Stoa-Bericht: "Kompetenzinitiative" widerlegt Diagnose-Funk (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 04.04.2023, 22:49 (vor 377 Tagen)

Wer hätte das gedacht: In der Kontroverse um die Deutung des Stoa-Berichts "Health impact of 5G" geht ausgerechnet die sogenannte Kompetenzinitiative dem Stuttgarter Verein Diagnose-Funk von der Fahne und schließt sich der Sichtweise des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) an.

Es geht um zwei Behauptungen der Stuttgarter, mit denen sie hartnäckig Framing betreiben (z.B. in dem Heft Kompakt 2/2022), um den Stoa-Bericht von Fiorella Belpoggi bei Laien aufzuwerten:

► Im Original wird der Stoa-Bericht mal "study" genannt, mal "report". Das Bundesamt für Strahlenschutz hat sich in Anlehnung an die weltweite Gepflogenheit, Arbeiten, die nicht in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift publiziert werden, sondern vom Auftragnehmer lediglich dem Auftraggeber ausgehändigt werden, dazu entschieden, die Arbeit von Belpoggi als Bericht einzustufen. Diagnose-Funk vermarktet den Bericht hingegen als Studie und erweckt damit den irreführenden Eindruck, das Belpoggi-Paper sei der wissenschaftlichen Gemeinschaft bekannt.

► Mit dem Vermerk "This study has been written by Dr Fiorella Belpoggi [...]" weist der Stoa-Bericht klipp & klar die Italienerin als einzige Autorin aus. Das Bundesamt für Strahlenschutz folgt diesem Vermerk. Diagnose-Funk hingegen sieht in einer einzelnen Autorin eine Abwertung und behauptet beschönigend: "Die STOA-Studie ist die sorgfältige Arbeit eines wissenschaftlichen Teams unter Leitung der renommierten Krebsforscherin Dr. Fiorella Belpoggi." Wissenschaftliche Arbeiten mit nur einem Autor sind tatsächlich suspekt. Denn seitdem die Ära der Universalgelehrten mit Goethe zuende ging, haben Papers in der Regel mehrere Autoren und jeder von ihnen hat Spezialwissen in einem benötigten Fach, z.B. in Biologie, Epdidemiologie, Statistik, Dosimetrie oder Physik.

Soviel zu der Begriffskontroverse zwischen dem BfS und Diagnose-Funk. Und jetzt kommen wir zum Anlass dieses Postings.

Klaus Scheidsteger ist Filmemacher und Mitglied der sogenannten Kompetenzinitiative. Momentan ist er damit beschäftigt, für die hiesige Anti-Mobilfunk-Szene einen neuen Film zu fabrizieren, der den Titel "Das digitale Dilemma" tragen soll. Was das mal werden soll ist unklar, möglicherweise die Fortsetzung seines Märchenfilms "Thank you for Calling". Doch dafür braucht Scheidsteger Geld. Und dafür soll zumindest teilweise gefälligst die Szene der "Stopfgänse" mit Spenden aufkommen. Das ist so schon lange Brauch unter den Frontleuten der Mobilfunkgegner. Damit der Rubel besser rollt, hat Scheidsteger einen Videoclip mit Szenen aus seinem jüngsten Werk gebastelt, die zunächst einmal jedoch ein bekanntes Dilemma des Filmemachers zeigen: Er hat zu wenig neues Material. Dieses Dilemma plagt den Filmer schon seit "Thank you for Calling". Um die Spieldauer seiner Streifen zu strecken, schnippelt der Wahl-Österreicher daher gerne reichlich Szenen aus älteren Werken ins jeweils neue hinein. Der Videoclip macht da keine Ausnahme und zeigt uns z.B. zum x-ten Mal den Wissenschaftler Michael Kundi in einem Labor sitzend nebst markiger Aussage zu Mobilfunkkrebs, so als ob Kundi nicht schon lange im Ruhestand wäre.

Doch dann, zur Minute 2:43, kommt tatsächlich mal was Neues, Fiorella Belpoggi hat ihren Auftritt. Der dauert zwar nur 15 Sekunden, doch Scheidsteger schafft es, durch die ungewohnt kompetente Auswahl ausgerechnet dieser Szene, Diagnose-Funk in Verlegenheit zu bringen. Denn wenn Belpoggi daselbst verkündet "[...] and I was the author of the Stoa report," dann liegt das BfS wohl richtig und Diagnose-Funk falsch :-).

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Diagnose-Funk, Irreführung, Scheidsteger, Belpoggi, STOA-Bericht, Framing


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