Quarks 5G-Experiment bringt Mobilfunkgegner zum Schäumen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 30.04.2021, 14:26 (vor 144 Tagen)

Die WDR-Sendung Quarks vom 24. April 2021 (Video abrufbar bis 24.04.2022) vollzieht ein bekanntes Experiment, das den Nocebo-Effekt veranschaulicht. In einer Halle wurde dazu ein mit allerlei Antennen bestückter Funkmast errichtet, dessen Kabel jedoch ins Leere führten. Per Zeitungsannonce wurden Probanden akquiriert, denen erzählt wurde, sie sollten Bewegungsabläufe vollziehen, die elektronisch erfasst und per Funk an eine Auswertungsstelle übertragen werden. Ein versteckt am vermeintlichen Funkmasten montierter Lautsprecher erzeugte ein unangenehmes Geräusch, ähnlich dem von semiprofessionellen Elektrosmog-Messgeräten. Näherte sich ein Proband den Antennen, wurde das Geräusch lauter.

Einem Teil der Probanden erzählte zu Beginn des Experiments ein Arzt etwas über gesundheitlich negative Folgen einer 5G-Befeldung. Eine Schein-Probandin in dieser Gruppe zog daraufhin demonstrativ aus Besorgnis heraus ihre Teilnahme zurück und zuletzt mussten die Teilnehmer dieser Gruppe noch einen Haftungsausschluss des WDR unterschreiben. Dem anderen Teil der Gruppe wurde keine Angst gegenüber 5G eingejagt. Danach mussten alle Teilnehmer vor den Antennen Bewegungsabläufe vorturnen und anschließend mit einem Fragebogen über ihr Befinden während des Experiments Auskunft geben. Wie zu erwarten gab es Unterschiede, die gezielt verängstigten Teilnehmer fühlten sich müder und unruhiger als die unbeeinflusste Vergleichsgruppe.

Szene aus dem Quarks-Experiment mit einem vermeintlichen 5G-Funkmast.
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Bild: WDR

Der Versuchsleiter stellte am Ende ausdrücklich fest, das Experiment erhebe nicht den Anspruch, wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen, es zeige lediglich einen Trend.

Das Experiment bestätigt frühere ähnliche Untersuchungen, die auf wissenschaftlichem Niveau stattfanden, und erklärt schlüssig die grundlegende Wirkungsweise des Geschäftsmodells organisierter Mobilfunkgegner: Zuerst mit mehr oder weniger abstrusen Behauptungen über die Gesundheitsgefahren der Mobilfunktechnik irrationale Ängste in Teilen der Bevölkerung wecken oder schüren und anschließend als "Erlöser" auftreten. Angstmacher und Erlöser können dabei dieselben Personen sein, müssen aber nicht. Und die Erlöser müssen keineswegs allein Verkäufer von allerlei unnötigen "Schutzmaßnahmen" gegen Elektrosmog sein, sie treten z.B. auch als Berater, Anbieter von Messungen, Rechtsbeistände oder politische Hardliner in Erscheinung. Nicht alle Erlöser sind unseriös, wenngleich alle von den Angstmachern profitieren. Größte Vorsicht ihnen gegenüber ist immer dann angesagt, wenn Angstmacher und Erlöser den Acker gemeinsam pflügen, ein Anti-Mobilfunk-Verein also beispielsweise mit Baubiologen oder niedergelassenen Umweltmedizinern ungeniert kooperiert.

Es liegt auf der Hand: Mobilfunkgegner müssen das Quarks-Experiment als Bedrohung ihrer Interessen wahrnehmen und daher versuchen, es zu entwerten. So wundert es nicht, dass die Sendung im Gigaherz-Forum kritisiert wird. Zur Sache wissen die empörten Kritiker allerdings nichts Konkretes zu sagen, sie bleiben auf der Ebene des allgemeinen Blabla mit pauschalen Universalvorwürfen.

Eva Weber (überzeugte "Elektrosensible"): "So etwas Blödes muss man gesehen haben. Und das soll Wissenschaft sein. TOLL!!" [...] Jedenfalls kann man, hat man diesen Quarks-Bericht gesehen, berechtigte Zweifel an der Wissenschaftssendung des WDR haben. Armseliger geht es nicht mehr!"

► "Beobachter" (anonymer Reichsbedenkenträger im GHz-Forum): "Viel Quark für 5G im ARD".

► "schilte6i" (im GHz-Forum sporadisch auftretende Meckerliese): "[...] Hauptsache, die emotional aufgeladenen und wissenschaftlich völlig wertlosen Bilder stützen die dringend benötigte Entwarnung. Ein auf 30 Minuten ausgewalzter Gratis-Werbespot für Big Mobile, sonst nichts."

Quarks ist eine öffentlich-rechtliche Medienmarke des Westdeutschen Rundfunks für wissenschaftsjournalistische Formate. Kern bildet das gleichnamige wöchentliche Fernsehmagazin. Daneben gibt es eine werktägliche Radiosendung bei WDR5, mehrere Podcasts (Daily Quarks, Story Quarks) sowie ein Online-News- und Wissensportal (Quarks.de) mit reichweitenstarken Social-Media-Kanälen. Die Redaktion von Quarks arbeitet mit Universitäten und Wissenschaftlern zusammen. Quarks ist eines der erfolgreichsten wissenschaftlichen Magazine im deutschen Fernsehen (Quelle).

Hintergrund
Medienberichte erzeugen "Betroffene" (2012)

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Geschäftsmodell, Angst, Nocebo, Experiment, Geschäftemacher, WDR, Probanden, 5G, Quarks, Lobbyorganisation

Einbahnstraße: Wilfried Kühling vs. Quarks

H. Lamarr @, München, Sonntag, 11.07.2021, 16:05 (vor 72 Tagen) @ H. Lamarr

Die WDR-Sendung Quarks vom 24. April 2021 (Video abrufbar bis 24.04.2022) vollzieht ein bekanntes Experiment, das den Nocebo-Effekt veranschaulicht.

Die oben verlinkte Quarks-Sendung vom 24. April 2021 inspirierte Wilfried Kühling (ehemals BUND) zu einer 9-seitigen Kritik, die von der sogenannten Kompetenzinitiative und von dem Stuttgarter Verein Diagnose-Funk am 11. Juni 2021 veröffentlicht wurde. Wann Kühling seine Kritik an den WDR schickte ist unbekannt, denn sein Brief trägt kein Datum.

Offener Brief: Spielwiese für Selbstdarsteller

Kühling wählte für seine Beanstandungen die Form eines "Offenen Briefes". Dies deutet darauf hin, dass es ihm weniger um den Inhalt seiner Kritik geht, als um die günstige Gelegenheit zur Selbstdarstellung in der Anti-Mobilfunk-Szene.

Ein typisches Merkmal Offener Briefe aus der Anti-Mobilfunk-Szene ist der Umstand, dass sie ohne Antwort (Entgegnung) im Internet herumstehen und die Autoren in ein günstiges Licht tauchen. Dafür gibt es zwei Gründe:

► der Adressat antwortet nicht, weil er sich von den Autoren des Offenen Briefs belästigt fühlt.
► der Adressat antwortet, die Autoren des Offenen Briefes zeigen jedoch kein Interesse, sich ihre Selbstdarstellung durch die Veröffentlichung von Gegenargumenten zerkratzen zu lassen.

Kühling gehört zur zweiten Kategorie. Er bekam Antwort von der Quarks-Redaktion, veröffentlichte deren Inhalt (bislang) jedoch nicht.

Um Kühlings Versäumnis nachzuholen fragte ich bei der Quarks-Redaktion an, ob diese mir ihre Antwort aushändigen mögen, um die Waage zwischen Anklage und Verteidigung wieder ins Lot zu bringen. Quarks aber lehnte mein Ansinnen ab und spekulierte darauf, Kühling selbst würde vielleicht die Antwort der Redaktion veröffentlichen. Das war am 25. Juni. Noch am selben Tag schrieb ich Kühling an und fragte, ob bzw. wann er gedenke, die Antwort der Redaktion ins Internet zu stellen und ob er mir die Antwort vielleicht zuleiten könne. Doch der Ex-BUNDler zeigt mir die kalte Schulter, schweigt und hat meines Wissens die Antwort der Quarks-Redaktion bis heute nicht veröffentlicht.

Fazit

Der Trick, sich mit Offenen Briefen ins rechte Licht zu setzen, funktioniert. Selbst dann, wenn der oder die Autoren Antwort erhalten. Denn mutmaßlich aus Gründen eines überzogenen Datenschutzes wagen es Adressaten Offener Briefe nicht, ihre Antwort selbst zu veröffentlichen oder Dritten dafür zu überlassen. Sie müssen notgedrungen darauf hoffen, dass ihre Kontrahenten die Veröffentlichung übernehmen, was nach dem Einholen einer Erlaubnis auch rechtens wäre. Halten die Autoren Offener Briefe die Veröffentlichung einer Antwort jedoch zurück, bleibt die Ausgewogenheit zwischen Anklage und Verteidigung auf der Strecke. Die Beklagte, hier die Quarks-Redaktion, sitzt also wegen Selbstfesselung per se am kürzeren Hebel, wenn den Autoren Offener Briefe ihre ungetrübte Selbstdarstellung wichtiger ist als die Ausgewogenheit der Argumente.

Da ich dies für falsch halte, versuchte ich mit zwei weiteren E-Mails, die Quarker umzustimmen. Ohne Erfolg. Anscheinend in die Kategorie "lästiger Quälgeist" eingestuft, bekam ich von der Redaktion auf meine Fragen keine Antwort mehr :-(.

Die "Rache" von Quarks

Die "Rache" von Quarks für Kühlings Nörgeleien folgte bereits am 4. Mai 2021, also wahrscheinlich noch bevor Kühling seinen Offenen Brief fertig getippt hatte. Mit der Sendung 5G: Schnelles Netz mit Nebenwirkungen? wird die Anti-Mobilfunk-Szene abermals stark provoziert. Dieser Doppelschlag überforderte die Gegenseite. Die jüngere Sendung blieb in den Foren der Szene ungeschoren und der WDR erhielt auch keinen weiteren Offenen Brief von einem, der sein Profil in der Szene polieren wollte.

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Ko-Ini, WDR, Kühling, Quarks, Offener Brief, Raumplaner, SUPER-WIR

Einbahnstraße: Selbststigmatisierung "Elektrosensibler"

H. Lamarr @, München, Montag, 12.07.2021, 14:17 (vor 71 Tagen) @ H. Lamarr

Ein typisches Merkmal Offener Briefe aus der Anti-Mobilfunk-Szene ist der Umstand, dass sie ohne Antwort (Entgegnung) im Internet herumstehen und die Autoren in ein günstiges Licht tauchen. Dafür gibt es zwei Gründe:

► der Adressat antwortet nicht, weil er sich von den Autoren des Offenen Briefs belästigt fühlt.
► der Adressat antwortet, die Autoren des Offenen Briefes zeigen jedoch kein Interesse, sich ihre Selbstdarstellung durch die Veröffentlichung von Gegenargumenten zerkratzen zu lassen.

Zur ersten Kategorie gehört z.B. der Verein "Weiße Zone Rhön", der die Interessen einer handvoll "Elektrosensibler" vertritt. Mit vorwurfsvollen Offenen Briefen terrorisiert der Verein bevorzugt Autoritäten der Politik, zuletzt am 15. Juni 2021 die "grüne" Kanzlerkandidation Annalena Baerbock. Doch auch dieser Versuch des Vereins, private Probleme der Vereinsmitglieder auf politischer Ebene zu sozialisieren, scheiterte bislang, denn Baerbock hat bekanntlich derzeit andere Sorgen, als sich um die Befindlichkeiten einer winzig kleinen gesellschaftlichen Randgruppe zu kümmern. Heißt: Bis 8. Juli 2021 wartete der Verein vergeblich auf Antwort aus Baerbocks Wahlkampfbüro, nicht einmal ein ebenso freundlicher wie nichtssagender Standardbrief kam aus Berlin in die Provinz. Das genannte Datum nennt der enttäuschte Verein auf seiner Website. Hin und wieder wird es aktualisiert, möglicherweise glaubt der Verein in Verkennung seiner Bedeutung, damit Handlungsdruck auf das Wahlkampfbüro ausüben zu können.

Für die These der Selbstdarstellung spricht, dass die Verfasser unbeantworteter Offener Briefe aus dem Schweigen der Adressaten nichts lernen, sondern unbelehrbar weiter machen. So präsentiert der Verein auf seiner Website einen nervtötenden Offenen Brief vom 29. September 2020 an gleich vier deutsche Bundesminister. Da Antwort ausblieb, ermahnte der Verein seine Opfer am 7. Januar 2021 auf denkbar unglückliche Weise, sich eines Besseren zu besinnen. Erst als auch dieser Ermahnung der Erfolg versagt blieb, hörte der Verein auf, sein Versagen weiter zu dokumentieren. Allerdings nur, um ein paar Monate später seine Erfolglosigkeit erneut zur Schau zu stellen, diesmal mit Baerbock. Dieses Vorgehen erinnert an eine (allerdings gestellt wirkende) Szene aus dem Film "Die lustige Welt der Tiere". Auf der Suche nach Nahrung hebt ein Affe einen Stein hoch und fällt vor Schreck in Ohnmacht, als sich darunter eine Schlange kringelt. So weit, so gut. Doch wieder erwacht, schaut der Affe erneut unter denselben Stein und fällt noch zwei weitere Mal in Ohnmacht, bis er kapiert hat, dass er diesen Stein besser in Ruhe lassen sollte.

Auch der Verein für Elektrosensible, München, glaubt mit dem stumpfen Schwert des Offenen Briefs eifrig herumfuchteln zu müssen, um sich als heldenhafter Kämpfer für die Belange "Elektrosensibler" zu inszenieren. Wenn ich die Trefferliste richtig ausgewertet habe, will sich dem kampfbereiten weißen Ritter jedoch partout kein schwarzer Ritter in den Weg stellen, es bleibt deshalb auch bei diesem Verein allein die (unglückliche) Selbstdarstellung als vermeintlicher Erfolg der langweiligen, vorwurfsvollen und stellenweise aufdringlichen Briefe übrig. Wer anspruchslos ist, gibt sich freilich schon damit zufrieden und verkennt, welch abschreckende Wirkung das öde Geschreibsel außerhalb der Echokammern der Autoren hat.

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Tags:
EHS, Selbstdarstellung, Geltungsdrang, Stigmatisierung, Echokammer, Offener Brief

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