Die Scheinheiligkeit in der Mobilfunkdebatte (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 22.05.2011, 15:51 (vor 4212 Tagen)

Am 18. Mai 2011 setzt die Teilnehmerin "Frau R." bei Gigaherz einen Hilferuf ab, sie hatte sich am selben Tag als Teilnehmerin registrieren lassen:

Alle Bienenvölker die wir besitzten (so um die 10 Stk.) sind am "Schwärmen". Die Bienen sind komplett durcheinander! Fliegen aus ihren Kästen und irren wie die Wilden umher.
Vis-à-vis ist die Hemberg Mobilfunkantenne. Wir vermuten, dass da was geändert wurde und es den Bienen nun doch zu extrem wird mit den Strahlen.
Was wenn wir die Bienen nicht halten können. Gar nicht auszudenken.

Hat jemand eine Ahnung ob die Mobilfunkbetreiber die Sendefrequenzen erhöht oder geändert haben?

Danke für Infos.

Alles deutete darauf hin, dass hier jemand, von der Favre-Studie wild gemacht, das Schwärmen seiner Bienen einem Sendemasten anlasten wollte, obwohl Favre doch ein Handy direkt in Bienenstöcke legte.

Ein Teilnehmer "A. Horn" versuche Frau R. zu beruhigen und schrieb:

Gemäss Senderkarte sind Sie etwa 3 Kilometer von den nächsten Mobilfunk-Antennen entfernt. Sie brauchen sich wegen dieser Antennen keine Sorgen machen. Die Studie, die momentan für Aufregung sorgt, geht von einer Vieltausendfach höheren Strahlung aus, als dies bei Ihnen der Fall ist. Was immer Ihre Bienen in Aufruhr versetzt hat, die Sendemasten in Hemberg und Kappel können es nicht gewesen sein.

Eine gute Stunde später korrigierte Frau R.:

Lieber Forums-Gast Horn

die 3 km sind wohl eher 300 m! Sorry...

"A. Horn" ließ sich nicht beirren und versuchte noch einmal, Frau R. zu beruhigen:

[...] auch bei nur 300 Meter müssen Sie sich keine Sorgen machen, dann sind Sie nicht Vieltausendfach, sondern nur Tausendfach unter den Werten, bei denen die Schweizer Bienenstudie von D. Favre Aufruhr bei Bienen meldet.

Die 3 Kilometer beziehen sich auf den Eintrag von Toggenburg, so wie ihn Google Maps zeigt. Das ist dann recht genau in der Mitte zwischen Hemberg und Kappel.

Frau R. reagierte darauf ob der wiederholten Widerrede nun schon sichtlich ungehalten:

Lieber Gast Horn

Rechnen ist woll kaum ihre Stärke.
Zuerst mit 3 Km dann mit dem Tausendfach.
Zudem mit dem Standort Hemberg, da ist nämlich die Antenne mitten im Dorf .

Zufälligerweise haben wir echte Messwerte (Herrn Jakob sei Dank).
Das mit den Sorgen können sie den vielen Krebstoten im Dorf erzählen.
Wissen sie Herr Horn wir brauchen keine Studie wir haben echte und eigene Erfahrungen (Missbildungen,Todesfälle.........).

Ihnen scheinen ja die Bienen auch nicht sonderlich wichtig zu sein. Nur wie heisst es doch so schön: ohne Bienen kein Leben und wenn; gem. Einstein...nach 4 Jahren auch keine Menschen mehr.

Der Rest der Geschichte ist dann weniger aufregend, jeder kann sie bei Gigaherz zuende lesen.

Worauf ich hinaus will: Frau R. ist keineswegs so ahnungslos, wie es in ihrem Startposting den Anschein hat. Sie gibt sich dort als Ratsuchende, der plötzlich ein Unglück widerfahren ist, etwas hilflos wirkend wird Mobilfunk als Verursacher eingebracht. Klingt nach Landpomeranze. Tatsächlich aber ist Frau R. längst überzeugte Sendemastengegnerin, hat alles mögliche an Desinformation wie ein trockener Schwamm aufgesaugt und möglicherweise Hans-U. Jakob persönlich zum Messen ins Haus einbestellt. Das wären immerhin 240 km Fahrtstrecke für den alten Herrn (einfach) und dürfte nicht ganz billig gewesen sein. Denkbar ist auch: Herr Jakob hat auf Provisionsbasis einen günstiger gelegenen Kollegen (Baubiologen) zu Frau R. geschickt.

Wie üblich werden natürlich keine Messwerte publiziert, wahrscheinlich weil sie unattraktiv klein sind. Denn der Sender ist horizontal zwar relativ nahe (270 Meter), die Kirche mit dem Sender im Turm steht jedoch auf einer Anhöhe, fast 40 Meter über dem Bodenniveau bei Frau R's Anwesen! Und wie fast immer bei Mobilfunkdiskussionen, so ist auch Frau R. nicht einfach nur emsige Bürgerin, sondern sie ist selbstständig und hat eine Praxis. Da ist es prinzipiell günstig, sich als Alarmgeber in einer bürgerbewegenden Angelegenheit hin und wieder in Stellung zu bringen.

Auch der Ort Hemberg, in dem sich das alles abspielt - er hat weit und breit nur diese eine an bestmöglicher Stelle untergebrachte Antenne - ist keineswegs ein so verschlafenes Nest, wie es scheint. Alleswisser Jakob pumpte dort via Gigaherz die übliche Desinformation in die Gemeinde und als die ersten überzeugten Funkopfer sich einer esoterischen Problemlösung anvertrauten, bastelte Jakob daraus das absurd anmutende Komplott von Hemberg. Jetzt, rund vier Jahre später, kreuzt Frau R. auf und will, so wirkt es auf mich, die inzwischen erloschene Glut mit untauglichen Mitteln neu entfachen und Herr Jakob ist mit neuen abstrusen Überlegungen zur Stelle.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Bienensterben, Favre


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