Funkwende: Pressekonferenz in der Bundespressekonferenz (Allgemein)

H. Lamarr, München, (vor 3 Tagen) @ H. Lamarr

Der Name verpflichtet. Wer mit dem Kampfnamen "Kompetenzinitiative" in den Ring steigt, muss klappern. Die KOI klappert deshalb seit ihrer Gründung gerne und häufig mit den akademischen Titeln ihrer Frontleute und manchmal auch mit den Zähnen. Im Zusammenhang mit der ominösen Funkwende klappert der Verein ungeniert mit dem Prestige der Bundespressekonferenz, Berlin.

Sonst mehr an Hinterzimmer von Gastwirtschaften gewöhnt, plant die sogenannte Kompetenzinitiative für ihr Projekt Funkwende den großen Auftritt. Anlässlich der Klageeinreichung am Verwaltungsgericht Berlin will der Verein eine "Pressekonferenz in der Bundespressekonferenz" veranstalten, um auf sich und das Projekt aufmerksam zu machen. Im Original lautet die Ankündigung:

Vorbereitung und Durchführung einer Pressekonferenz in der Bundespressekonferenz zum Einreichungstermin;

Uijuijuijui!

Wenn das mal gut geht.

Jetzt aber geht es nicht um Inhalte, sondern um die seltsame Formulierung "Pressekonferenz in der Bundespressekonferenz". Offensichtlich will die KOI die Welle der angesehenen Bundespressekonferenz surfen und hofft damit ihre schrullige Funkwende für Otto Normalverbraucher aufzuwerten.

Die Bundespressekonferenz

Die Bundespressekonferenz (BPK) in Berlin kennen wir aus dem Fernsehen, wenn Regierungsvertreter Journalisten Rede und Antwort stehen. Je nach Thema ist der Saal mit den eindrucksvollen Panoramafenstern dann brechend voll oder deprimierend leer. Doch wer jetzt glaubt, die Bundespressekonferenz werde von der deutschen Bundesregierung veranstaltet, der irrt sich. Denn das Format gehört den Hauptstadtjournalisten, die sich in dem Verein "Die Bundespressekonferenz e.V." organisiert haben. Häufig zitiert bedeutet das: Nicht die Regierung lädt die Presse ein – sondern, die Presse lädt die Regierung ein. Gelegentlich lädt der Verein auch andere Gäste ein, etwa Oppositionspolitiker, Behördenvertreter, Wissenschaftler oder Verbandsvertreter.

Im Haus der Bundespressekonferenz gibt es neben dem bekannten Pressesaal der Bundespressekonferenz ein Tagungszentrum, das nicht zur Bundespressekonferenz gehört. Dort können externe Veranstalter Räume mieten. Nach Angaben des Tagungszentrums stehen sechs variable Konferenzräume (bis 160 Personen) sowie zwei kleinere Tagungsräume zur Verfügung. Außerdem weist die BPK selbst ausdrücklich darauf hin, dass Pressekonferenzen im Tagungszentrum keine Bundespressekonferenzen sind.

Mit großer Sicherheit hat die Pressekonferenz der "Kompetenzinitiative" mit der BPK nichts zu tun, weil sie wahrscheinlich im Tagungszentrum stattfindet, also lediglich im Gebäude der BPK. Sollte dies zutreffen, die Formulierung der "Kompetenzinitiative" von der "Pressekonferenz in der Bundespressekonferenz" ist irgendwo zwischen inkompetent und irreführend oder angeberisch einzuordnen.

Unternehmen oder Vereine wie die "Kompetenzinitiative" können die Regierungspressekonferenz nicht nutzen. Sie können lediglich im Haus der Bundespressekonferenz eigene Pressekonferenzen veranstalten oder – in Ausnahmefällen – als Gäste zu einer gesonderten BPK-Veranstaltung eingeladen werden.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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