Mobi-Kids vs. Mophorad (Allgemein)

Spatenpauli @, München, Sonntag, 27.12.2015, 16:08 (vor 1081 Tagen)

Am 15. Dezember 2015 schreibt Franz Adlkofer:

Nach Abschluss des von der EU-Kommission geförderten REFLEX-Projekts, das ich koordinierte, bereitete ich zusammen mit einem neuen Forschungskonsortium, dem auch Leszczynskis Arbeitsgruppe angehörte, ein REFLEX-Nachfolgeprojet vor. Mit dem Titel Potenzielle gesundheitliche Auswirkungen der Mobilfunkstrahlung bei Kindern und Heranwachsenden (Kurzname: MOPHORAD) entsprach es ziemlich genau den Vorstellungen von Leszczynski, deren Bearbeitung er bei BIOEM2015 so sehr vermisste. Am 25. Februar 2008 reichte ich den Forschungsantrag bei der EU-Kommission mit der Bitte um Förderung ein. Am 28.Mai 2008 wurde mir das Ergebnis der Begutachtung durch die EU-Kommission mitgeteilt. Mit der hervorragenden Bewertung von 12,5 von 15 möglichen Punkten war der Kommission zur Förderung vorgeschlagen worden. Es dauerte ein halbes Jahr, nämlich bis zum 9. Dezember 2008, als ich schließlich von der Kommission die Mitteilung erhielt, dass MOPHORAD nicht gefördert werden könne.

Was war in diesen 6 Monaten zwischen Auswertung und Entscheidung geschehen? Professor Alexander Lerchl von der privaten Jacobs University in Bremen, seit Jahren im Einsatz für die Interessen der Mobilfunkindustrie, hatte die Zeit genutzt, um bei MOPHORAD die Notbremse zu ziehen. Vier Jahre nach Abschluss der REFLEX-Studie erfand er die Geschichte, dass deren Ergebnisse – der Neuantrag an Brüssel beruhte auf ihnen – durch Fälschung entstanden seien. Diese Verleumdung reichte offensichtlich – übrigens durchaus nachvollziehbar – aus, um die Förderung von MOPHORAD durch die EU-Kommission zu verhindern. Lerchl wurde in Anerkennung seiner Verdienste durch die Bundesregierung wenig später in die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK) berufen. Diesem beruflichen Aufstieg folgte allerdings sieben Jahre später der ebenso jähe Absturz. Im Frühjahr 2015 wurde er vom Landgericht Hamburg wegen Ehrverletzung in Zusammenhang mit der der REFLEX-Studie rechtskräftig verurteilt. Für seine weit üblere Tat, die Verhinderung der MOPHORAD-Studie, wird er wohl straffrei bleiben.

Die Realität ist nicht halb so spannend wie diese nette Verschwörungsgeschichte des Ex-Tabaklobbyisten.

Die Begutachtung der Forschungsprojekte, für die 2008 EU-Fördermittel vergeben werden sollten, fand Mitte April 2008 an zwei Tagen in Brüssel statt. Das war rund 14 Tage bevor Lerchls "comments" zu "Reflex" erschienen und rund sechs Wochen, bevor die Medizinische Universität Wien mit den bekannten Presse-Informationen die Fälschungsvorwürfe gegen "Reflex" öffentlich machte. Wenn überhaupt, dann haben sich die Verantwortlichen der EU um Dr. Karjalainen nach der Bewertung (zurecht) von den Presse-Informationen der Universität beeindrucken lassen. Dass sie damals richtig lagen zeigt die Kette von drei gescheiterten dezidierten "Reflex"-Replikationen seit 2007.

Mit 12,5 von 15 möglichen Punkten war Adlkofers Projekt Mophorad tatsächlich weit vorne. Ein Projekt aber war weiter vorne: Mobi-Kids. Dieses Projekt bekam schließlich den Zuschlag für die Fördergelder (rd. 3,5 Mio. Euro) und Prof. Adlkofer ging leer aus. So ist das nun einmal bei Wettbewerben, in der Öffentlichkeit zählt nur der Sieg, der Zweite führt nur die Liste der Verlierer an.

Warum Franz Adlkofer auch bald acht Jahre nach seiner Niederlage noch immer um Mophorad weint ist für mich nicht ganz nachvollziehbar. Denn an Mobi-Kids ist mit Prof. M. Kundi, Wien, ein alter Weggefährte Adlkofers beteiligt, den er auch in den Stiftungsrat seiner Stiftung Pandora geholt hat. Wenn auch um eine Ecke herum und nicht in Gänze, so verbleibt mit der EU-Förderung für Mobi-Kids doch zumindest ein Teil der Gesamtmittel bei einem Mitglied der "Familie".

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Verschwörung, Klage, Game over, EU, Finanzierung, Entwertung, Kundi, Mophorad, Stiftung-Pandora, Hamburg, Mobi-Kids, Niederlage

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