Neuer Mobilfunkmast in Kollnburg: und alles bleibt ruhig ... (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 19.01.2016, 20:35 (vor 1372 Tagen)

Der Viechtacher Bayerwald Bote meldet heute:

Am Donnerstag, 21. Januar, um 19 Uhr, findet im Burggasthof eine Bürgerversammlung der Gemeinde Kollnburg zum Thema "Mobilfunkversorgung" statt.

Die Tagesordnung umfasst die Vorstellung der Planungen zur Mobilfunkversorgung in der Gemeinde durch den Kommunalbeauftragten für Mobilfunk in Bayern der Telekom, die Präsentation der Ergebnisse der Strahlenuntersuchung zum geplanten Kollnburger Mobilfunkmast, insbesondere zu den durchgeführten Feldstärkemessungen und Prognoseberechnungen durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für das Fachgebiet "Elektromagnetische Umweltverträglichkeit (EMVU)" sowie eine ausführliche Möglichkeit zu Fragestellungen und zur Diskussion.

Von üblichen Meldungen dieser Art unterscheidet sich die jüngste vor allem durch den "öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen". Denn wenn Bürger wegen Mobilfunk Rabbatz machen, treten auf den obligatorischen "Informationsveranstaltungen" mit größter Wahrscheinlichkeit selbsternannte Experten aus den Reihen organisierter Mobilfunkgegner auf. Nicht selten ist dann der Verdacht kommerzieller Interessen gerechtfertigt. Doch im niederbayerischen Kollnburg (2900 Einwohner) ist es anders, dennoch gibt es auch dort eine Informationsveranstaltung. Das passt nicht recht zusammen. Übt eine nicht genannte Bürgerinitiative Druck auf die Gemeinde aus? Ich sprach heute mit der jungen Bürgermeisterin (FDP):

Nein, sagte sie, eine Bürgerinitiative gegen den geplanten LTE-Masten gebe es nicht im Ort, ihr fielen spontan nur zwei Bürger ein, die damit eher nicht glücklich wären. Aus ihrer Sicht sei Mobilfunk für die Gemeinde so wichtig wie Kanalisation oder Straßen, auch die Bürger von Kollnburg wollten endlich die Vorzüge des schnellen Datentransfers nutzen, der bisherige GSM-Mast könne dies nicht leisten. Der Gemeinderat habe sich daher einvernehmlich für den neuen Masten ausgesprochen, auch die Baugenehmigung liege bereits vor.

Warum dann noch die Bürgerversammlung, wollte ich wissen. Weil die Mobilfunkstation in der Nähe einer Schule liegt. Um da nichts anbrennen zu lassen, habe die Gemeinde vorsorglich auf das bayerische "Fee-Programm" zurück gegriffen, das Gemeinden bei Funkmessungen und Immissionsprognosen finanziell mit bis zu 90 Prozent Kostenübernahme unterstützt, vorausgesetzt es wird ein vom Programm anerkannter Gutachter beauftragt. Im konkreten Fall sei dies Prof. Wuschek, er werde am Donnerstag vortragen, welche Immissionen er für die Schule erwarte. Die Bürgermeisterin selbst erwartet eine ruhige Versammlung. Sollten sich dort Bürger im Stil von Mobilfunkgegnern aufgebracht zu Wort melden, wäre dies insofern eine Überraschung, weil sich die Kollnbuger für Ängste gegenüber Mobilfunk bislang nicht begeistern konnten. Sollte es anders kommen, werden wir darüber berichten.

Die attraktive Gemeindechefin machte auf mich einen souveränen Eindruck, sie weiß genau, was sie im Interesse ihrer Gemeinde will. Mobilfunkgegner dürften bei ihr aus meiner Sicht mit Dramatik und pseudowissenschaftlichem Auftritt nicht weit kommen.

Was unterscheidet mit Blick auf Mobilfunk z.B. Füssen oder Obereggersberg von Kollnburg? Aus der Distanz ist das kaum zu sagen, offensichtlich fehlt jedoch in Kollnburg der typische Anti-Mobilfunk-Infektionsherd in Gestalt eines (von der ödp gebrieften) Antennengegners, der eine Widerstandsgruppe aus leicht beeinflussbaren Wutbürgern mit unterschiedlichsten nicht immer edlen Motiven um sich schart. In sozial stabilen Gemeinden breiten sich Anti-Mobilfunk-Infektionen nicht so leicht aus wie in zerstrittenen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Feldstärke, Schule, Gemeinde, Fee-2-Projekt, Bürgerversammlung

Mobilfunk in Kollnburg: Darf's ein bisschen mehr sein?

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 20.01.2016, 10:52 (vor 1372 Tagen) @ H. Lamarr

Die Tagesordnung umfasst die Vorstellung der Planungen zur Mobilfunkversorgung in der Gemeinde durch den Kommunalbeauftragten für Mobilfunk in Bayern der Telekom, die Präsentation der Ergebnisse der Strahlenuntersuchung zum geplanten Kollnburger Mobilfunkmast, insbesondere zu den durchgeführten Feldstärkemessungen und Prognoseberechnungen durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für das Fachgebiet "Elektromagnetische Umweltverträglichkeit (EMVU)" sowie eine ausführliche Möglichkeit zu Fragestellungen und zur Diskussion.

Bislang wird Kollnburg durch einen GSM/UMTS-Standort versorgt, der etwa 1,7 km westlich vom Ortszentrum in Wald und Flur liegt und mit 80° Hauptstrahlrichtung alles "anstrahlt", nur nicht Kollnburg. Der geplante neue LTE-Sendemast liegt östlich des Ortes auf einem bewaldeten flachen Hügel nur etwa 50 Meter von der Bebauung entfernt. Das hat Folgen: An allen Messpunkten in Kollnburg nimmt die Funkfeldimmission deutlich zu, an einem Messpunkt bis zum 32-fachen. Damit ließen sich nun bei Anwohnern sehr gut Ängste schüren, würde dieser maximal 32-fache Anstieg nicht auf niedrigem Niveau stattfinden. Im konkreten Fall steigt die Immission von 0,07 Prozent Grenzwertausschöpfung auf maximal 2,27 Prozent. Maximal bedeutet: Nur dann, wenn GSM + UMTS + LTE unter Volllast senden, was üblicherweise selten passiert. Die höchste erwartete Grenzwertausschöpfung an einem der acht Messpunkte liegt bei 5,21 Prozent, dies ist "gefühlt viel", jedoch noch immer deutlich unter dem Schweizer Vorsorgewert (Anlagegrenzwert), der bis zu 10 Prozent Grenzwertausschöpfung zulässt.

Dem Immissionsgutachten des EM-Instituts (Prof. Wuschek) sind interessante Details zur Bewertung der Messwerte zu entnehmen und wieder einmal zeigt sich, dass die Entfernung zu einem Sendemasten allein kein brauchbarer Indikator ist, um Immission abzuschätzen.

Ob die Telekom den Masten im Westen aufgibt und GSM/UMTS auf den LTE-Masten übernimmt, geht aus den vorliegenden Daten nicht hervor.

Hintergrund
Kollnburg: Feldstärkemessungen und Immissionsprognose (PDF, 33 Seiten)

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