Geschäftsmodell Verschwörungen (1) (Allgemein)

Gast, Freitag, 24.05.2019, 07:18 (vor 204 Tagen)

Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Das Geschäft mit den Verschwörungstheorien boomt. Esoterische Geschäftsleute setzen sie ganz bewusst und professionell ein, zusammen mit NLP und Rhetorik in ihrem Marketing-Mix. Manche auch nur aus Verzweiflung, weil sie insolvent sind oder keinen anderen Weg mehr sehen auf sich aufmerksam zu machen.

Verschwörungstheorien wie Chemtrails, 11. September 2001, gesteuerte Massenmedien, jüdische Weltverschwörung oder Neue Weltordnung sind nicht nur in der rechten Szene schon länger angesagt. Verschwörungstheorien haben oft einen sehr eingängigen Aspekt, der nach einer intensiven und differenzierten Auseinandersetzung mit der jeweiligen Theorie verlangt. Leider sind die Anhänger nicht dazu bereit und vertrauen weiterhin den skurrilen Informationsquellen im Internet. So funktioniert das Geschäftsmodell. Was haben prominente Menschen davon diese Geheimnisse in einem esoterischen Kontext in die Welt zu tragen? Oder wem nutzt es – Cui bono? Sie signalisieren den Anhängern dieser seltsamen Theorien, dass sie auch daran glauben und zur gleichen Gruppe von Insidern und Geheimnisträgern gehören. Das verbindet. Die Konzerte, Vorträge und Seminare sind besser besucht, die Verkäufe steigen. Wie so oft geht es ganz banal um die Kohle. Immer wieder trifft man bei den Verbreitern dieser gruseligen Theorien auf Menschen mit Geldproblemen, von denen einige Insolvenzen hinter sich haben. Fast alle haben sich verzockt mit Steuer sparenden Bauherrnmodellen in den neuen Bundesländern, Solarparks, Aktien und Fonds etc. und sind danach in obskure Esoterikbotschaften abgetaucht. Schuld sind natürlich immer die anderen, nicht die eigene Gier oder das Vergnügen beim Steuersparen. Viele der Schauspieler, Kabarettisten, Moderatoren oder Politiker sind als öffentliche Person mit der Zeit nicht mehr so angesagt; um den Lebensstil beizubehalten, müssen sie etwas nachhelfen. Manche entscheiden sich fürs Dschungelcamp, andere für Verschwörungstheorien. Jede dieser Varianten kann die mediale Präsenz erhöhen. Lisa Fitz geht auf Nummer sicher und macht beides. Weiter ...

Tags:
Verschwörungstheorie, Geschäftsmodell, Wellness, Kommerz, Chemtrails, Reichsbürger, Insolvenz, Kongress, Viralmarketing

Geschäftsmodell Verschwörungen (2)

Gast, Freitag, 24.05.2019, 07:20 (vor 204 Tagen) @ Gast

Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Mit Verschwörungstheorien und brauner Esoterik lässt sich gut Geld verdienen. Gerade für Prominente, die in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen drohen, ist es oft der letzte Strohhalm. So treffen sich in dieser Szene, zwischen Esoterik und Verschwörungstheorie, auffällig viele Menschen mit Geldproblemen.

Ein anderer, der aus diesem Trend ein funktionierendes Geschäftsmodell entwickelt hat, ist Heiko Schrang. Früher lebte er vom Verkauf von Immobilien und Versicherungen. Jetzt schreibt er Bücher über Verschwörungstheorien, betreibt einen rechten Internetkanal mit Blog und hält Vorträge. Er sympathisiert mit den Reichsbürgern, bedient fast alle gängigen Verschwörungstheorien und weigert sich die GEZ Gebühren zu zahlen, was ich aus völlig anderen Gründen durchaus nachvollziehen kann. Sein postfaktisches Handbuch für Verschwörungstheorien „Die Jahrhundertlüge….“ verkauft sich sehr gut und ist angeblich schon bei der 10. Auflage angekommen. In seinem Blog beschreibt er, wie das SEK der Landespolizei einen wehrlosen Reichsbürger abknallt, was exemplarisch für die ganze Szene ist: man behauptet und viele glauben die Geschichte, obwohl es rein faktisch exakt umgekehrt war. Und genau mit diesem Heiko Schrang trifft sich jetzt die Kabarettistin Lisa Fitz vor laufender Kamera und outet sich als Fan seines Bestsellers. Man ist sich darüber einig, dass es in Deutschland keine echte Pressefreiheit gibt und dass die armen Russen von unseren Mainstreammedien immer nur schlecht gemacht werden. Ein ähnliches Interview hat die gute Lisa Fitz kurz zuvor dem von Russland finanzierten Internet-Sender RT Deutsch gegeben. Dafür dass sie in einem russischen Sender sagt, dass es in Deutschland keine echte Pressefreiheit gibt, wird sie von der rechten Szene gefeiert, gelobt und oft zitiert. Begriffe wie postfaktisch und rechtspopulistisch beschreiben Lisa Fitz ziemlich gut. Natürlich sollte man sich seine Meinung zu Russland nicht nur aus der Springerpresse holen; auf der anderen Seite ist Russland ein autoritärer Staat, in dem Journalisten im Gefängnis sitzen und oppositionelle Blätter schikaniert, verfolgt und geschlossen werden. Soviel zur echten Pressefreiheit. Die jungen Frauen und Mütter von Pussy Riot verbrachten für ihre Performance in der orthodoxen Kathedrale fast zwei Jahre im sibirischen Arbeitslager. Homosexuelle, Regimegegner und Andersdenkende sind Opfer von Gewalt und werden vom Staat im besten Fall allein gelassen. Vieles spricht dafür, dass der russische Geheimdienst gezielt über Falschmeldungen und anderen schmutzigen Tricks versucht, Wahlen in Europa und Amerika zu beeinflussen, um so die jeweiligen Regionen zu destabilisieren.

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Reichsbürger, RTDeutsch, Putin-Troll, Schrang

Geschäftsmodell Verschwörungen (3)

Gast, Freitag, 24.05.2019, 07:34 (vor 204 Tagen) @ Gast

Autor: Alexandru Sandbrand-Nisipeanu

Letzte Woche zeigte das Schweizer Fernsehen seinen Zuschauern eine Möglichkeit, wie man Verschwörungstheoretiker per Faktencheck überführen kann. Daniele Ganser und seine Anhänger aus dem gesamten rechten und völkischen Lager fanden das nicht so lustig und sehen sich als Opfer einer Medienkampagne.

Eigentlich sollte der Artikel über Verschwörungstheorien als Geschäftsmodell nur aus zwei Teilen bestehen, aber es gab letzte Woche ein mediales Ereignis, das bei dem Thema nicht unerwähnt bleiben kann. In der Schweizer Fernseh-Talkshow Arena ging es um Die Glaubwürdigkeit der Medien. Daniele Ganser repräsentierte in der Runde zusammen mit Claudio Zanetti von der Schweizerischen Volkspartei die medienkritische Position. Moderator Jonas Projer konfrontierte Ganser während der Sendung mit dieser Episode: Wenige Wochen zuvor hatte eine andere Schweizer Sendung namens Einstein über den Einsturz des World Trade Centers berichtet, als Ganser seinen Anhängern oder besorgten Bürgern über Twitter Folgendes mitteilte:

Daniele Ganser in einem Tweet an seine Follower:
die Sendung Einstein habe die Forschung zum Einsturz der Twin Towers als Verschwörungstheorie abgetan. Das Schweizer Fernsehen habe diffamiert statt aufgeklärt.

Das überrascht nicht wirklich, denn in seinen gut besuchten Vorträgen vor besorgten Bürgern beschreibt Ganser ähnlich wie Dahlke, Michael Vogt, Lisa Fitz, Jo Conrad und ihre Kollegen aus der Szene, wie uns die Medien gezielt falsch informieren. Das ist sein Geschäftsmodell, davon lebt er gut! Gleichzeitig hatte Ganser dem ihm offensichtlich bekannten Redaktionsleiter der Sendung Einstein ein Email geschickt:

Daniele Ganser in einem persönlichen Email an den Reaktionsleiter der Sendung Einstein:
der Beitrag über den Einsturz des World Trade Centers sei sachlich und fair gewesen.

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Tags:
Verschwörung, Geschäftsmodell, Parawissenschaft, Pseudowissen, Dahlke, Vogt, Ganser, Conrad

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