Russland - Jugendgesundheit, Mobilfunk, Tabak (Allgemein)

AnKa, Donnerstag, 10.11.2011, 06:55 (vor 3973 Tagen)

Immer mal wieder erscheint das "Russische Nationale Komitee zum Schutz vor Nicht- Ionisierender Strahlung (RNCNIRP)" auf der Weltbühne, um als Kronzeuge im Kampf gegen die Vergabe von Mobiltelefonen in Kinderhand dienen zu dürfen:

"Eine Resolution des Russischen Nationalen Komitees zum Schutz vor Nicht- Ionisierender Strahlung (RNCNIRP) kommt zum Schluss, dass wenig Zweifel an einer ,kontinuierlichen Zunahme von Krankheiten von Kindern bestehen, die von der RNCNIRP als „mögliche Krankheiten“ aufgrund von Handy- nutzung identifiziert wurden", hiess es z.B. erst jüngst in der Kleinen Anfrage einer Grünen-Parlamentariergruppe an die Bundesregierung.

Man reibt sich verwundert die Augen. Denn Russland hat in puncto Kinder- und Jugendgesundheit ganz andere Probleme, als sie der Handykonsum seiner jugendlichen Nutzer darstellen:

"Derzeit leben in Russland gut 27 Millionen Kinder und Jugendliche im Schulalter von 5 bis 19 Jahren. Das sind über vier Millionen weniger als im Volkszählungsjahr 2002, weil es „heute in Russland keinen einzigen gesunden Schüler gibt“. So wörtlich der Mitte November 2006 publizierte Bericht der Russischen Akademie medizinischer Wissenschaften (RAMN), der die Symptome aufzählt: Vor allem grassieren Haltungsschäden wie Rückgratverkrümmung und Muskelatrophie, außerdem Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und schließlich Sehschäden: Mussten eingangs der 1990er Jahre nur 15 Prozent aller Kinder Brillen tragen, so sind es heute 40 Prozent."

Diese Quelle stellt auch fest:

"Als „Hauptfeind der Kindergesundheit“ hat die RAMN die Schulkantinen ausgemacht" ...

"Hinzu kommt die gnadenlose nagruzka russischer Kinder, ihre Überlastung mit Schulstunden und Hausaufgaben, die zusammen fast den ganzen Tag ausfüllen." ...

"1974 erregte ich in einer Leningrader Buchhandlung die stürmische Heiterkeit einiger Soldaten, als ich ein großes Plakat kaufte, das später zwei Jahrzehnte lang meine Bürowand zierte. Im Hintergrund ist ein volltrunkener Mann mit Wodka-Pulle zu erkennen, im Vordergrund ein weinendes Kind, das sagt: „So einen Papa will ich nicht!“ Ein ausdrucksstarkes Plakat gegen Alkoholmissbrauch, aber doch ein rührend hilfloser Versuch, gegen die in Russland seit über 1.000 Jahren endemische Trunksucht anzugehen."

Eine andere Quelle teilt Bedenkliches zum Tabakkonsum mit. Dieser ist in Russland bereits bei Kindern vergleichsweise hoch:

"In der Altersgruppe der 11-Jährigen wurde für die russische Föderation der höchste Anteil von Jugendlichen, die regelmäßig rauchen, festgestellt", und auch bei den 13- bis 15-Jährigen fänden sich Russland und die Ukraine "unter den ersten fünf Ländern." Die Angaben fußen auf Datenerhebungen im Rahmen der internationalen Kinder- und Jugendgesundheitsstudie in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (HBSC).

Da kann man dann schon stutzig werden. Enorme Defizite in der russischen Jugend- und Gesundheitspolitik. Klar erkannte Ursachen für diesen Zustand. Unter diesen: der im weltweiten Vergleich übermäßige Tabakkonsum als ein erwiesener Treiber der Schädigung der Kinder- und Jugendgesundheit.

Es wirkt absurd, dass inmitten dieser Zustandsbeschreibungen, im bekanntlich transparentesten Land der Welt, ein "Russisches Nationales Komitee zum Schutz vor Nicht-Ionisierender Strahlung (RNCNIRP)", im Gegensatz zu anderen seriösen, international arbeitsteilig ermittelten Studienerkenntnissen, ausgerechnet den Handygebrauch als Ursache für die "kontinuierliche Zunahme von Krankheiten von Kindern" entdeckt haben will.

Ach ja, und: Tabak, Mobilfunk.

Da war doch was.

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"Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere." (Groucho Marx)

Tags:
Kinder, Ablenkung, Tabak, RNCNIRP

Russland - Jugendgesundheit, Mobilfunk, Tabak

Kuddel, Donnerstag, 10.11.2011, 19:59 (vor 3972 Tagen) @ AnKa

Vor allem grassieren Haltungsschäden wie Rückgratverkrümmung und Muskelatrophie, außerdem Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und schließlich Sehschäden: Mussten eingangs der 1990er Jahre nur 15 Prozent aller Kinder Brillen tragen, so sind es heute 40 Prozent."

Wenn die Jugendlichen sich in Russland ähnlich verhalten, wie bei uns, dann wundert micht das nicht. Um es etwas überspitzt zu formulieren:

Rückratverkrümmung => zuwenig Sport, zuviel vorm PC sitzen (neuerdings "Smart Phone").
Sehstörungen => zuwenig in der Natur, zuviel vorm PC sitzen
Störung Magen Darm Trakt => zuviel Fast Food vorm PC, zuwenig Bewegung.

RNCNIRP: Alarm-Shopping in Russland - Rubel rolle!

H. Lamarr @, München, Freitag, 11.11.2011, 09:20 (vor 3972 Tagen) @ AnKa

Immer mal wieder erscheint das "Russische Nationale Komitee zum Schutz vor Nicht- Ionisierender Strahlung (RNCNIRP)" auf der Weltbühne, um als Kronzeuge im Kampf gegen die Vergabe von Mobiltelefonen in Kinderhand dienen zu dürfen ...

Dieses sagenhafte Komitee "erscheint" Otto Normalverbraucher eigentlich nie, höchstens nach Mitternacht oder im bösen Traum, dafür erscheint es aber regelmäßig den fleißigsten unter den EMF-Alarmkritikern. Zu diesen Fleißarbeitern zählt auch Teilnehmer "info" des hese-projects, der sich den jüngsten Alarm von Prof. Yury Grigoriev nicht in Russland an der Quelle besorgt hat, sondern bei Camilla Rees in USA. Die geschäftstüchtige E-Smog-Gegnerin betreibt dort die grelle Website electromagnetichealth.org, obwohl sie gar nicht Gesundheit, sondern nur Krankheiten wegen E-Smog im Kopf hat.

Der Logistikpfad der Importware EMF-Alarm lautet also: Ein russischer Alarmprofessor, Grigoriev füttert die Szene regelmäßig mit Alarmmeldungen, inspiriert eine amerikanische E-Smog-Gegnerin, bei der sich wiederum "info" vom hese-project bedient. Ob Prof. Grigoriev nun ein ausgemachter Böser ist, kann ich nicht beurteilen. Tatsache ist, seine Alarme werden in der Fachwelt eher mit Achselzucken zur Kenntnis genommen, da der alte Herr, er geht auf die 90 zu, den vorhandenen Kenntnisstand nicht nennenswert bessert, sondern repitiert. Für Alarmkritiker wie "info" reicht freilich schon das, um in Bewegung zu kommen. Vermutlich bringt ihn der Professortentitel von Grigoriev auf Trab, denn wenn ein Professor Stuss redet, zweifelt der bescheidene Leser erfahrungsgemäß zuerst einmal an sich und seinen eigenen Fähigkeiten. Und damit ist die Falle auch schon zugeschnappt, der Zweifel (es könnt' ja doch was dran sein ...) ist gesät, ein bisschen was, mag "info" hoffen, wird schon hängen bleiben.

Vielleicht ist die dünne Faktenlage im Land des Bären jedoch der Grund dafür, dass "info" (Vorschlag: Umbenennung in "desinfo") in seinem Einkaufswagen für Desinformation gleich noch einen weiteren Zauberer mitbringt, der sich mächtig "kompetent" über das Alarmthema EMF + Kinder äußert. Gemeint ist Dr. Thomas Rau, den uns Wasserträger "info", wieder ganz wichtig, als "Geschäftsführer der Paracelsus-Klinik" vorstellt. Kein popliger Landarzt, ein Geschäftsführer!

Nun ist es aber so, dass es die Paracelsus-Klink gar nicht gibt. Vielmehr gibt es viele Paracelsus-Kliniken, die in einem Verbund zusammengeschlossen sind, deren Geschäftsführer nicht Thomas Rau ist. Richtig ist: Dr. T. Rau ist Chefarzt und Verwaltungsrat einer Paracelsus-Klinik mit dem verheißungsvollen Namen Lustmühle, gelegen in St. Gallen, Schweiz. Wieder einmal führt eine E-Smog-Recherche also in das Weltzentrum des E-Smog-Alarms, die Schweiz. Das wäre nun nicht weiter erwähnenswert, würde die Elektrosmog-Debatte nicht allmählich ins dunkle Reich der Esoterik taumeln, weil dort auffallend viele Diskussionsteilnehmer Geschäftsinteressen verfolgen. So hat es auch Dr. Rau geschafft, dass sich Esowatch über eine ganze Seite hinweg mit ihm beschäftigt.

Man kann es drehen und wenden wie man will: Recherchen nach alarmierenden Lautsprechern in der Mobilfunk- und Elektrosmog-Debatte führen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu befremdlichen Ergebnissen. Mag sein, dass es in der Szene noch eine handvoll gibt, die tatsächlich aus Idealismus und Überzeugung heraus handeln, doch dieses Grüppchen hat jeden Kredit verspielt, weil es aus chronischem Personalmangel heraus auch schwarze Schafe begeistert in die Belegschaft aufnimmt, statt sich energisch davon zu distanzieren. Inzwischen präsentiert sich die Szene dem kritischen Betrachter mMn durchweg als schwarzes Loch.

[Hinweis: Esowatch heißt jetzt PSIRAM.COM]

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Psiram, Filz, Elektrosmog-Panikmache, Schweiz, Alarmkritiker, ElectromagneticHealth, Trick, Grigoriev, Russland, RNCNIPR

Sendemastkritik - eine Frage des Wohlstands

Kuddel, Sonntag, 13.11.2011, 00:57 (vor 3970 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von Kuddel, Sonntag, 13.11.2011, 01:17

Wieder einmal führt eine E-Smog-Recherche also in das Weltzentrum des E-Smog-Alarms, die Schweiz. Das wäre nun nicht weiter erwähnenswert, würde die Elektrosmog-Debatte nicht allmählich ins dunkle Reich der Esoterik taumeln, weil dort auffallend viele Diskussionsteilnehmer Geschäftsinteressen verfolgen.

Es dürfte ja mittlerweile jedem aufgefallen sein, daß die Hochburgen der Mobilfunkkritik in Süddeutschland / Schweiz liegen.

Das liegt m.M.n. daran, daß Kritik an Sendemasten gewisse Verbindungen zur Esoterik hat (Radiästhesie, Alternativmedizin) und Esoterik-Artikel (wie z.B. Knatterbüchsen, Abschirmungen) einen "Luxus" darstellen, den man sich leisten können muß.

Die Firma Eso-Team, der führende Veranstalter für Esoterikmessen im deutschsprachigen Raum, liefert Hinweise auf ein beträchtliches regionales Gefälle beim Thema Esoterik: In den neuen Bundesländern und im Norden der Bundesrepublik ist das Interesse nach Einschätzung der Münchner Firma eher gering. "Die größte Nachfrage erleben wir regelmäßig in Zürich, Wien und München", sagt ein Messeorganisator. "Das hat sicher auch mit dem Wohlstand zu tun."

Anbei eine Karte der Kaufkraftverteilung in Deutschland.
Wundersamerweise liegen die Hochburgen der Mobilfunkkritik dort, wo die Kaufkraft am höchsten ist.

[image]

K

Tags:
Esoterik, Sendemastgegner, Schweiz, Radiästhesie

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