Jahr 2009. In 17 Jahren wurde der RGD somit 10-mal wegen vermuteter Probleme mit nahe gelegenen Mobilfunkmasten gerufen. Zum Vergleich: Allein im Jahr 2006 wurde der Dienst 18-mal gerufen weil Rinder Probleme mit dem Euter hatten, 7-mal wegen Fruchtbarkeits- und Stoffwechselprobleme inkl. Klauen und 2-mal zur Analyse der Fütterung im Zusammenhang mit Euterproblemen. Seit 2009 wurden dem RGD keine Probleme mehr mit Mobilfunk gemeldet.

Die starken Schwankungen bei der Anzahl der Problembetriebe haben ökonomische Ursachen. Die Leistungen des RGD sind nicht billig, er verrechnet den besuchten Betrieben annäherungsweise die angefallenen Vollkosten und sah sich daher im Vergleich zu anderen Anbietern chancenlos. Seit Jahresbeginn 2015 ist der Dienst daher wieder (wie zuvor) an die Vetsuisse-Fakultäten Bern und Zürich angegliedert.

Hintergrund
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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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