S. Sohmer: 2 (3) Studien und 1 kapitaler Irrtum (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Freitag, 26.12.2008, 22:41 (vor 4518 Tagen) @ H. Lamarr

Und hier bezieht sich Suzanne Sohmer selbst auf Ihr Leiden:

... Ich nehme an, Sie haben noch nie in Ihrem Leben eine Tetanie gehabt, Herr Herrmann, und wissen daher auch gar nicht wovon ich rede: Erst fangen die Finger an zu kribbeln, Hände und Füße schlafen ein, die Finger bringen Sie kaum noch auf, dann fangen die Muskeln in den Beinen an zu krampfen, alle Muskeln zittern und krampfen, schließlich auch das Zwerchfell - und wenn dann der Notarzt noch nicht in der Tür steht, wird es verdammt eng.

Dass die Calcium-Ionen tatsächlich vermindert sind, lässt sich ohne Aufwand im Labor nachweisen. Dass dieser nachweisbare Abfall des Calcium-Spiegels tatsächlich durch hochfrequente Strahlung induziert wird, habe ich in unzähligen unfreiwilligen Selbstversuchen erfahren müssen - geglaubt habe ich es erst, nachdem ich es in der wissenschaftlichen Literatur (Adey et. al. [1982,], Blackman et. al.[1988]) nachgelesen habe.

So weit so gut. Aber ...

Ich habe mir die zitierten Studien einmal etwas genauer angesehen. Adey hat 1982 zwei Studien über den Einfluss von Hochfrequenzfeldern auf den Kalizium-Haushalt gemacht:

1) Effects of weak amplitude-modulated microwave fields on calcium efflux from awake cat cerebral cortex

Bei dieser Studie ging es um Auswirkungen von schwachen amplitudenmodulierten Mikrowellenfeldern auf den Calcium-Ausstrom im cerebralen Cortex bei wachen Katzen.

Exponiert wurde mit 30 W/m² (= 3 mW/cm²) bei 450 MHz. Diese Exposition ist weit über Grenzwert und von den Frequenzen des GSM-Mobilfunks in Deutschland weit entfernt.

2) Low frequency amplitude modulated microwave fields change calcium efflux rates from synaptosomes

Untersucht wurde, inwieweit niederfrequente, amplitudenmodulierte Mikrowellen-Felder die Calcium-Efflux-Raten bei Synaptosomen verändern.

Exponiert wurde mit 5 W/m² (= 0,5 mW/cm²) bei 450 MHz. Diese Exposition ist ebenfalls über Grenzwert und von den Frequenzen des GSM-Mobilfunks in Deutschland weit entfernt.


Blackman untersuchte Kalziumausflüsse 1988 federführend mit nur einer Studie, nämlich den Einfluss elektromagnetischer Felder auf den Efflux von Calcium-Ionen aus Hirngewebe in vitro.

Influence of electromagnetic fields on the efflux of calcium ions from brain tissue in vitro: a three-model analysis consistent with the frequency response up to 510 Hz

Bei dieser Studie wurde nicht mit Hochfrequenz exponiert, sondern mit Niederfrequenz (1 bis 510 Hz) bei einer elektrischen Feldstärke von 150 mV/cm und einer magnetischen Flussdichte von 69 nT. Da keinerlei Zusammenhang mit Hochfrequenz besteht, habe ich mir nicht die Mühe gemacht, die Exposition in Bezug auf die zulässigen Grenzwerte zu setzen.

Fazit: Frau Sohmer bezieht sich in der Begründung Ihrer ES auf Studien, die entweder mit einer HF-Befeldung oberhalb der zulässigen Grenzwerte arbeiteten oder mit Hochfrequenz - nur darüber klagt Frau Sohmer - überhaupt nichts zu tun haben. Es erscheint mir sehr fragwürdig, eine extreme Elektrosensibilität, die angeblich schon bei wenigen nW/m² zu Beschwerden führt, ausgerechnet mit solchen Studien zu begründen, die mit millionenfach stärkeren Feldern auf anderen Frequenzen (als beim Mobilfunk) gearbeitet haben oder aber völlig abwegig sind, weil sie allein eine NF-Belastung untersuchen und keine HF-Belastung. Möglicherweise haben Adey und Blackman im fraglichen Zeitraum noch weitere Studien angefertigt, von denen das EMF-Portal nichts weiß. Dies halte ich jedoch für unwahrscheinlich, wenn Frau Sohmer es besser weiß, sollte Sie sich tunlichst dazu erklären, um dem Vorwurf das Wasser abzugraben, Sie würde ihr Leiden mit Studien begründen, die in Ihrem Sinne freilich überhaupt nichts hergeben, weil sie nicht wie erwartet für Sie, sondern klar gegen Sie sprechen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
, NF, Tetanie, Glaubenskrieger, Irrtum, Oberammergau, Calcium, Sohmer, Blackman, Kribbeln, Adey, Intensivität


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