Gesundheitstipp: Alarmieren auf Teufel komm raus (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 26.04.2018, 10:05 (vor 590 Tagen) @ H. Lamarr

Das Schweizerische Gesundheitsmagazin Gesundheitstipp fällt mir regelmäßig unangenehm auf wegen seiner unqualifizierten Berichterstattung über "Elektrosensible" (angebliche Elektrosmog-Betroffene).

Die Lust am Alarmieren auf Teufel komm raus hat bei Gesundheitstipp Tradition. Es ist ja auch so schön einfach, sich als Anwalt der Bevölkerung gegen 1001 reale oder nur gefühlte Gesundheitsrisiken in Szene zu setzen. In einem Rückblick auf seine "Leistungen" schreibt das Blatt im Jahr 2005:

Krebsgefahr durch Elektrosmog

Ausgabe 11/2005: Wer neben einer Hochspannungsleitung wohnt, ist massivem Elektrosmog ausgesetzt. Das zeigte eine Stichprobe des Gesundheitstipp in zwölf Wohnhäusern. In mehr als der Hälfte der auf Elektrosmog untersuchten Wohnungen war die Strahlung so stark, dass ­Experte Guido Huwiler sagte: «Ich kann nicht mit gutem Gewissen empfehlen, dass die Leute dort ­weiterhin wohnen.» Denn bei solch hohen Belastungen steigt das Krebsrisiko. Der Gesundheitstipp liess weitere Elektrosmog-Messungen durchführen: in Schulhäusern (2006) und in Privatwohnungen mit kabellosem Internet (2013). Die allererste Messung veranlasste der Gesundheitstipp bereits 2003 – beim Flughafen-Radar.

Kommentar: Was Gesundheitstipp als (Elektrosmog-)"Experte Guido Huwiler" verkauft ist in Wahrheit ein ausgebildeter Tiefbauzeichner, Maurer und Therapieberater und – wer hier hätte es nicht längst vermutet – natürlich auch ein Baubiologe :no:. Baubiologen leben von der Angst der Leute u.a. vor Schimmelpilzen, gesundheitsschädlichen Ausgasungen und eben vor Elektrosmog. Baubiologen und Gesundheitsblättchen wie Gesundheitstipp sind ein sich gegenseitig beipflichtendes Win-Win-Gespann, die Zeche zahlt, wer sich darauf einlässt. Möglicherweise begreifen die Schweizer dies langsam, denn die verkaufte Monatsauflage des Gesundheitstipp fiel von rd. 67'000 Exemplaren (2013) auf zuletzt 62'000 Hefte (2017). Auch die vorzügliche Eignung des Internets als konkurrierende Plattform für Panikmacher dürfte an dieser Entwicklung nicht unbeteiligt sein.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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