Relativierung der Risiken durch die Tabakindustrie (Forschung)

Doris @, Sonntag, 11.10.2009, 21:27 (vor 3712 Tagen) @ Kuddel

Ich sehe es auch so, daß die Zigarettenindustrie mehrer starke Motive hat.
Da wäre zum einen die Relativierung der "Krebsgefahr" durch das Rauchen.

Es ging nicht nur um die Relativierung der "Krebsgefahr", sondern im gleichen Ausmaß um koronare Herzerkrankungen, die in Verbindung mit Rauchen eine sehr bedeutende Rolle spielen. Die EMF, die Spur die Sektor3 verfolgt, war ein Thema, aber eben durch evtl. Krebserkrankung auch ein ungeklärtes in weiter Ferne liegendes. Cholesterin war eines der "Ablenkkungsthemen" und deshalb findet sich (nicht nur) in den Tabakunterlagen auch etliches dazu. (wuff verwies ja auch schon auf "Butter"). Allerdings sollte man sich nicht so an der Zahl der gefundenen Dokumente festmachen, da ist ganz vieles doppelt oder hat nicht unbedingt was mit dem Thema zu tun. So reduzieren sich auch die EMF, auf die spatenpauli verwies, schon mal auf mehr als die Hälfte, sobald der Suchbegriff auf "electromagnetic fields" mit Anführungszeichen eingegrenzt wird. Wie sagte spatenpauli sinngemäß. Mobilfunkkritik ist eine sehr mühselige und zeitaufwändige Arbeit, wenn man sich das "Wissen" erarbeitet und nicht nur nachplappert.

Auch "Radon" war ein bekanntes Ablenkungsthema. Nichts anderes erleben wir bei der Handydiskussion. Auch hier werden evtl. Risiken in Relation zu anderen und auch altäglichen Gefahren des Lebens gestellt.

Als viel stärkeres Motiv sehe ich das Buhlen um das begrenzte Taschengeld der Jugendlichen, welche in den letzten Jahren einen immer größeren Anteil in den Mobilfunk steckten und damit in zunehmendem Maße die potentiellen Umsätze der übrigen Genußmittelindustrie schmälerten.

Das sehen nicht nur Sie so. Im Jahre 2000 gab es eine Studie, veröffentlicht im BMJ "Are mobile phones reducing Teenage smoking?".'(diesen Suchbegriff in die Tabakdokumente eingegeben, fördert auch noch ein paar Sachen zu Tage). Dieses Papier wurde natürlich auch per "Rundmail" versandt , allen voran Maura Payne. Und das mögliche Krebsrisiko durch Handys wurde damals schon thematisiert. Seth W. Moskowitz, dem Sprecher von Reynolds, war wohl nichts zu lächerlich um vom Krebs durch Rauchen abzulenken.
Ablenkung und Relativierung war tatsächlich Thema, aber die Bedeutung der EMF waren meiner Recherche nach zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht das Thema Nr. 1. Aber eigentlich konnte man in den 90er Jahren ja auch nicht das Ausmaß des Handywahns erkennen und konnte sich nicht nur auf eine Sache verlassen. Aber die "EMF" waren für die Tabakindustrie ein willkommenes Thema. (da gibt es in den Dokumenten noch weiteres, unter dem Suchbegriff "electromagnetic fields" and "passive smoking")
Übrigens, der Studie aus dem Jahre 2000 dass Handys die Jugendlichen vom Rauchen abhält wurde anscheinend 2003 durch eine finnische Forschergruppe widersprochen.

Solange keine Fakten auf dem Tisch sind, sprich keine Fakten "zu sehen sind", wird alles mögliche diskutiert und spekuliert.

Was ich schon glaube, ist, dass junge Menschen am Anfang der Pubertät sich aufgrund ihres vorhandenen Budgets schon überlegen müssen, für was sie ihr Geld ausgeben möchten und auch können. Und beides, Rauchen und Handytelefonieren, sind teure Süchte. Beides können sich die wenigsten exzessiv leisten.
Bei meinen Söhnen ist es so, dass der Große raucht und deshalb sehr wenig telefoniert, weil er neben seinen anderen Hobbys einfach für Mobilfunk das wenigste Geld ausgeben kann und auch möchte. In der Klasse meines 16-jährigen rauchen wohl nur 2 oder 3 und eine Umfrage hat mal ergeben, dass die fast alle den größten Teil ihres Taschengeldes eben fürs Handy ausgeben, da sie es bereits zu einem Zeitpunkt hatten, als sie noch wenig andere Hobbys hatten und sich dadurch eben auch eine gewisse Gewohnheit/Sucht entwickelt hat. Je später Jugendliche Handys haben, desto vernünftiger gehen sie wohl damit um.

Mobilfunk sehe ich übrigens ebenso als Genußmittel wie das Rauchen. Lebensnotwendig ist er nicht, ein gewisses Suchtpotential hat er ebenfalls und möglicherweise auch ein mehr oder weniger großes Schadpotential, sowohl gesundheitlich, als auch psychisch durch die damit verbundene Informationsflut, welche unter gewissen Umständen Streß hervorrufen kann.

sehe ich auch so.

Daß Verum von der Zigarettenindustrie finanziert wurde und bei Reflex sehr wahrscheinlich manipuliert wurde, ist ein Indiz für den Eingriff der Zigarettenindustrie bei der Erforschung der gesundheitlichen Auswirkungen des Mobilfunks, das Ganze ist aber eben kein Beweis, daß es weitere derartige Fälle gibt

ich finde es schön, dass Sie es mal auf den Punkt gebracht haben und die Sache m.E. objektiv sehen.

und auch nicht, daß die bestehenden SAR Grenzwerte von Mobilfunkstrahlung wirklich 100%ig "sicher" sind.

Richtig, auch das sollte einfach mal gesagt sein.
Gerade bei Radon, ebenfalls als Ablenkungsforschung, (siehe hier, Seite 5).
könnte man es dann der Tabakindustrie ja danken, dass sie mithalfen zu den aktuellen Erkentnnisse zu kommen.

(Und den Elektrosensiblen ist es nicht zu verübeln, dass sie sich bestätigt fühlen in ihrer Kritik an den diversehen Studien, wenn sie als weiterer Punkt der Ablenkungsstrategie "psychische Faktoren" lesen).

Wir werden sehen, wohin das Ganze führen wird.

[Hinweis Moderator: *** aus Rechtsgründen editiert am 14.08.10]

Tags:
Risiko, Tabak, Lungenkrebs, Tabakindustrie, Radon, Ablenkungsforschung, Lobby, Moskowitz


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