Fertilität: Fossile Brennstoffe anstelle von EMF unter Verdacht (Forschung)

H. Lamarr @, München, Montag, 03.01.2022, 23:17 (vor 334 Tagen)

Am 15. Dezember 2021 erschien in der Fachzeitschrift Nature Reviews Endocrinology der Artikel Environmental factors in declining human fertility. Die Autoren diskutieren darin Daten, die darauf hindeuten, dass sich die reproduktive Gesundheit in industrialisierten Regionen verschlechtert. Weit verbreitete Unfruchtbarkeit und die Notwendigkeit einer assistierten Reproduktion aufgrund von schlechter Samenqualität und/oder Eizellenversagen sind heute große Gesundheitsprobleme. Andere Indikatoren für eine nachlassende reproduktive Gesundheit sind ein weltweiter Anstieg der Inzidenz von Hodenkrebs bei jungen Männern und Veränderungen in der Häufigkeit von Zwillingen. Es gibt auch Hinweise auf einen parallelen Rückgang der Raten legaler Abtreibungen, was eine Verschlechterung der Gesamtbefruchtungsrate erkennen lässt.

Glaubt man dem Verein Diagnose-Funk, ist an dieser besorgniserregenden Entwicklung vor allem die weltweite Verbreitung des digitalen Mobilfunks schuld. Doch es gibt viele gute Gründe, dem Verein nichts zu glauben. Auch das nicht, was er in pseudowissenschaftlicher Verpackung vollmundig über Fertilitätsprobleme zu berichten weiß.

Schon um 1900 waren geringfügige Veränderungen der Fruchtbarkeitsziffern sichtbar und die meisten industrialisierten Regionen weisen heute Geburtenraten auf, die unter dem Niveau liegen, das zur Erhaltung ihrer Bevölkerung erforderlich ist. Die Autoren des Artikels sehen jedoch nicht EMF als Verursacher unter Generalverdacht, sie erwähnen elektromagnetische Felder nicht einmal am Rande. Vielmehr gehen sie davon aus, dass die reproduktiven Gesundheitsprobleme teilweise mit der zunehmenden Exposition des Menschen gegenüber Chemikalien zusammenhängen, die direkt oder indirekt aus fossilen Brennstoffen stammen. Allein dieser Verdacht der Autoren hätte mich noch nicht zu diesem Posting bewegt, wäre es nicht die IARC gewesen, die auf die Studie aufmerksam machte, weil Wissenschaftler der IARC als Autoren an der Studie beteiligt sind. Erst dieser Umstand gibt mMn der Arbeit das spezielle Geschmäckle.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
IARC, Fertilität, Hodenkrebs, Chemikalien


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