Frankreich protokolliert Immissionszuwachs durch 5G (Technik)

H. Lamarr @, München, Freitag, 19.03.2021, 00:26 (vor 622 Tagen)

Frankreichs Nationale Funknetzagentur (ANFR) installiert Messsonden in Mulhouse (Mülhausen), um im Rahmen der kommerziellen Verbreitung von 5G-Antennen die Veränderungen der öffentlichen Funkimmission zu überwachen. Die Messungen haben das Ziel, Daten über die Immissionsentwicklung zu sammeln. Aktuelle Messdaten lassen sich über das Internet in Echtzeit von jedermann abrufen. Mulhouse ist nach Marseille, Nantes, Paris und Bordeaux die fünfte Stadt in Frankreich, die mit diesen Messsonden ausgestattet wird.

Die ANFR hat in Zusammenarbeit mit der Stadt Mulhouse drei Messsonden installiert, um Veränderungen der Exposition zu protokollieren. Diese vom Labor Exem hergestellten Breitbandsonden messen etwa zehnmal am Tag die Funkimmission im Frequenzbereich von 80 MHz bis 6 GHz. Dieser Frequenzbereich umfasst UKW-Radio, digitales terrestrisches Fernsehen, Wi-Fi und alle Mobiltelefontechniken.

Die Messsonden wurden in stark frequentierten Bereichen der Stadt installiert, in etwa 100 Metern Abstand zu Mobilfunkstandorten, die 5G-Antennen aufnehmen sollen. Gemessen wird periodisch alle 2,4 Stunden über einen Zeitraum von 6 Minuten hinweg.

Die Messdaten aller Messsonden können auf dieser Website nach Auswahl der gewünschten Stadt abgerufen werden. Der folgende Screenshot zeigt die Messdaten für den Zeitraum vom 11. März bis zum 18. März 2021 für Marseille. Zusätzlich zu der Grafik werden (im Bild nicht sichtbar) numerisch die minimal gemessene Feldstärke genannt (1,05 V/m), die mittlere (1,47 V/m) und die maximale (2,06 V/m).

Immissionsdaten einer Messsonde in Marseille. Tagsüber ist die Immission etwa doppelt so hoch wie in den Nachtstunden.
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In Frankreich sind momentan 29'012 5G-Funksysteme (Antennen) genehmigt und zum Teil in Betrieb:

16'893 im 2,1-GHz-Band
16'338 im 3,5-GHz-Band
15'781 im 700-MHz-Band

Hinzu kommen 72'430 2G-Antennen, 164'837 3G-Antennen und 260'553 4G-Antennen.

Von diesen insgesamt 526'832 Antennen in Frankreich und seinen ausländischen Besitzungen sind 66'121 genehmigt oder im Bau, 13'308 sind errichtet aber noch nicht am Netz und 447'403 sind in Betrieb.

Quelle: 5G à Mulhouse – l’ANFR installe des capteurs pour mesurer l’évolution de l’exposition aux ondes

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Paris mit 5G: Vorsorgewert von 5 V/m wird weit unterschritten

H. Lamarr @, München, Samstag, 20.03.2021, 15:44 (vor 620 Tagen) @ H. Lamarr

In Frankreich sind momentan 29'012 5G-Funksysteme (Antennen) genehmigt und zum Teil in Betrieb:

16'893 im 2,1-GHz-Band
16'338 im 3,5-GHz-Band
15'781 im 700-MHz-Band

Hinzu kommen 72'430 2G-Antennen, 164'837 3G-Antennen und 260'553 4G-Antennen.

Von diesen insgesamt 526'832 Antennen in Frankreich und seinen ausländischen Besitzungen sind 66'121 genehmigt oder im Bau, 13'308 sind errichtet aber noch nicht am Netz und 447'403 sind in Betrieb.

Frequenzblöcke im 700-MHz-Band wurden in Frankreich bereits 2015 versteigert, die Auktion für das 3,4-GHz- bis 3,8-GHz-Band brachte im September 2020 rd. 2,8 Mrd. Euro ein. Glaubt man diesem Bericht, hat Frankreich für die Vergabe von 5G-Lizenzen einen anderen Weg gewählt als Deutschland oder Italien, wo stärker auf die Maximierung der Einnahmen gesetzt wurde. Die Regulierungsbehörde Arcep (Autorité de régulation des communications électroniques et des postes), die die Auktion durchgeführt hat, wollte ausdrücklich verhindern, dass sehr hohe Gebote die Fähigkeit der Bieter zu investieren zu stark beschneiden.

Die Messsonden, mit denen in französischen Städten die Immissionsveränderung infolge 5G protokolliert wird, wurden gemäß ANFR bereits im März 2020 in Nantes und Marseille in Betrieb genommen und in der Nähe von 5G-Antennen getestet. Seit dem 13. November 2020 gibt es die Sonden auch in Paris und seit dem 8. Dezember 2020 in Bordeaux. Im Laufe der kommenden Monate will die ANFR weitere Städte in die Überwachung aufnehmen.

Paris seit 19. März 2021 mit 5G im 3,5-GHz-Band

In Paris wurde 5G nach Auskunft der ANFR am 19. März 2021 in Betrieb genommen, aller Wahrscheinlichkeit nach sind damit Funkmasten im Frequenzbereich 3,4 GHz bis 3,8 GHz gemeint, denn auf niedrigeren Frequenzen ist 5G in Frankreich schon länger in Betrieb.

Am Starttag waren in Paris 1'222 Mobilfunkstandorte mit 5G genehmigt, 364 davon waren technisch betriebsbereit.

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Neue Pariser Mobilfunk-Charta verabschiedet

Der 5G-Inbetriebnahme in Paris vorausgegangen war im Februar 2021 die Einigung der französischen Hauptstadt mit den Mobilfunknetzbetreibern auf eine neue 21 Empfehlungen umfassende Pariser Mobilfunk-Charta. Die zuletzt 2017 für Paris ausgehandelte Senkung des Vorsorgewerts von 7 V/m auf 5 V/m (indoor, gemittelt über 24 Stunden), hat weiter Gültigkeit.

Unspektakuläre Messwerte der zehn Pariser Messsonden

Welche Immission die derzeit zehn Messsonden in Paris messen kann man sich <hier> ansehen. Die gemittelten Messwerte sind samt und sonders belanglos niedrig (< 2 V/m) und keine der Sonden zeigte nach dem 19. März eine nennenswerte Immissionsveränderung gegenüber älteren Messungen. Unklar ist allerdins, ob die Sonden bereits im Nahfeld eines 5G-Breitband-Standorts messen und unter welchen Bedingen sie dies tun (z.B. Montagehöhe einer Sonde). Alles deutet momentan jedoch darauf hin, dass die von Mobilfunkgegnern angekündigte extrem starke Exposition der Bevölkerung durch 5G nur eines der szenetypischen Schauermärchen ist. Mobilfunkgegner orientieren sich gerne an dramatischen Spitzenwerten einer Immission, auch wenn diese nur Sekundenbruchteile andauern. Maßgebend für die Immission sind jedoch wegen der Thermoregulation von Menschen seit eh und je zeitlich gemittelte Messwerte. Die Messsonden erfassen ständig die Immission, mitteln die Messwerte über 6 Minuten hinweg und geben daher pro Stunde zehn Ergebnisse aus.

Wer Zweifel hat kann ab jetzt regelmäßig auf der verlinkten Seite nachschauen, ob und wie sich die gemessenen Immissionen im Verlauf der 5G-Netzverdichtung verändern. Da die Immission stark von der Tageszeit abhängt empfiehlt es sich, Vergleiche stets zum gleichen Zeitpunkt anzustellen.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
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Rennes startet 3,5-GHz-5G auf 42 Standorten

H. Lamarr @, München, Samstag, 03.04.2021, 22:17 (vor 606 Tagen) @ H. Lamarr

Diese Woche hat das 5G-Zeitalter auf 3,5 GHz auch in der französischen Metropole Rennes begonnen. Genehmigt sind zum Start 77 5G-Standorte in der bretonischen Hauptstadt, nach Auskunft der Netzbetreiber sind 42 davon technisch betriebsbereit.

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Immissionszuwachs durch 5G: Langzeitbeobachtung

H. Lamarr @, München, Dienstag, 20.04.2021, 21:39 (vor 589 Tagen) @ H. Lamarr

Die Messdaten aller Messsonden können auf dieser Website nach Auswahl der gewünschten Stadt abgerufen werden. Der folgende Screenshot zeigt die Messdaten für den Zeitraum vom 11. März bis zum 18. März 2021 für Marseille. Zusätzlich zu der Grafik werden (im Bild nicht sichtbar) numerisch die minimal gemessene Feldstärke genannt (1,05 V/m), die mittlere (1,47 V/m) und die maximale (2,06 V/m).

Immissionsdaten einer Messsonde in Marseille. Tagsüber ist die Immission etwa doppelt so hoch wie in den Nachtstunden.
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Die Standardeinstellung für die Grafik ist der Zeitraum von 1 Woche. Damit aber sind keine langfristigen Trends zu erkennen, die z.B. auf einem langsamen Anstieg der Immission beruhen. Die Anzeige kann aber mehr, auch wenn dies auf Anhieb nicht ersichtlich ist.

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Die beiden oben im Bild gelb markierten Datumsfelder sind nämlich Eingabefelder, man kann dort auch rückwirkend das Datum ändern. Allerdings nicht beliebig, denn über mehr als fünf Monate hinweg lassen sich Immissionen derzeit nicht betrachten. Erkennbar ist dies an den unten im Bild gelb markierten Eckwerten, die mit dem oben erkennbaren von mir eingetragenen Wunschzeitraum nicht viel zu tun haben.

Wer hinter der Begrenzung des Zeitfensters auf maximal fünf Monate einen bösen Trick der ANFR vermutet, mit dem aufschlussreiche Langzeitbeobachtungen verhindert werden sollen, liegt mutmaßlich falsch. Denn die tatsächliche Erklärung, warum die Grafik nicht bis 1. September 2020 zurück reicht ist banal: Die Messsonde, deren Messwerte hier abgebildet werden, wurde erst am 13. November 2020 in Paris in Betrieb genommen. Dies erfährt man im Original links neben der Grafik. Leider ist ein Direkt-Link zum Original technisch nicht möglich. Ob die Begrenzung des sichtbaren Zeitfensters auf maximal fünf Monate tatsächlich gegeben ist, lässt sich heute am 20. April 2021 noch nicht verbindlich sagen, weil die Abszisse nicht taggenau anzeigt. In ein paar Tagen sollte diese Unsicherheit beseitigt sein, wenn sich dann mehr als fünf Monate abbilden lassen. Da die Immissionsanzeige mMn nur über lange Zeiträume hinweg sinnvoll (aussagekräftig) ist, gehe ich davon aus, dass die momentan gegebene Begrenzung ein Artefakt ist, welches der Inbetriebnahme der Sonde am 13. November 2020 geschuldet ist.

Wenn Paris tatsächlich erst seit 19. März 2021 mit ersten 5G-Antennen im 3,5-GHz-Band versorgt wird, ist dies in der Grafik oben nicht erkennbar. Dafür sehe ich zwei mögliche Gründe:

► Die Immission durch adaptive 5G-Antennen erhöht den Immissionspegel bei weitem nicht so stark, wie uns selbsternannte Experten und Besserwisser weis machen wollen.
► Die hier betrachtete Messsonde im Zentrum von Paris (5 Rue de Berri, 8th Arrondissement of Paris, 75008 Paris) erfasst bis heute noch keine der am Starttag in Paris zugelassenen weit mehr als 1000 3,5-GHz-5G-Antennen.

Nicht zu vergessen ist: In Paris gilt seit 2017 der Vorsorgewert 5 V/m (indoor, gemittelt über 24 Stunden).

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Paris könnte Schweizer Immissionshochstapler stoppen

H. Lamarr @, München, Dienstag, 20.04.2021, 22:59 (vor 589 Tagen) @ H. Lamarr

Wenn Paris tatsächlich erst seit 19. März 2021 mit ersten 5G-Antennen im 3,5-GHz-Band versorgt wird, ist dies in der Grafik oben nicht erkennbar. Dafür sehe ich zwei mögliche Gründe:

► Die Immission durch adaptive 5G-Antennen erhöht den Immissionspegel bei weitem nicht so stark, wie uns selbsternannte Experten und Besserwisser weis machen wollen.
► Die hier betrachtete Messsonde im Zentrum von Paris (5 Rue de Berri, 8th Arrondissement of Paris, 75008 Paris) erfasst bis heute noch keine der am Starttag in Paris zugelassenen weit mehr als 1000 3,5-GHz-5G-Antennen.

Nicht zu vergessen ist: In Paris gilt seit 2017 der Vorsorgewert 5 V/m (indoor, gemittelt über 24 Stunden).

Für Anti-Mobilfunk-Hetzer in der Schweiz könnten die Pariser Messsonden zu einem Problem werden. Denn von den gegenwärtig zehn in der französischen Hauptstadt installierten Messsonden sind sieben in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs Gare de Lyon installiert (Bild).

Am Bahnhof Gare de Lyon lauern sieben Messsonden auf 5G-Funksignale.
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Bild: ANFR

Aus nahe liegenden Gründen ist eben dort auch mit einer bevorzugten Versorgung mit adaptiven 5G-Antennen zu rechnen. Wenn sich nun herausstellen sollte, dass die sieben Messsonden nach dem 19. März 2021 keine sprunghafte Zunahme der (über 6 Minuten gemittelten) Immissionen registriert haben, dann bringt dieser erste greifbare Langzeitbeleg für reale Immissionen im Wirkungsbereich von adaptiven 5G-Antennen die Immissionshochstapler der Mobilfunkgegner, die von einem bis zu 1000-fachem Immissionsanstieg fabulierten, wahrscheinlich arg ins Trudeln.

Zur Abwehr dieser harten Fakten werden sie sich mutmaßlich auf die Immissionsspitzen adaptiver Antennen stürzen, die aber a) Laien nicht so einfach zu vermitteln sind, b) Hochstapler deshalb zu mehr oder weniger dämliche Anschauungsbeispiele zwingt (z.B. Ohrfeige vs. Streicheln) und c) einige Hochstapler selbst vor große Rätsel stellt. Die Grafiken aus Paris sind hingegen für jeden selbsterklärend: 5G kam, strahlte und die Messsonden blieben dennoch äußerst gelassen.

Um sich nicht zu blamieren müsste vor so einem Angriff auf Immissionshochstapler natürlich gewährleistet sein, dass sich um den besagten Hauptbahnhof herum etliche 3,5-GHz-5G-Standorte befinden, deren Signale von den Messsonden empfangbar sind. Dies sollte mit der französischen Senderkarte gelingen, macht aber viel Arbeit. Ich selbst werde Schweizer Immissionshochstaplern nicht an den Karren fahren, meine Prioritäten liegen gegenwärtig ganz woanders.

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– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Frankreich: 5G muss jetzt auch in Orléans Farbe bekennen

H. Lamarr @, München, Samstag, 18.09.2021, 23:02 (vor 438 Tagen) @ H. Lamarr

Frankreichs Nationale Funknetzagentur (ANFR) installiert Messsonden in Mulhouse (Mülhausen), um im Rahmen der kommerziellen Verbreitung von 5G-Antennen die Veränderungen der öffentlichen Funkimmission zu überwachen.

Am 17. September 2021 teilte die ANFR mit, in Zusammenarbeit mit der Stadt Orléans würden nun auch dort Messsonden montiert, um die Entwicklung der Funkexposition der Bevölkerung anlässlich der Einführung von 5G zu überwachen. Außerdem wird eine Messkampagne an 85 gemeinsam mit der Stadt festgelegten Messpunkten organisiert, um die Auswirkungen der 5G-Technik auf die Gesamtexposition der Öffentlichkeit zu erfassen. weiter ...

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