Anti-Alarm-Statistik: Der Deutsche neigt zur Hysterie (Allgemein)

Gast, Mittwoch, 10.04.2013, 15:41 (vor 2932 Tagen)

Wir fürchten uns viel zu viel

Wie bedrohlich sind [Sendemasten], Haartrockner [und Mobiltelefone]? Prasseln bald Urin-Bomben vom Himmel? Ein Statistiker und seine Studenten haben Berichte über angebliche Alltagsgefahren analysiert. Ergebnis: Der Deutsche neigt zur Hysterie.

Die armen Deutschen! Beinahe täglich ereilen sie neue Schreckensnachrichten über verseuchtes Essen, belastete Kleidung oder Technik, die verrückt spielt. Sie haben von verkeimtem Duschwasser gelesen, krebserregendem Feinstaub und Haushaltsgeräten, die plötzlich Feuer fangen. Sie werden überflutet mit Botschaften über rapide steigende Krankheitsrisiken und Todesgefahren. Was ihnen nun helfen könnte in ihrer ständig wachsenden Verunsicherung, wäre ein Besuch bei Walter Krämer an der Universität Dortmund.

Krämer ist kein Psychotherapeut, sondern Professor an der Fakultät für Statistik; 500 Studenten werden dort ausgebildet. Der Mann mit dem dichten Schnauzbart versteht sich als eine Art Verbraucherschützer, nur dass er die Verbraucher nicht vor gefährlichen Produkten warnt, sondern vor falschen Gefahren. Krämer ist der Anti-Alarmist, derjenige, der die Sirene wieder abstellt.

In den vergangenen Jahren hat der 63-jährige Statistiker gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe Hunderte Zeitungs-, Fernseh- und Internetmeldungen über angebliche Alltagsgefahren überprüft. Das Ergebnis der Forschung ist ziemlich beruhigend und lässt sich jetzt in Krämers aktuellem Buch "Die Angst der Woche" nachlesen: Viele Horrorbotschaften, die von Politikern, Lobbyisten und Journalisten verbreitet werden, basieren auf verzerrten statistischen Daten, sind völlig übertrieben oder schlichtweg Unsinn. "Wir fürchten uns viel zu viel", bilanziert Krämer.

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Tags:
Buch, krebserregend, Tod, Angst. Hysterie

Alternde Gesellschaften und ihre Phänomene

Lilith, Donnerstag, 11.04.2013, 07:11 (vor 2932 Tagen) @ Gast
bearbeitet von Lilith, Donnerstag, 11.04.2013, 07:58

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Aus dem SPIEGEL-Beitrag:

"Der Statistikprofessor fand bei seiner Arbeit für das Buch heraus, dass es in Deutschland offenbar eine besonders große Lust an der alltäglichen Bedrohung für Leib und Leben gibt. So wurde in großen deutschen Tageszeitungen zwischen 2000 und 2010 mehr als doppelt so oft über BSE, Dioxin-Belastungen, Asbest oder Schweinegrippe berichtet wie in französischen, italienischen oder englischen. Warum das so ist, kann der Statistiker nicht richtig erklären. Zumal etwa in England Fälle von BSE viel häufiger vorkamen als hierzulande. 'Der Deutsche', bilanziert Krämer, 'neigt wohl zur Hysterie.'

Das findet er seltsam: Denn anders als vieles andere lasse sich eines ganz sicher statistisch beweisen: die steigende Lebenserwartung."
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Darauf weisen wir hier doch schon seit langer Zeit hin.

Fatale Nebenwirkung erfreulich steigender Lebenserwartung: Die zunehmende Anzahl rüstiger Rentnerinnen und Rentner führt dazu, dass immer mehr der älteren Herrschaften nichts mehr mit ihrer Zeit anzufangen wissen.

Früher strickten sie zuhause Pullover für die Enkel, errichteten im Keller eine Modelleisenbahnanlage oder schrieben aus dem Wohnzimmer heraus jeden Tag ein, zwei Falschparker auf. Das waren damals zwar bisweilen schrullige, aber jedenfalls harmlose Altersbeschäftigungen.

Heute dagegen widmen sie sich vermeintlich anspruchsvolleren Aufgaben. Und manche von ihnen entwickeln dabei richtig spinnerte Ideen.

Eva z.B. vertreibt sich die Zeit damit, Zeichen, Rätsel und Wunder in schorfige Baumrinden hineinzugeheimnissen. Alfred kontrolliert das Internet und meldet jede verdächtige Bewegung unverzüglich an die Mobilfunkpolizei. Hans-Ueli mischt derweil die Schweiz auf.

Alternde Gesellschaften und ihre Phänomene. Ein unerwartetes Thema.

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"Wer die Dummbatzen gegen sich hat, verdient Vertrauen." (frei nach J.-P. Sartre)

Tags:
Schweinegrippe

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