Tetra-BOS-Funk in Brandenburg: Widerstand amtlich unbekannt (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 11.09.2012, 23:49 (vor 3732 Tagen)

Der Website Funkbewusstsein zufolge gibt es in Brandenburg einen für östliche Bundesländer auffallend starken kommunalen Widerstand gegen die Errichtung von Tetra-Sendemasten: Gegenwärtig sollen dort 13 Gemeinden die Preisgabe von Standorten für Tetra-Sendemasten verweigern. Mitte Dezember 2011 sollen sich erst sechs Gemeinden quer gestellt haben. Alle fünf an Brandenburg angrenzende Bundesländer bringen es zusammen derzeit laut Karte von "Funkbewusstsein" auf nur sieben Widerstandsgemeinden.

Was ist da los in Brandenburg?

Ich fragte am 9. September bei der Pressestelle des Brandenburgischen Innenministeriums nach, und bekam von Geert Piorkowski, Stellv. Pressesprecher, erfreulich substanzielle Antworten. Sie sind völlig konträr zu der Anti-Tetra-Protestwelle, wie sie "Funkbewußtsein" und der Anti-Mobilfunk-Verein Diagnose-Funk einem glauben machen wollen.

In der ersten Frage beziehe ich mich auf mein Anschreiben, in dem ich von den besagten 13 Widerstandsgemeinden in Brandenburg spreche:

IZgMF: Können Sie die genannte Anzahl der Widerstandsgemeinden bestätigen oder haben Sie andere Zahlen?

Geert Piorkowski: Der Projektorganisation Digitalfunk BOS des Landes Brandenburg ist keine Gemeinde bekannt, die sich derzeit gegen die Errichtung von TETRA-Sendetechnik auf Gemeindegrund wehrt.

Bürgerinitiativen gegen die Errichtung eines BOS-Funkmastes gab es in den Gemeinden Bad Belzig, Briesen, Blumberg-Casekow, Hohen Neuendorf, Kieselwitz, Gerswalde, Werder Plessow und aktuell in Lübbenau. In enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden wurden BOS-Funkstandorte gefunden, die das gemeindliche Einvernehmen erhalten haben.

IZgMF: Nimmt der Widerstand gegen Tetra-Standorte in Brandenburg Ihrer Kenntnis nach eher zu oder eher ab?

Piorkowski: Von 139 in Brandenburg zu errichtenden BOS-Funkstandorten sind 130 BOS-Funkstandorte baulich fertiggestellt, 6 BOS-Funkstandorte befinden sich im Bau und 2 BOS-Funkstandorte durchlaufen gerade die Ausschreibung nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB). Nur 1 Baugenehmigungsverfahren (Bohsdorf/Vorwerk) ist noch nicht abgeschlossen.

Ein Anwachsen des Widerstandes gegen Tetra-Standorte ist nicht zu verzeichnen.

IZgMF: Wie hoch schätzen Sie die Zusatzkosten, die sich in Brandenburg bisher aus kommunalem Widerstand gegen Tetra-Standorte ergeben haben?

Piorkowski: Ich gehe davon aus, dass Sie unter "Widerstand" die Informationsbedarfe der Bürger vor Ort und unter diesbezüglichen "Zusatzkosten" auch die Teilnahme an Bürgerversammlungen und das Verteilen von Informationsbroschüren in den vergangenen Jahren meinen. Der finanzielle Aufwand für diese Öffentlichkeitsarbeit wird in seiner Summe nicht gesondert erfasst.

IZgMF: Wie erklären Sie sich den starken Widerstand in Brandenburg, im Vergleich zu anderen östlichen Bundesländern?

Piorkowski: Nach hiesiger Einschätzung ist im Vergleich zu anderen östlichen Bundesländern in Brandenburg kein 'starker Widerstand' zu verzeichnen.

Hintergrund
Widerstand gegen Tetra: (r)ein Bayerisches Problem
Funkbewußtsein: Zweifelhafte Zahlen zum Widerstand

[Hinweis Moderator – 12.02.2014
Vorsicht mit Links, die auf die Webseiten Funkbewusstsein gehen.
Die Seite ist womöglich infiziert mit Trojaner. Weitere Detail sind hier nachzulesen.]

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
TETRA, Diagnose-Funk, Gerücht, Täuschung, Baugenehmigung, Funkbewusstsein, Brandenburg

Tetra-BOS-Funk in Brandenburg: Kosten des "Widerstands"

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 12.09.2012, 10:22 (vor 3732 Tagen) @ H. Lamarr

IZgMF: Wie hoch schätzen Sie die Zusatzkosten, die sich in Brandenburg bisher aus kommunalem Widerstand gegen Tetra-Standorte ergeben haben?

Piorkowski: Ich gehe davon aus, dass Sie unter "Widerstand" die Informationsbedarfe der Bürger vor Ort und unter diesbezüglichen "Zusatzkosten" auch die Teilnahme an Bürgerversammlungen und das Verteilen von Informationsbroschüren in den vergangenen Jahren meinen. Der finanzielle Aufwand für diese Öffentlichkeitsarbeit wird in seiner Summe nicht gesondert erfasst.

Da habe ich mich zu schwammig ausgedrückt. Nicht die Kosten für die (berechtigte) Aufklärung der Bevölkerung über Sinn, Zweck und Auswirkungen von Tetra-Sendemastenstandorten waren gemeint. Gemeint sind Kosten, die sich auf hartnäckigen Widerstand zurückführen lassen, der sich der "gesundheitlichen Bedenken" bedient, die gebrauchsfertig vorformuliert und dazu gratis aus den Vorratsregalen von Anti-Mobilfunk-Vereinen wie Diagnose-Funk gegriffen werden dürfen. Da diesen Bedenken bekanntlich die Substanz fehlt, sind daraus resultierende Kosten mMn unnötig und den Vereinen anzulasten.

Aber: Wenn, wie in Brandenburg, der Tetra-Zug praktisch abgefahren ist und sich der Widerstand nur als sogenannter Widerstand herausgestellt hat, dann gibt es in Sachen "wegen Mobilfunkgegnern in den Sand gesetztes Geld" nicht mehr viel zu erforschen.

In Bayern, mit seinen derzeit angeblich 181 Widerstandsnestern gegen Tetra-Funkmasten, könnte die Situation freilich eine andere als in Brandenburg sein. Ich habe mir daher soeben erlaubt, bei der Projektgruppe Diginet das gleiche anzufragen, wie zuvor beim brandenburgischen Innenministerium.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Nachgefragt: Projektgruppe DigiNet ./. Diagnose-Funk

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 13.12.2012, 10:40 (vor 3640 Tagen) @ H. Lamarr

In Bayern, mit seinen derzeit angeblich 181 Widerstandsnestern gegen Tetra-Funkmasten, könnte die Situation freilich eine andere als in Brandenburg sein. Ich habe mir daher soeben erlaubt, bei der Projektgruppe Diginet das gleiche anzufragen, wie zuvor beim brandenburgischen Innenministerium.

Heute traf Antwort von DigiNet ein. Michael Ruhland ist in der Projektgruppe "DigiNet" des Bayerischen Staatsministerium des Innern in der Öffentlichkeitsarbeit tätig:

IZgMF: Können Sie die behaupteten 181 Widerstandsgemeinden für Bayern bestätigen oder haben Sie andere Zahlen?

Michael Ruhland: Nein, diese Zahl können wir nicht bestätigen!
Die mancherorts vorgebrachten Gründe gegen den BOS-Digitalfunk sind sehr unterschiedlich und daher zahlenmäßig nicht zu beziffern.

IZgMF: Nimmt der Widerstand gegen Tetra-Senderstandorte in Bayern Ihrer Kenntnis nach eher zu oder eher ab?

Michael Ruhland: Im Rahmen der Standortgewinnung kommt es trotz der weiter intensivierten Einbindung der Kommunen sowie einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit in manchen Bereichen Bayerns nach wie vor aufgrund von Aktivitäten langjähriger Mobilfunkgegner zur Gründung von dem Projekt kritisch gegenüberstehenden Bürgerinitiativen und zum Beschluss von Moratorien in einzelnen Gemeinden.
Es ist aber zu erkennen, daß sich die Bemühungen der Mobilfunkgegner im Laufe der Zeit durch gezielte Aufklärungsmaßnahmen bei der Bevölkerung relativieren.

IZgMF: Wie hoch schätzen Sie die Zusatzkosten, die sich in Bayern bisher aus kommunalen Widerstand gegen Tetra-Senderstandorte ergeben haben?

Michael Ruhland: Gegenüber den ursprünglich vorgesehenen Kosten des Netzaufbaus sind nicht unerhebliche Zusatzkosten für Standortverschiebungen und Neuplanungen entstanden. Eine konkrete Summe kann nicht benannt werden. Sofern Standortverschiebungen auf Wunsch der Kommune erfolgen, muss sich die Kommune auch angemessen an den Zusatzkosten beteiligen.

IZgMF: Wie erklären Sie sich den ungewöhnlich starken Widerstand in Bayern, im Vergleich zu allen anderen Bundesländern?

Michael Ruhland: Die Zahl der TETRA-Funkgegner ist in Bezug auf die Gesamtbevölkerung in Deutschland als insgesamt gering anzusehen, wobei der Widerstand gegen die Einführung des digitalen Einsatzfunks im bundesweiten Vergleich in Bayern tatsächlich am größten ist. Die insbesondere beim Landesverband Bayern des Vereins Diagnose Funk e. V. vorhandene mediale Präsenz beruht beispielsweise weniger auf einer großen Zahl an Mitgliedern oder TETRA-Funkgegnern, als vielmehr auf dem persönlichen Engagement einzelner Personen in der Öffentlichkeit.

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Hintergrund
Die Postanschrift der Projektgruppe DigiNet ist in München am Odeonsplatz 3 (Bayerisches Innenministerium, Verwaltung). Räumlich untergebracht ist die Projektgruppe jedoch weit davon entfernt in der Rosenheimer Straße. Insofern hat die ohnehin schon erniedrigend verlaufene Kundgebung des Anti-Mobilfunk-Vereins Diagnose-Funk am Odeonsplatz auch noch am falschen Ort stattgefunden.

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– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Staatsministerium, DigiNet

Feldherrnhalle als Wallfahrtsort?

Lilith, Donnerstag, 13.12.2012, 11:51 (vor 3640 Tagen) @ H. Lamarr

Insofern hat die ohnehin schon erniedrigend verlaufene Kundgebung des Anti-Mobilfunk-Vereins Diagnose-Funk am Odeonsplatz auch noch am falschen Ort stattgefunden.

Die Feldherrnhalle am Odeonsplatz könnte für die älteren Kampfgenossen unter den D-F- Mitstreitern auch in Zukunft eine gewisse ideelle Anziehungskraft beibehalten. Schliesslich war das einst eine bekannte Weihestätte, an der Anhänger einer früher in Deutschland aktiven Bewegung, die sich ebenfalls dem Schutz des Volkes vor Moderne und Fortschritt verschrieben hatte, ihrer Helden und Heldentaten zu gedenken pflegte.

Die geringe Zahl an Teilnehmern bei der diesjährigen D-F'schen Oktoberdemonstration ist auch damit zu erklären, dass die Münchner Passanten während des Veranstaltungszeitraums einen Umweg durch die Drückebergergasse genommen haben. Auf diese Weise hatte man dort auch schon in früheren Zeiten ungewollte Begegnungen mit unangenehmen Eiferern vermeiden können.

http://de.wikipedia.org/wiki/Dr%C3%BCckebergergasse#Ursprung_des_Namens

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Feldherrnhalle als Wallfahrtsort?

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 13.12.2012, 12:31 (vor 3640 Tagen) @ Lilith

... die Drückebergergasse

Gassl, bittschön, nicht Gasse. Wir sind hier schließlich in der Hauptstadt der Bewegung, und nicht in ROW oder gar in Preussen. Ich rede von München, das liegt in der Nähe von Wolfratshausen.

Also, der Bypass heißt Drückebergergassl. A Gassl is bei uns des, was Sie wahrdscheins ois "Gässchen" kenna. Host mi?

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