Erfolg der Schweizer Postkartenaktion gegen 5G (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 01.05.2022, 14:58 (vor 278 Tagen) @ H. Lamarr

Der Schweizer Verein "Schutz vor Strahlung" hat eine Vorliebe für Anti-Mobilfunk-Aktionen, die sich nicht an das Hirn organisierter Mobilfunkgegner wenden, sondern an deren Bauch. Jüngstes Beispiel ist eine von dem Verein am 24. Dezember 2021 gestartete Postkartenaktion, mit der faule Mobilfunkgegner auf bequeme Weise gegen die Aktualisierung der Nis-Verordung vom 17. Dezember 2021 protestieren können. Eigenleistung ist dazu nicht vonnöten, denn der Verein bietet eine Art Baukasten an, mit dem jeder sich mit wenigen Klicks eine Protestpostkarte nach persönlichem Geschmack zusammendengeln kann.

Glaubt man Mobilfunkgegnern und älteren Meinungsumfragen, sind große Teile des rd. acht Millionen zählenden Schweizervolks gegen 5G eingestellt. Unter dieser Maßgabe müsste die Protestaktion des Vereins "Schutz vor Strahlung" das eidgenössische Bundesamt für Umwelt (Bafu) mit abertausenden von Postkarten überrollt haben. Irrtum: Tatsächlich waren es bis Ende April 2022 nur etwas mehr als 500 Postkarten. Dies ergab eine Anfrage des IZgMF bei der Schweizer Regierung.

In der Abendsonne werfen auch Zwerge lange Schatten

Die bescheidene Resonanz der Postkartenaktion in der Bevölkerung legt den Verdacht nahe, die öffentliche Wahrnehmung von Mobilfunkgegnern in der Schweiz ist verzerrt. Mutmaßlich von den Medien, weil diese häufig über Protestaktionen von (einigen wenigen) Anwohnern eines geplanten Funkmasten berichten und damit den falschen Eindruck eines landesweit großen Bürgerprotests erwecken.

Bestätigt wird dieser Verdacht von der Einrichtung einer Schweizer Meldestelle für "elektrosensible" Nutztiere (Nunis) im Dezember 2013. Anlass waren damals medial stark beachtete Berichte einer handvoll Milchbauern, ihre Tiere würden unter der EMF-Exposition von Funkmasten angeblich gravierende Symptome zeigen. Ende 2018 wurde die Nunis-Meldestelle infolge schwacher Frequentierung geschlossen und Projektleiter Prof. Hässig von der Universität Zürich ließ enttäuscht verlauten:

NIS [Nichtionisierende Strahlung] und Kriechströme stellen in der Landwirtschaft kein wichtiges Problem dar: Die Problematik scheint in der Öffentlichkeit grösser zu sein, als sie wirklich ist, möglicherweise deshalb, weil sich in der Vergangenheit einige wenige betroffene Landwirte wirkungsvoll mediales Gehör verschaffen konnten.

Mobilfunkgegnern laufen die Anhänger davon

Für den Verdacht spricht auch eine aktuelle Statista-Umfrage vom März 2022, die 5G eine gegenüber 2020 sprunghaft zunehmende Akzeptanz in der Schweizer Bevölkerung bescheinigt. Lagen 2020 die 5G-Gegner unter den Befragten noch mit rd. 24 Prozent (absolut dagegen) und rd. 20 Prozent (eher dagegen) vorne, sind 2022 nur noch rd. neun Prozent absolut und 18 Prozent eher gegen 5G. Die Verluste bei den 5G-Gegnern kamen den Befürwortern zugute, von denen 2022 rd. 17 Prozent unbedingt für 5G sind und 32 Prozent eher für 5G.

Wenn die Statista-Umfrage das Meinungsbild in der Schweiz korrekt wiedergibt, gehen den Mobilfunkgegnern die Anhänger scharenweise von der Stange und laufen zu den 5G-Befürwortern über. Auch dieser Prozess kommt nicht überraschend, er spielte sich in der Vergangenheit bei der Einführung jedes neuen Mobilfunkstandards ab. Das Prozedere ist dabei stets gleich: Wegen der Akquise neuer Standorte für Funkmasten schwillt der Protest in der Bevölkerung, angeheizt von Gegnern und den Medien deutlich an und Mobilfunkgegner bekommen Oberwasser. Mit Ende der Akquisephase kollabieren sowohl das Medieninteresse als auch der Bürgerprotest und Mobilfunkgegner ziehen sich in ihre Festungen zurück. Dort warten sie ab, bis das große Protestspektakel mit dem nächsten Mobilfunkstandard von vorne beginnt.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Schweiz, Rinder, Akquise, Postkartenaktion, Schutz vor Strahlung


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