Ramazzini-Krebsstudie mit PR-Aktion öffentlich vorgestellt (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 01.04.2018, 16:23 (vor 414 Tagen) @ H. Lamarr

Die organisierte Anti-Mobilfunk-Szene versucht die Ramazzini-Krebsstudie mit viel TamTam in die Öffentlichkeit zu pressen, um trotz der Mängel der Studie möglichst viel Unruhe in der Bevölkerung zu stiften. Das PR-Geklapper weckt ungute Erinnerungen an die auffällig intensive Vermarktung von zwei Wiener "Reflex"-Studien, um deren Mängel noch heute gestritten wird. Hier eine kleine Chronik der bisherigen Aktionen zugunsten der Ramazzini-Krebsstudie.

24. Januar 2017: Fiorella Belpoggi, Korrespondenzautorin der Ramazzini-Krebsstudie, trägt auf einer von Devra Davis organisierten Anti-Mobilfunk-Tagung in Israel erste noch inoffizielle Ergebnisse der Krebsstudie vor:



09. Oktober 2017: Einreichung der Ramazzini-Krebsstudie bei der wissenschaftlichen Zeitschrift "Environmental Research". Das Manuskript muss noch einmal überarbeitet und am 19. Dezember 2017 erneut zur Veröffentlichung eingereicht werden.

23. Januar 2018: "Environmental Research" akzeptiert das überarbeitete Manuskript für die Veröffentlichung. Da Ramazzini mit der Publikation die breite Öffentlichkeit der organisierten Mobilfunkgegner und sogenannte "Fachinformationsdienste" erreichen will (open access), wird eine Gebühr von 3400 Dollar fällig, zahlbar an den Verlag.

07. März 2018: "Environmental Research" publiziert online die Studie mit dem sperrigen Titel "Report of final results regarding brain and heart tumors in Sprague-Dawley rats exposed from prenatal life until natural death to mobile phone radiofrequency field representative of a 1.8 GHz GSM base station environmental emission".

22. März 2018: Die Ramazzini-Krebsstudie wird mit einer virtuellen "Pressekonferenz" ohne Presse via YouTube in die Öffentlichkeit getragen. Zu sehen gibt es in dem rund 70 Minuten dauerndem Video, abgesehen von den Namen der Referenten, jedoch nichts – die Vorträge der Referenten sind nur als Ton wahrzunehmen.

Die Liste der Referenten zeigt bis auf Annie J. Sasco bekannte Namen der internationalen Anti-Mobilfunk-Szene. Diese Art der Bekanntmachung ist ein zuverlässiges Indiz dafür, dass die Ramazzini-Krebsstudie in erster Linie der Öffentlichkeit (fachliche Laien) bekannt gemacht werden soll. Bereits 2003 beunruhigte der Ex-Tabaklobbyist Franz Adlkofer mit der "Reflex"-Mobilfunkstudie ebenfalls ungewöhnlich stark die unbedarfte Öffentlichkeit, damals sogar lange vor der wissenschaftlichen Präsentation der Daten, die später unter Fälschungsverdacht geraten sollten. Devra Davis, die Unvermeidliche unter den US-Mobilfunkgegnern, nutzt den Heimvorteil und berichtet noch am 22. März auf ihrer Website Environmental Health Trust als erste über die Ramazzini-Studie. Ein von Devra eigens vorbereitetes Frage-Antwort-PDF enthält selbstverständlich keine Fragen zu den Statistik-Mängeln der Studie, sondern ausschließlich Linientreues.

Davis sponserte die Ramazzini-Studie auch finanziell, zum Dank dafür ist ihr Verein "Environmental Health Trust" in der Online-Ausgabe der Studie der einzige Geldgeber, der auch verlinkt wird. Das bringt Devra Davis Klicks und viele Klicks bringen wiederum bessere Platzierungen in den Trefferlisten der Suchmaschinen; so läuft das eben unter Freunden. Vermisst habe ich unter den Sponsoren allerdings die Tabakindustrie, für die ist die Studie und das TamTam, das darum gemacht wird, mit Sicherheit wertvoll – wären da nicht diese schnell gefundenen Mängel in der Statistik.

26. März 2018: Das Instituto Ramazzini stellt nun auch selbst die Krebsstudie auf der eigenen Website und in der Landessprache vor. Zu dem Datum gibt es widersprüchliche Angaben: Auf der Leitseite ist der Artikel gegenwärtig auf den 26. März datiert, im Artikel selbst ist vom 22. März die Rede.

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Die "Flipperkugel" Ramazzini-Studie ist jetzt im Spiel und die Anti-Mobilfunk-Szene wird sich bemühen, sie möglichst lange dort zu halten. Doch das wird nicht so einfach sein, denn bereits die heute bekannten Mängel nehmen der ohnehin nur wenig aufregenden Alarmstudie die Stoßkraft. So ist denn auch die Medienanalyse nicht sonderlich eindrucksvoll, der Suchbegriff "Ramazzini mobile tumor", er deckt vor allem Treffer in den Sprachen englisch und italienisch ab, brachte heute nur 86 Treffer hervor, die meisten davon in Italien. Dies deutet darauf hin, dass der Ramazzini-Krebsstudie nur ein kurzes Hoch beschieden sein wird, danach werden nur noch organisierte Mobilfunkgegner sich ihrer hin und wieder erinnern. Das wissenschaftliche Grab der Arbeit werden aller Voraussicht nach die kommenden Studienreviews von Expertenkommissionen graben mit deren Kommentaren zur Qualität der Daten.

R.I.P. Game over. Next Player.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Krebs, Game over, Davis, Finanzierung, Hardell, Melnick, Hawaii, Ramazzini, Belpoggi, Carpenter Adlkofer


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