Blackouts: Pädophiliedebatte und Mobilfunkdebatte (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 19.12.2013, 10:38 (vor 2675 Tagen)

Wie konnte es mir als studiertem Nachrichtentechniker nur passieren, dass ich mich Anfang 2002 von den Webseiten der Anti-Mobilfunk-Szene mit großer Angst vor Funkwellen habe anstecken lassen? Immer wieder mal frage ich mich das und staune über meine damaligen Standpunkte, wenn ich im Forum auf alte Postings stoße. Diese Irrfahrt des Verstandes dauerte bei meiner Frau und mir vier volle Jahre, in denen wir Meinungen vertraten und Dinge taten, auf die wir heute nicht mehr stolz sind.

Allein sind wir mit unserem Ausrutscher jedoch nicht. Bekanntlich hatten auch die "Grünen" in den 70-er und 80-er Jahren mit ihrer ernsthaft betriebenen Pädophiliedebatte einen Blackout, den sie heute von einem neutralen Forscher untersuchen lassen. Dieser Fleck auf der Weste der Grünen ist sattsam dokumentiert. Weniger bekannt ist: Auch Leitmedien wie der "Spiegel" und die "Zeit" leisteten es sich damals, die Grünen auf ihrer moralischen Irrfahrt wohlwollend zu begleiten. Der "Spiegel" arbeitet diese Schatten der Geschichte nun in dem Artikel Moralische Irrfahrt auf und schreibt:

Auch die liberalen Leitmedien der Republik haben dazu beigetragen, Pädophilie in jenen Jahren der sexuellen Revolution zu bagatellisieren. Es waren nicht nur die Grünen, nicht nur die "taz" und linke Szeneblätter wie "Zitty" oder "Pflasterstrand", in denen krude Thesen zur Legalisierung von Sex mit Kindern diskutiert wurden. Auch in SPIEGEL oder "Zeit" taucht die Debatte in einem heute kaum noch für möglich gehaltenen Ton auf.

Die Inbrunst, mit der in der Mobilfunkdebatte von fachlichen Laien Gesundheitsrisiken durch Elektrosmog diskutiert werden, verstellt heute einigen Akteuren den Blick auf die Absurdität dieser Debatte, nicht anders als es damals in der Pädophiliedebatte passierte. Das mag bei dem techniklastigen Thema maßgebend an der Selbstüberschätzung liegen, mit der sich von etablierten Mobilfunkgegnern aufgehetzte Laien nach zwei Stunden Googlen auf eine Stufe mit Wissenschaftlern stellen.

Sex mit Kindern ist ein Verbrechen, das heute keiner mehr wagt zu bagatellisieren. Dass in zehn bis 20 Jahren auch die Mobilfunkdebatte wie ein erloschener Vulkan verlassen und weithin als Irrweg belächelt in der Geschichte herumsteht, sehe ich jedoch nicht. Dazu sind die kommerziellen und persönlichen Interessen von Profiteuren dieser Debatte zu stark. Die absterbende Mobilfunkdebatte wird mMn eher den Weg der Homöopathie gehen und als Glaubensangelegenheit im Unterholz des gesunden Menschenverstandes noch in 100 Jahren einzelne Verfechter finden. Verfechter, wie wir es vor zehn Jahren waren, und wie sie sich heute z.B. um Schloss Eggersberg in Niederbayern scharen, als würde dort der erste Sendemast der Menschheit errichtet.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Die Grünen, Homöopathie, Moral, Ethik, Pädophile, Menschheit, Eggersberg, Verbrechen

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