Jean-Yves Cendrey: Schproum - Bekenntnisse eines EHS (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 08.10.2013, 01:45 (vor 2777 Tagen)

Eine Fluglotsenassistentin im Ruhestand hat es erwischt, einen emeritierten Literaturprofessor, einen pleite gegangener Kleinunternehmer und eine Richterin aus Augsburg, eine Ärztin aus Bamberg, eine Umweltschutztechnikerin mittleren Alters, einen Sektenchef in der Schweiz, einen gastronomischen Leiter und noch ein paar andere mehr: sie alle sehen sich als "Elektrosensible". Das sind Menschen die vorgeben schwache Funkfelder tausend- bis millionenfach unterhalb der zulässigen Grenzwerte in Form unangenehmer Symptome spüren zu können. Neu hinzugekommen ist ein Schriftsteller, ein in Berlin lebender Franzose, der das jetzt ebenfalls glaubt. Er hat auch gleich das Buch "Schproum" über sein Leiden geschrieben, das zwar erst am 25. November 2013 auf den Markt kommt, im Vorverkauf aber um 3,55 kanadische Dollar günstiger ist und "nur" 26,40 CDN$ kostet. Da können die anderen "Elektrosensiblen" glatt neidisch werden, wie zügig der Neuzugang aus seinem Leiden Kapital schlägt.

Wenn auch die Bayern einst Seite an Seite mit den Franzosen kämpften, was der Jargon "Schproum" bedeutet weiß ich dennoch nicht. Stöbern im www brachte ein paar Übersetzungen hervor, von denen mir "Krawall" (Radau) als die Treffendste erschien.

Nur knapp zwei Jahre nach Ausbruch seiner "Elektrosensibilität", die mMn eine Phobie ist, kommt Jean-Yves Cendrey mit seinem Buch heraus. Ob es ein Welterfolg wird darf bezweifelt werden, in der kleinen Szene der "Betroffenen" wird das Werk jedoch mit Sicherheit auf kolossale Begeisterung stoßen, wäre doch nur nicht diese Sprachhürde. Wir werden vermutlich noch öfter von dem Werk hören, spätestens wenn es eine deutsche Ausgabe geben sollte. Dezent ist nämlich auch bei uns schon die Verkaufsförderung für die Neuerscheinung angelaufen, das Feuilleton der Frankfurter Allgemeine berichtet über den Autor und sein Kunstwerk.

Als Franzose dürfte sich Cendrey seine Elektrosmog-Phobie auf der grauenvollen Website des französische Anti-Elektrosmog-Vereins next-up.org angelesen haben. Er ist jedoch nicht der erste, der die Idee hatte, gepulste Funkwellen in einem literarischen Werk zu verwursten. Bereits 2006 brachte Steven King den Roman Puls heraus, ein apokalyptischer Horror-Roman ganz im Stile der Next-up-Geschichten. Und wer weiß wie Next-up-Chef Serge Sargentini aussieht, der wird beim Anblick von Cendrey ein Déjà-vu erleben.

Cendrey hat sich dem FA-Artikel zufolge eine neue Bleibe in einem Berliner Altbau von 1958 gesucht, angeblich frei von Funkwellen. Bei seiner bisherigen Wohnung störte ihn ein in 100 Meter Abstand errichteter Funkmast. So ein stinknormaler Funkmast hat drei Sektorantennen, auch sechs können es sein. Doch wo Cendrey jetzt wohnt (Berlin, Flatowallee 16) steht in unmittelbarer Nachbarschaft, wahrscheinlich auf dem Dach des Corbusier-Hauses, ein T-Rex unter den Funkmasten, mit 21 Sektorantennen und sieben sonstigen Funkanlagen. So weiß es die EMF-Datenbank der BNetzA.

Nachricht von: "Mob.Kritiker" im hese-Forum

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
EHS-Phobie, EHS-Geschichte, Nachbarschaft, Funkfelder


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