K-Tipp: Der Kluge wohnt nicht neben dem Zuge (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 27.08.2011, 17:17 (vor 2946 Tagen)

Nachfolgend als Zitattexte formatiert ein paar Zeilen aus dem K-Tipp-Artikel Der Kluge wohnt nicht neben dem Zuge (PDF, 2 Seiten) vom 14. Juni 2006. Vorausschicken möchte ich, dass K-Tipp aus meiner Sicht in Elektrosmogfragen kein ernst zu nehmender Ratgeber ist, sondern ein auf Alarm programmiertes pseudoseriöses Werbeblatt für das bereite baubiologische Dienstleistungsspektrum. So, und nun zu dem Textauszug:

Für Baubiologen sind auch diese 1000 Nanotesla noch zu hoch. Sie raten, im Schlafbereich höchstens 20 nT zuzulassen, an Arbeitsplätzen 60 nT.

Soso, Baubiologen raten also ... Und mit welcher Kompetenz sind diese Ratgeber ausgestattet? Ist es nicht eher so, dass die sogenannten baubiologischen Werte, auch was magnetische Wechselfelder anbelangt, willkürlich so tief angesetzt wurden, dass sich stets trefflich alarmieren lässt? Der geschäftliche Aspekt ist hierbei nicht die Schirmung, sie ist bei Magnetfeldern unbezahlbar, sondern die Messung durch den BB, am besten regelmäßig 4-mal pro Jahr, der Vorsorge zuliebe, nicht die Kinder zu vergessen usw. usf. ...

Unzählige Studien belegen das Gesundheitsrisiko von magnetischen Feldern - auch wenn sie schwach sind.

"Unzählige" Studien - das klingt gefährlich ...

Mehrere Untersuchungen zum Einfluss solcher Felder haben ergeben, dass ab einer Dauerbelastung von 200 bis 400 nT das Risiko von Erkrankungen besteht.

Ja was denn nun! Waren es soeben noch "unzählige", sind es jetzt nur noch "mehrere" Studien/Untersuchungen.

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) schreibt:
«Ab einer Langzeitbelastung von 400 Nanotesla besteht möglicherweise ein doppelt so hohes Risiko von Blutkrebs bei Kindern.»

Endlich einmal etwas, was halbwegs stimmt. Aber nur halbwegs. K-Tipp stellt es so dar, als ob die Aussage des Bafu sich auf unzählige/mehrere Studien stützt (passendes bitte raussuchen). Tatsächlich beruht die Aussage über Kinderleukämie unter Magnetfeldeinwirkung im wesentlichen auf einer Arbeit von Schüz et al., die nicht bei 400 nT, sondern schon bei 200 nT (0,2 µT) Hinweise auf ein erhöhtes Leukämierisiko gibt (200 nT werden jedoch nur in wenigen Haushalten erreicht). Die Risikoerhöhung tritt laut Schüz aber nur dann ein, wenn über längere Zeit gemittelt der Wert 0,2 µT erreicht oder überschritten wird, kurzzeitig einwirkende auch erheblich höhere Spitzenwerte haben dagegen keinen Befund ergeben. Wenn K-Tipp deshalb davon spricht, die Mittelung der Messwerte über 24 Stunden sei ein "Trick", dann zeigt das Blatt damit lediglich seine aufs Alarmieren ausgerichtete Orientierung, scharfe Zungen könnten es auch Inkompetenz nennen. Ein paar Details zur Mittelung, die bei Schüz keine arithmetische ist, sondern der Median, finden sich <hier>.

Auf welche Weise die Desinformation von K-Tipp in die Baubiologenszene sickert lässt sich an diesem Beispiel erkennen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Baubiologie, Desinformation, Leukämie, Schüz, Bahnstrom, K-Tipp, Zug


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