Wie die Katze um den heißen Brei (Allgemein)

Kuddel, Freitag, 03.08.2007, 17:44 (vor 5000 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von Kuddel, Freitag, 03.08.2007, 19:39

Zu 1) Schnurlose Telefone nach DECT-Standard stellen oft die stärkste Quelle hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung in privaten Haushalten dar.


Das hängt von der Entfernung zum DECT ab. Wenn man sich bei dieser Aussage auf einen Radius von 2 Meter um die DECT -Basis beschränkt und obendrein die Puls-Spitzenleistung und nicht den Mittelwert betrachtet, ist das sicher richtig. Mit der Entfernung zur DECT-Basis fällt jedoch das Strahlungsniveau schnell ab, während ein durch das Fenster einfallendes Mobilfunksignal innerhalb des Raumes nahezu konstant bleibt.
Ich denke in vielen städtischen Wohnungen ist es wie bei mir: Am zur DECT-Basis entgegengesetzten Ende des Raumes ist die Mobilfunkbasis bereits stärker, als die DECT Basis.

Die Basisstation eines DECT Systems sendet auch im Standby ein in der Leistung unvermindertes Kontrollsignal aus und trägt somit ständig zur Exposition der Bewohner bei.

Das gilt auch für WLAN-Router. Diese geben alle 100ms (10Hz) einen Impuls ab.
Trotzdem wird hierfür bisher nicht "das technisch Machbare" von der Industrie gefordert.

Weitgehend unabhängig vom tatsächlichen Abstand zwischen Mobilteil und Basisstation arbeiten zudem beide Geräte während eines Telefongesprächs immer mit der vollen Sendeleistung, die üblicherweise für eine Verbindungsentfernung von 300m im Freien ausgelegt ist.

Das trifft nur für einen Teil der Geräte zu. Die Geräte eines großen Herstellers und auch einiger kleinerer Hersteller haben schon seit mehr als 10 Jahren eine entfernungsabhängige Leistungsreduktion im Mobilteil.

Unabhängig vom jeweiligen Standard fordert das BfS für alle funkbasierten Technologien, dass im Sinne eines vorsorgenden Strahlenschutzes technische Möglichkeiten zur Expositionsminimierung konsequent genutzt werden.

Zu 2) Das Kriterium zur Mindestabsenkung des Sendesignals orientiert sich am technisch Machbaren. Es ist alternativ zur Abschaltung des Kontrollsignals im Standby-Betrieb zu verstehen. Die Orientierung am technisch Machbaren ist eine übliche Vorgehensweise bei der Definition von Kriterien für Umweltlabel wie z.B. den "Blauen Engel".

Halten wir fest: Für funkbasierende Technologien orientiert sich das BfS am technisch Machbaren...
Die Funkfeld-Dosis spielt keine Rolle.

Wer bestimmt beim BFS, was technisch machbar ist (100.000-fache Absenkung) ?

Von einer DECT Basis im Ruhezustand werden vom BFS um mehr als 1 Milliardenfach -fach (MT am Kopf gegen DECT Basis in 1Meter)geringere Werte gefordert, als von einem Mobiltelefon, weil es technisch machbar ist. Daß in praktisch jedem Haushalt in Deutschland die Funkstrahlung von Radio, Fernsehen und Mobilfunk um weit mehr als Faktor 100 größer ist als der geforderte Wert, spielt keine Rolle.

Zitat BFS-Seite zur Prüfung von Handgepäck Sicherheitskontrollen mit Röntgengeräten
=> Die Prüfungsergebnisse müssen belegen,
dass im Umfeld der Anlage, in dem sich Beschäftigte oder andere Dritte aufhalten können, auch bei dauerhaftem Aufenthalt der Grenzwert der zulässigen Jahresdosis für eine Einzelperson der Bevölkerung von einem Millisievert (1 mSv, Schwangere und Kinder eingeschlossen) nicht überschritten wird.

Für Röntgenstrahlung also feste Grenzwerte für Schwangere...:confused:

Ebenso bei natürlicher Radioaktivität bei Mineralwasser:
Zitat:Von Mineralwässern geht aus strahlenhygienischer Sicht keine Gesundheitsgefahr aus. Aus Vorsorgegründen sollte aber der Dosisrichtwert für Trinkwasser von 0,1 mSv/Jahr nicht dauerhaft überschritten werden.

Für Radioaktivität auch feste Grenzwerte.... :confused:

Wieso orientiert sich das BFS bei Funkwellen (trotz nicht nachgewiesener Schädlichkeit) am "technisch machbaren", aber bei bewiesenermaßen schädlicher Röntgenstrahlung (siehe hier) an festen Grenzwerten ?

Wo bleibt der vom BFS vertretene "Grenzwert" für Schwangere bei Funkfeldern ?

Unsere Wasserwerke (und auch die Lebensmittelindustrie) halten sich bezüglich der Schadstoffe im Trinkwasser (z.B. Nitratgehalt)auch nicht an das technisch Machbare. Sie halten sich an Grenzwerte, obwohl "technisch" einiges mehr "machbar" wäre.

Zitat BFS:
Die von Ihnen wiedergegebene Kritik einer angeblichen überproportionalen Gewichtung des Themas im Vergleich zu den anderen Aufgabengebieten des BfS teile ich nicht. Sie spiegelt vielmehr das öffentliche Interesse an diesem Thema wider und zeigt, dass das BfS das Bedürfnis nach Information ernst nimmt.

Ich habe den Eindruck, dass das BFS sich beim Thema Funkwellen (mangels objektiver Kritieren) um eine Grenzwertpositionierung drückt und deshalb im Gegensatz zu den festen Grenzwerten bei anderen Strahlungsquellen für Funkwellen der Einfachheit halber "das technisch Machbare" fordert, um dem "öffentlichen Interesse" (der Mobilfunkkritiker) entgegenzukommen.

Zitat Wikipedia:
Populismus... bezeichnet politische Strömungen bzw. Politiker, die vereinfachende, sich auf Stimmungen (Emotionen) beziehende Parolen und Aktionen zur Lösung akuter Probleme anbieten.

Kuddel

Tags:
DECT, BfS, W-LAN, Spitzenwert, Mittelwert, WLAN-Router, Populismus, Blauer Engel, Expositionsminimierung


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