Reflex-Replikation: Details vom Schär-Vortrag in Davos (Forschung)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 30.06.2009, 23:01 (vor 4369 Tagen) @ H. Lamarr

Wir bemühen uns um weitere Informationen in dieser wichtigen Angelegenheit.

Entsprechende Anfragen gingen an Prof. Franz Adlkofer und an die FGF raus. Für die FGF antwortete Dr. Frank Gollnick, dessen aufschlussreiche Antwort wir hier mit seiner Zustimmung im Wortlaut wiedergeben.


Sehr geehrter Herr Schall,

in der entsprechenden Sitzung zu den Ergebnissen des schweizer NFP 57 war ich mit dabei und ich kann bestätigen, dass Herr Schär im HF-Teil der REFLEX-Replikation nur in wenigen der etlichen getesteten Parameterkombinationen (verschiedene Leistungsflussdichten, CW/gepulst, verschiedene Zelllinien) "very slight" oder "slight" effects (also sehr leichte oder leichte Effekte) gesehen hat. Dagegen fand er im ELF-Bereich in 3/4 der getesteten Zelllinien Effekte. Herr Schär führte dann die unter HF-Befeldung gefundenen bzw. nicht gefundenen Effekte zur Übersicht in einer kleinen Tabelle zusammen und kam für sich zu dem klaren Schluss, dass die in seinem Labor erzielte Evidenz unter dem Strich nicht ausreicht, um insgesamt von einem eindeutigen Effekt der HF-Felder auf das getestete Zellmaterial sprechen zu können. Damit hat er den HF-Teil der Ergebnisse aus dem Wiener REFLEX-Labor in der Tat nicht replizieren können.

Er betrachte daher diesen Teil seiner HF-Forschung für abgeschlossen und wird sich in der Zukunft (mit anderen Methoden) der weiteren Erforschung und Absicherung der seiner Ansicht nach vorhandenen ELF-Effekte widmen, und dies nur noch in Fibroblasten (Bindegewebszellen, bei denen auch in Wien die stärksten Effekte beobachtet wurden). Hier hat er bereits festgestellt, dass G1-Zellzyklusphasen-synchronisierte Zellen den Effekt verlieren, der in nicht synchronisierten Zellen gefundenen wurde. Dies ist für ihn ein Hinweis darauf, dass die ELF-Effekte "etwas mit einem Problem bei der DNA-Synthese zu tun haben müssen". Er stellte sich nach seinen Untersuchungen also klar gegen die Möglichkeit einer direkten Auslösung von DNA-Strangbrüchen durch die Einwirkung schwacher HF-Felder.

Die in diesem Zusammenhang beschränkte Einsatzmöglichkeit des COMET-Assays machte Schär gleich zu Anfang seiner Präsentation in einer vorweggenommenen "provokativen Conclusion" (bezogen auf HF und ELF) klar, in dem er sinngemäß sagte: "EMF makes no DNA damage, but EMF makes some biological effect that looks like DNA damage in the COMET assay. So, COMET is not the right thing to look on EMF effects." ("EMF verursacht keine DNA-Schäden, aber EMF bewirkt irgendeinen biologischen Effekt, der im COMET-Assay wie eine DNA-Schädigung aussieht. Daher ist der COMET-Assay nicht das richtige Mittel, um nach EMF-Effekten zu suchen.") Bei den Effekten meinte er dabei wohl hauptsächlich die für ihn evidenten ELF-Effekte und weniger die vernachlässigbaren HF-Effekte.

Die Sitzung zum schweizer NFP 57 war nicht öffentlich, aber für jeden Teilnehmer der BEMS-Tagung auf einfache Anmeldung hin frei zugänglich. Bild- und Tonaufnahmen während der Sitzung waren aber strikt untersagt. Daher gibt es bislang keinerlei Reproduktionen der gezeigten Vortragspräsentationen, sondern nur persönliche Protokolle. Die Veranstalter sagten aber zu, die Präsentationen "so bald wie möglich und mit Zustimmung der Referenten" auf den Internetseiten des schweizer NFP 57 zu veröffentlichen.

Zu Ihrer Frage, warum das, was Schär mündlich vorgetragen hat, nicht im gedruckten Abstract seines Vortrags wiederzufinden ist:
Ich halte Herrn Schär aus persönlichen Gesprächen für einen äußerst ernsthaften, vorsichtigen und zudem hochkarätigen Wissenschaftler, der es gern vermeidet einen falschen oder zu frühen Schritt zu tun. Er macht lieber noch ein, zwei interne Replikationen eines Ergebnisses mehr, bevor er sich bei diesem Ergebnis wirklich sicher fühlt. So ist es vielleicht zu erklären, dass man so lange auf seine "REFLEX-Replikation" in schriftlicher Form warten muss und dass das genannte Ergebnis in seinem Abstract noch nicht zu finden ist. Womöglich war er sich Anfang Januar, als die Abstracts eingereicht werden mussten, immer noch nicht ganz sicher. Ich kenne ihn so, dass er wirklich um die Wahrheit in dem Forschungsfeld ringt, in dem er gerade untersucht, und dass er keine voreiligen Schlüsse ziehen möchte. Ich halte es daher für legitim, dass man auf die erste schriftliche Aussage von ihm bis zur entsprechenden peer-reviewed Publikation oder bis zum Abschlussbericht im entsprechenden Forschungsprogramm warten muss.

Viele Grüße
Frank Gollnick

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Dr. Frank Gollnick
Biologe, Wissenschaftlicher Berater
Forschungsgemeinschaft Funk e.V. (FGF)
Rathausgasse 11a
D-53111 Bonn

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
FGF, Gollnick, Schär, Adlkofer, Comet-Assay, NFP 57, BEMS, DNA-Strangbrüche, HF-Exposition, Davos, Mikrokern


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