Kein Sendemast in Ochsenhausen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 09.02.2007, 00:06 (vor 5841 Tagen) @ Marianne

Daß bei mehreren Sendern die Leistung niedriger geschalten wird, glaube ich keinesfalls.

Ich versuche mal, das Prinzip zellularer Netze zu erklären, ohne mich allzusehr in Details (Sektorantennen, Rundstrahler, Füllsender) zu verirren:

Mobilfunk (GSM) beruht heute darauf, dass das zu versorgende Gebiet in Funkzellen aufgeteilt wird (zellulares Netz). Über so eine Funkzelle lassen sich typischerweise maximal rd. 30 Handy-Gespräche gleichzeitig abwickeln. Wollen mehr Leute telefonieren, bekommen diese keine Verbindung - sie müssen warten und der Betreiber verdient kein Geld. Häuft sich diese Situation bei einer Funkzelle, wird der Betreiber die Zelle in mehrere kleinere Zellen aufteilen (z. B. zwei oder drei), in denen dann wiederum jeweils bis zu 30 Gespräche gleichzeitig abgewickelt werden können. Wird eine große Zelle in drei kleine aufgeteilt (statt 1 Mast jetzt 3 Masten), steigt die Gesprächskapazität also von 30 auf 90 Gespräche.

Jetzt ist es aber so, dass Funkzellen sich möglichst wenig überlappen sollen, denn in solchen Grenzbereichen kommt es gerne zu Verbindungsstörungen, zu so genannten Interferenzstörungen, da die Handys hier die Signale unterschiedlicher Basisstationen in etwa gleich stark empfangen. Ein Betreiber hat daher großes Interesse daran, die Überlappung von Funkzellen möglichst klein zu halten. Auf obiges Beispiel bezogen bedeutet dies, dass besagte drei Sendemasten nur noch deutlich kleinere Gebiete ausleuchten dürfen! Die Betonung liegt hier auf dürfen, denn es wäre für die Versorgungsqualität schädlich, wenn ein Betreiber sich nicht um Interferenzen kümmern würde und alle drei Masten zum Ärger von Anrainern mit der vollen Sendeleistung des ursprünglichen (einzelnen) Masten arbeiten ließe. Alle drei Masten müssen daher mit einer geringeren Sendeleistung betrieben werden, als zuvor der einzelne Mast. Dies müsste sich am ursprünglichen Mast messtechnisch auch leicht nachweisen lassen: sobald die neuen Funkzellen in Betrieb gehen, sollte an diesem Masten die Funkfeldbelastung der Anrainer spürbar geringer werden.

Ich will versuchen, mal einen Netzplaner zu befragen, inwieweit das oben beschriebene Szenario in der Praxis zutreffend ist - oder ob es bei Sonderfällen (z. B. Ersatz von 1 x Rundstrahler gegen 3 x Sektorantenne) nicht zum Tragen kommt. Das Thema scheint mir jedenfalls sehr wichtig zu sein, da hier ein ziemlich großes Informationsgefälle herrscht.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Interferenzstörung


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