Wolfgang Maes fälscht sich Zitat von Prof. Eckel zusammen (Berichtigungen)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 15.02.2015, 12:48 (vor 1738 Tagen) @ H. Lamarr

Wer als erster diese Zitatverfälschung begangen hat und zahlreiche Abschreiber fand, habe ich aus Zeitmangel nicht weiter geprüft.

Wenn ein Verdacht an einem nagt, lässt einem das keine Ruhe. Also habe ich mich noch einmal auf die Socken gemacht, um den Verursacher der Zitatverfälschung aufzustöbern. Geholfen hat mir dabei Onkel Google.

Obwohl die Schwäbische Post das Eckel-Interview bereits im Dezember 2006 brachte, blieb es 2007 und 2008 ruhig. Erst 2009 tut sich etwas in der Google-Trefferliste. Ganz oben dort ein alter Bekannter und bereits mehrfach ertappter Zitatverfälscher: der Baubiologe Wolfgang Maes mit einer seiner Zitatesammlungen. Doch was hat die Sammlung "ZITATE DECT" (PDF, 22 Seiten) mit dem Interview von Heyo Eckel zu tun?

Die Antwort ist atemberaubend.

Wolfgang Maes verfälscht darin nicht nur das Eckel-Zitat in der oben im Startposting beschrieben Weise, er fälscht mit Fragmenten aus dem Artikel ein völlig neues Eckel-Zitat zusammen, das dieser nie gesagt hat:

"Der Zellkern verändert sich. Elektromagnetische Felder von Sendemasten und mobilen Telefonen beeinflussen und deformieren den Zellkern. Vergleichbar mit denen von Röntgenstrahlen. Diese Veränderungen sind sicher belegt."

Prof. Dr. Heyo Eckel, Bundesärztekammer, in 'Schwäbische Post' (7. Dezember 2006)

Die Dreistigkeit, mit der sich Herr Maes hier etwas zurecht gebogen hat, ist mMn beispiellos. Er erweckt mit dem gefälschten Zitat den Eindruck, Prof. Eckel halte die Felder von Sendemasten und Handys vergleichbar schädlich wie Röntgenstrahlung.

Tatsächlich hat Prof. Eckel seinerzeit in der Schwäbischen Post auf die Frage "Sie sind ja auch in die Tschernobyl-Problematik eingebunden..." jedoch etwas anderes geantwortet:

"Ja. Und die Schädigungen, die von radioaktiver Strahlung ausgehen, sind identisch mit den Auswirkungen von elektromagnetischen Wellen vergleichbar. Die Schädigungen sind so ähnlich, dass man sie nur schwer unterscheiden kann."

Kein Wort von Sendemasten oder Handys, deren Emission elektromagnetischer Wellen bekanntlich nicht grenzenlos sein darf, sondern durch Grenzwerte auf ein gesundheitsunschädliches Maß gedeckelt ist. Möglicherweise war Eckel 2006 von den Ergebnissen der Wiener/Berliner Reflex-Studie (PDF) inspiriert worden, denn dabei wurde als Positivkontrolle die Genschädigung durch ionisierende Röntgenstrahlung (0,5 Gy) gezeigt. Diese Positivkontrolle begeisterte zwei Mediziner aus dem Mobilfunkgegner-Milieu.

2006 verkündete der Allgemeinarzt Dr. med. Horst Eger, Naila:

"Ein 72-stündiges Telefonat entspricht in etwa der Belastung durch 1000 Röntgenaufnahmen"

Von dieser unqualifizierten Behauptung distanzierten sich allerdings auf Anfrage sowohl der Koordinator der "Reflex"-Studie Prof. Franz Adlkofer als auch der "Atomphysiker" Prof. Klaus Buchner.

Davon unbeeindruckt kramte der Psychotherapeut Dr. med. Markus Kern, Kempten, im Herbst 2013 den unseligen Vergleich mit radioaktiver Strahlung abermals hervor:

Es gibt sie, die Hinweise auf Krebsentstehung. Auf Doppelstrangbrüche. Ja, es gibt sie, die Hinweise auf Stress auf Hitzeschockproteine, die man nachweisen konnte. Man hat menschliche Zellen genommen, und hat sie bestrahlt und konnte tatsächlich feststellen, dass zwischen der Wirkung von radioaktiver Strahlung, deren Wirkung wir mittlerweile relativ gut verstanden haben, und der Strahlung von Handys nahezu nicht unterscheidbar sind.

Richtiger wird die verantwortlungslos in die Welt gesetzte Behauptung dadurch nicht.

Die Zitatfälschung von Wolfgang Maes hat kommerzielle Gründe. Der Baubiologe schürt mit seinen Zitatsammlungen seit vielen Jahren in der Bevölkerung unbegründete Ängste gegenüber elektromagnetischen Wellen. Maes befeuert damit nicht nur sein eigenes Geschäft mit baubiologischen Dienstleistungen, als Verbandsfunktionär (Verband Baubiologie) kümmert er sich ums Wohlergehen der ganzen Branche.

Prof. Heyo Eckel ist mMn vorzuwerfen, dass er der Verfälschung und Fälschung der ihm zugeschriebenen Zitate durch Maes und andere tatenlos zusieht. Mit inzwischen 80 Lebensjahren ist dies verständlich, doch bleibt es so einmal mehr dem IZgMF vorbehalten, den Schmutz aufzuwirbeln, auf dem Mobilfunkgegner ihre Kartenhäuser errichten.

Epilog: Wer sich selbst davon überzeugen möchte, was Prof. Eckel der Schwäbischen Post im Dezember 2006 wirklich erzählt hat, kann sich für noch nicht einmal 50 Cent den Orgiginalartikel kaufen. Wer kein Paypal-Konto hat oder der Geiz-ist-geil-Einstellung fröhnt, kommt auch mit der Sekundärquelle bei Omega-News zum Ziel.

Hintergrund
Zitatfälschungen und Zitatverfälschungen durch Mobilfunkgegner

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Baubiologe, Maes, Eger, Eckel, Zitatverfälschung, Röntgenstrahlung, Verbandsarbeit, Thiede, Junk-Science, Danielewski, Zweckentfremdung


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